Am Fasnet-Sunntig ging es in Watterdingen hoch her, denn anlässlich des "60 + 1 Jubiläums" der ortsansässigen Zunft der Biberjohli, die im Jahr 1958 gegründet worden war, fand am frühen Nachmittag der erste Randenumzug überhaupt statt, bei dem die Narrenvereine und -zünfte der Stadt Tengen und ihrer Teilorte gemeinsam durch die Straßen zogen.

Ohne göttlichen Beistand geht es auch bei der Fasnacht nicht, und so begann der Tag mit der Messe in der Pfarrkirche St. Gordian und Epimachus. Das bunte Narrenvolk, das zahlreich erschienen war, hatte einen Streich ausgeheckt, denn als Pfarrer Harald Dörflinger vor die närrische Gemeinde trat und diese mit "Biber" begrüßte, schallte ihm nicht das dem Narrengruß entsprechende "Johli" entgegen, sondern ein "Halleluja", was den Pfarrer aber keineswegs aus dem Konzept brachte – und so wiederholte sich dieser abgewandelte Gruß im Laufe des Gottesdienstes noch mehrere Male.

Ohne göttlichen Beistand geht es auch bei der Fasnacht nicht und so begann der Tag mit der Messe in der Pfarrkirche St. Gordian und ...
Ohne göttlichen Beistand geht es auch bei der Fasnacht nicht und so begann der Tag mit der Messe in der Pfarrkirche St. Gordian und Epimachus. Das bunte Narrenvolk genoss den etwas anderen Gottesdient, den Pfarrer Harald Dörlinger dem Anlass gemäß locker und heiter zelebrierte.

Fast schon eine Gospelmesse

Auch der Kirchenchor hatte sich textlich der fünften Jahreszeit angepasst und rief zum Beispiel beim "Gloria" den "Biberjohlitag" aus und wünschte den Narren gesanglich "viel Spaß bei uns in Mallau" – wie der Tengener Stadtteil Watterdingen immer wieder umgangssprachlich genannt wird.

In seiner Predigt beschwor Pfarrer Dörflinger dann den Fasnetgeist, der alle Narren eine und bei dem man den anderen zu nehmen habe, wie er eben sei und sich nicht zum Richter aufspiele. Dazu zitierte er aus Matthäus Kapitel 7 Vers 3, wo es unter anderem heißt: "Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen!"

Bei den gesanglichen Einlagen erinnerte der Gottesdienst dann an eine Gospelmesse, als der der Kirchenchor richtig schön groovte und auch die Narren, vom Pfarrer animiert, bei "Jesus Christ, you are my Life" die Arme ausbreiteten und die Hände kreisen ließen.

Loblied auf den Heimatort

Zum anschließenden Zunftmeisterempfang im Obergeschoss des Rathauses war der Weg – nur die Straße musste überquert werden – ein sehr kurzer, wo der Zunftmeister der Biberjohli, Alexander Schmid, alle "Großkopfeten" begrüßte. Dann sang der Zunftmeister das Loblied auf seinen Heimatort, wo es zum Beispiel die größte Fendt-Traktoren-Dichte in ganz Deutschland gebe.

Schließlich bekam auch Bürgermeister Marian Schreier noch sein Fett weg, als ihm bescheinigt wurde, das Zeug zum Bundeskanzler zu haben, weil er wie die anderen Politgrößen schon zehn Minuten am Stück reden könne, ohne dabei etwas zu sagen. Dieser ließ sich nicht lumpen und schmierte den Watterdingern erst etwas Honig um den Mund, indem er seine Verbundenheit mit den Biberjohli dadurch ausdrückte, dass es ja eine enge Wortverwandtschaft zwischen "Schreier" und "Johli" gebe. Dann hob er die Bedeutung der Gründung der Biberjohli im Jahr 1958 mit einem Augenzwinkern als weltbewegendes Ereignis empor und stellte diese auf eine Stufe mit der Revolution in Kuba und der Ableistung des Militärdienstes von Elvis Presley in Deutschland.

Bevor es zum großen Randenumzug ging, erhielten die Zunftmeister noch ihre Orden vom Zunftmeister der Biberjohli, und dann tobte das närrische Volk kunterbunt durch das Dorf