Zwischen der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee und dem Landratsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises gibt es ein grundsätzliches Problem. Wie Rainer Hespeler als Präsident der Narrenvereinigung gestern beim Konvent der Narren in der Tengener Randenhalle ausführte, sind die Gespräche wegen der von der Behörde erhobenen Gebühren für Brauchtumsveranstaltungen enttäuschend verlaufen. Der Präsident befürchtet, dass dadurch die Motivation der ehrenamtlichen Mitglieder der Zünfte nachlässt und damit die Brauchtumspflege Schaden nimmt.

Der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee gehören insgesamt 120 Zünfte an, die sich im Einzugsgebiet mehrerer Landkreise befinden. Laut Rainer Hespeler verlangt das Landratsamt in Villingen im Gegensatz zu den anderen Landratsämtern von den Narren selbst für kleinste Brauchtumsveranstaltungen eine "kostenpflichtige Beantragung einer verkehrsrechtlichen Anordnung". Nach Einschätzung des Präsidenten ist dies nicht zwingend erforderlich, die Straßenverkehrsordnung sehe für kleinere, örtliche Brauchtumsveranstaltungen eine Befreiung von der Genehmigungspflicht vor.

Die daraufhin erfolgte Aussprache habe jedoch so gut wie nichts gebracht. Das einzige Zugeständnis des Landratsamtes im Schwarzwald sei die Bewilligung einer Dauergenehmigung für drei Jahre gewesen, sofern an den jeweiligen Veranstaltungen nicht mehr als 100 Beteiligte mitmachen würden. Für Rainer Hespeler ist das ein schlechter Witz: Jeder wisse, dass an der Fastnacht auch bei kleinen Veranstaltungen mit mehr Menschen zu rechnen sei. Mit dem Zugeständnis befinde sich das Landratsamt außerdem "meilenweit entfernt von wesentlich kulanteren Lösungen, wie wir sie mit anderen Landratsämtern seit etlichen Jahren erfolgreich praktizieren".

Den Ausführungen des Präsidenten war zu entnehmen, dass es ihm nicht nur um die der Narrenvereinigung zugehörigen Zünfte, sondern insgesamt um das Ehrenamt geht. "Solche aus unserer Sicht sicherheitstechnisch überzogenen Forderungen sind in höchstem Maße demotivierend für alle, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich für unsere schwäbisch-alemannische Fastnacht einsetzen." Er prophezeite, dass unter solchen Bedingungen etliche Veranstaltungen künftig organisatorisch und finanziell nicht mehr auf die Beine zu stellen sein würden.

Beim gestrigen Konvent der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee geht es um Brauchtumspflege und Ehrenamt. Ein Thema, das letztlich auch die Stadtkapelle Tengen unter ihrem Leiter Gottfried Hummel betrifft, die bei der Versammlung die Rolle des musikalischen Pausenfüllers übernahm.
Beim gestrigen Konvent der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee geht es um Brauchtumspflege und Ehrenamt. Ein Thema, das letztlich auch die Stadtkapelle Tengen unter ihrem Leiter Gottfried Hummel betrifft, die bei der Versammlung die Rolle des musikalischen Pausenfüllers übernahm.

Vor den rund 250 Teilnehmern des Konvents machte Rainer Hespeler zugleich deutlich, dass sich die Narren durchaus der heutigen Sicherheitserfordernisse bewusst sind. Dass es an der Fastnacht 2016/2017 so wenig Gewalt und Alkoholprobleme wie selten zuvor gegeben habe, ist nach seiner Einschätzung das Ergebnis höherer Polizeipräsenz. Ganz oben siedelt er auch die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes an: "Dies muss bei Veranstaltungen wie etwa den Narrentagen oberste Priorität haben."

Ganz im Sinne des Präsidenten dürfte das Grußwort von Tengens Bürgermeister Marian Schreier ausgefallen sein. Er nutzte den Konvent zur positiven Darstellung seiner aus neun Teilorten bestehenden Stadt, wobei er neben der Windkraftnutzung im Ortsteil Wiechs das ehrenamtliche Engagement hervorhob. Angesichts von 1300 ehrenamtlich geleisteter Stunden pro Woche (!) und 60 Vereinen geht er in der rund 4500-Seelen-Gemeinde von einem Alleinstellungsmerkmal aus. Und nur so hält er Großveranstaltungen etwa an der Fastnacht für möglich.

Fastnacht als Kulturgut

  1. Bedeutung der Fastnacht: Die im Jahr 2014 von der UNESCO erfolgte Einstufung der schwäbisch-alemannischen Fastnacht als immaterielles Kulturgut bezeichnete Rainer Hespeler als "Ritterschlag für unsere Fastnacht". Für den Präsidenten der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee steht das Vorgehen des Landratsamtes Schwarzwald-Baar im Widerspruch zu den sich daraus ergebenden Aufgaben der Politik. Es gehe darum, dieses Kulturerbe zu pflegen und zu fördern – die verkehrsrechtlichen Anordnungen des Landratsamtes stünden diesem Auftrag entgegen.
  2. Chance für das Brauchtum: Die Wertschätzung der schwäbisch-alemannischen Fastnacht hat offensichtlich auch die Bundeshauptstadt erreicht. Wie der Präsident des Fastnachtmuseums Langenstein, Michael Fuchs, berichtete, wurde das Museum in ein neues Förderprogramm mit dem Titel "Museum 4.0" aufgenommen. Damit befinde sich das Schloss Langenstein auf Augenhöhe mit bundesweit bedeutsamen Museen wie etwa dem Deutschen Museum in München. Michael Fuchs kann bei der Förderung von einem Betrag von 1,2 Millionen ausgehen, sein Ziel ist eine stärkere, nach Möglichkeit bundesweite Ausstrahlung des Museums Langenstein. Gegenüber den Teilnehmern des Konvents brachte er auch die Vision eines Museum-Neubaus auf dem Langenstein-Areal zur Sprache. (tol)