Eigentlich hatte der Gemischte Chor Weil deshalb in die Biberhalle nach Watterdingen eingeladen, weil klar war, dass das Bürgerhaus Weil dem Besucherandrang zum Jubiläumskonzert nicht gerecht werden konnte. Um in der Halle möglichst vielen Gästen Platz bieten zu können, wurde nur bestuhlt und auf Tische verzichtet. Trotzdem war dann am Konzertabend der Andrang so groß, dass der gastgebende Chor und einer der Gastchöre freiwillig auf Sitzplätze verzichteten und sie den Konzertbesuchern zur Verfügung stellten.

Chöre auf Augenhöhe mit Publikum

Außergewöhnlich war, wie nah das Publikum während des Konzerts den Chören war, denn diese sangen nicht oben von der Bühne herab, sondern unten im Saal auf Augenhöhe mit den Gästen. Nachdem Peter Rendler als Vorsitzender des Weiler Chores auf die ihm eigene, locker-freundliche Art die Anwesenden begrüßt hatte, legten die Gastgeber unter der Leitung von Larissa Malikova konzentriert los und sangen mal schwerblütig und melancholisch, dann wieder ganz zart. Bei „Say something“ wurde es gar dramatisch, weil das Lied vom Verlust der großen Liebe handelt.

Stürmischer Applaus für Schweizer

Nach lang anhaltendem Applaus versprühten dann 13 Schweizer Recken aus dem Kanton Thurgau gute Laune mit landestypischen Jodelgesängen und dem humorvoll präsentierten DJ Ötzi-Lied „A Mann für Amore“. Der Männerchor Schlatt unter der Leitung von Kornelia Scherer-Chrobog erntete dafür stürmischen Applaus. Welche Zugabe dann fällig war? Natürlich die „Vogellisi“ (die chunt vo Adelbode her).

Wie sehr der Chorgesang derzeit im Wandel begriffen ist, stellte der Gesangverein Emmingen ab Egg unter Beweis, denn beim „Scat Calypso“ setzten nicht etwa zuerst die Stimmen ein, sondern die Hände, die den Klatschrhythmus vorgaben. Zum südamerikanischen Groove ließen die Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Stefanie Disch dann die Hüften kreisen. Beim Lied „Nette Begegnungen“ gab es gar theatralische Elemente, als der Chor die oft hohlen Small-Talk-Phrasen gesanglich präsentierte und dabei gestisch untermalte.

Münsterschola Reichenau begeistert

War das Konzert bis zu diesem Zeitpunkt schon reich an Höhepunkten, gelang es dem Projektchor Münsterschola Reichenau tatsächlich, noch mal eine Schippe draufzulegen. Vor allem ihr „Weit weit weg“ von Hubert von Goisern, das längst zu den Standards auch der Chöre unserer Region gehört, hatte man so zart und gleichzeitig prägnant und präzise noch nicht gehört. Doch dieser Kirchenchor, der er in erster Linie ist, kann auch flott und temperamentvoll, wie er mit dem Pop-Klassiker „Hit the road Jack“ bewies.

„Der Chorgesang lebt“

Zum Schluss entführten die Reichenauer das Publikum an die Copacabana, als sie mit einer Mischung aus südamerikanischem Temperament und europäischen Fernweh einen Sambatitel vortrugen. Den Schlusspunkt brachte der gastgebende Chor mit Ausschnitten aus dem Musical „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber auf die Bühne: mit Soli verschiedener Sängerinnen und Sänger, sowie Elektrobass-, Gitarren- und Pianobegleitung.

Als der lang anhaltende Applaus verklungen war, hatte der Vorsitzende des Weiler Chores Peter Rendler das letzte Wort und zog das stürmisch beklatschte Resümee: „Der Chorgesang lebt – und wie!“