Außer einem Barhocker hatte Böttcher keine Requisiten nötig und zog das Publikum mit seiner Schlagfertigkeit und mit großem Improvisationstalent in seinen Bann. Los ging‘s mit der Vorstellung des Künstlers durch Vereinsvorstand Michael Frank. Der Programmbeginn des Kabarettisten war ein beinahe philosophischer, als er das Leben als Kreislauf beschrieb, bei dem man im hohen Alter wieder gefüttert und gewickelt werden müsse. Alles komme halt wieder, nur mit dem Unterschied, dass die volle Windel am Lebensende nicht mehr so freudig kommentiert werde . . .

Die Illusionen des Älterwerdens

Doch noch sei es nicht so weit, denn der „Silberrücken„, der Mann mit über 50 Jahren, sei obenauf. Doch wehmütig sei er manchmal auch und wünsche sich seine Jugend zurück. Der Kabarettist spielte dann seine beindruckenden Improvisationskünste aus, indem er den 19-jährigen Yannick Brake, den jüngsten Spieler des SG TeWa, als Sparringspartner nach vorne holte. Er befragte den jungen Fußballer nach dessen Zukunftszielen und erhält die Antwort, dass dieser einmal viel Geld verdienen und eine Familie gründen wolle.

Die Wünsche des jungen Mannes nutzte der Kabarettist dann als Projektionsfläche für die eigenen Erfahrungen und erklärte: „Man träumt so lange von einer Familie, bis man selbst eine hat!“ Er spricht dann von den Illusionen des Älterwerdens, zum Beispiel der, dass einem „Ü 50er“ noch alle beruflichen Möglichkeiten offenständen – bis der Silberrücken dann doch akzeptieren müsse, dass der neue Chef gerade mal das Alter des eigenen Sohnes habe.

Kabarett wie eine Schluckimpfung

Apropos eigene Kinder: Die seien jetzt zwar aus dem Haus, aber so undankbar, insbesondere die eigene Tochter, die ihm vorwerfe, dass er sie nie genug gelobt habe. Uli Böttcher gab dann den Zerknirschten – vielleicht habe seine Tochter, deren Name ihm im Moment nicht einfalle, ja recht, doch dann erinnerte er sich an die Geigenstunden, die er über Jahre hinweg finanziert und die dabei mit ihrem Spiel seine Ohren gequält habe. Ach ja, Anja sei ihr Name, der ihm zwar auf der Zunge gelegen habe, doch dieser habe so bitter geschmeckt, dass er ihn wieder runtergeschluckt habe, doch nun, da ihm die Galle hochkomme, sei ihm ihr Name wieder eingefallen.

Wie bei einer Schluckimpfung verpackt Uli Böttcher die bitteren Erkenntnisse eines „ Ü 50ers“ in Zucker und alle im Publikum lachen darüber – doch das macht eben den guten Kabarettisten aus: dass er das Leben zwar schonungslos, aber mit humoriger Distanz analysiert.