Kurios und spektakulär sind die Transporte der an die 70 Meter langen Rotorblätter. Bis sie an den drei Türmen des Windparks Verenafohren im Wald von Wiechs am Randen montiert sind, gibt es noch einige unwägbare Risiken. Während beim ersten Transport von Rotorblättern unter Begleitung vieler Sicherheitsfahrzeuge und der Polizei im Kurvenbereich des Grenzübergangs Löwen-Schlauch ein technischer Defekt fast ein teures Nachspiel bewirkt hätte, sorgte nun ein Lasterfahrer für Ungemach. Und das hat etwas mit der Kuriosität zutun.Da die Spezialtransporte in Deutschland nur nachts und in der Schweiz ausschließlich tagsüber fahren dürfen, müssen die überlangen Last-Gefährte einige Zeit am Zoll Neuhaus vor der Schweizer Grenze verharren.

Und beim dritten Transport rammte ein Laster seitlich ein am Zoll Neuhaus geparktes Rotorblatt. In der Folge kam auch ein zweites leicht zu Schaden. Der Lasterfahrer ergriff laut Polizei Unfallflucht, konnte aber später ermittelt werden. Zum Zeitpunkt der Beschädigung wollten die Spezialtransporter gerade starten und hatten dazu auch die Sicherheitspylonen entfernt. Bei einem vorhergehenden Transport rauschte ein Bus versehentlich in die Spitze eines Rotor-Blattes.

Nur aus der Nähe gut erkennbar, aber doch erheblich reparaturbedürftig sind solche Schäden an einem Rotorblatt.
Nur aus der Nähe gut erkennbar, aber doch erheblich reparaturbedürftig sind solche Schäden an einem Rotorblatt. | Bild: Albert Bittlingmaier

"Die Vorfälle sind nervig und erfordern Reparaturen, die der Hersteller, die Rostocker Firma Nordex, vor Ort ausführt. Es sind leichtere Schäden am Kunststoffmaterial, deren Höhe wir nicht genau beziffern können", schildert Christoph Tonder, der beim Singener Unternehmen Solarcomlex als Projektleiter für den Windpark Verenafohren agiert. Zeitliche Verzögerungen seien durch die Zwischenfälle nicht zu erwarten. Ab etwa 10. April werden laut Tonder die Windräder voraussichtlich montiert. Die Aktion soll etwa vier bis fünf Wochen dauern, bis alle drei Windkraft-Anlagen stehen. "Bis die Windräder komplett montiert sind, tragen die beauftragte Spedition und die Hersteller-Firma die Verantwortung, auch für eventuelle Schäden", betont Peter Sartena, einer der beiden Geschäftsführer der Gesellschaft Hegauwind, welche die Anlagen in Verenafohren betreibt.

"Das Interesse am Bau des Windparks ist riesig, vor allem an Wochenenden. Der Musikverein Wiechs will sogar am Sonntag an einer Anlage einen Würstchen-Stand aufstellen", berichtet Christoph Tonder. "Die meisten Leute sind diszipliniert. Es gibt aber auch solche, die auch auf Stellen gehen, bei denen das Betreten verboten ist", schildert Joachim Schröder, einer der Sicherheitsbeauftragten. "Wir sind beim großen Material-Lager im Oberdorf von Wiechs und auf den Baustellen im Wald im Einsatz. Es gibt auch Alarmgeräte", so Schröder.


Windpark Verenafohren

Die Gesellschaft Hegauwind mit Anteilseigner, wie Stadtwerke und Energie-Unternehmen aus der Region, baut und betreibt den Windpark Verenafohren. Die Kosten betragen 16,3 Millionen Euro. Mit einer Nabenhöhe von etwa 135 Metern und den 70 Meter langen Rotorblättern werden die drei Windkraft-Anlagen etwa 200 Meter hoch. Dieser Wert ist vergleichbar mit dem des Stuttgarter Fernsehtrums. Ziel ist es, dass der reguläre Betrieb im späten Frühjahr startet. Der Stromertrag soll sich jährlich auf 20 Millionen Kilowattstunden belaufen.