Blumenfeld als Ensemble aus Schloss, Kirche und Altstadtring ist malerisch inmitten sanfter Hügel eingebettet und von Ferne scheint es tatsächlich so, wie es im alten Reim heißt, dass es zu den schönsten Städtchen der Welt zählt. Doch bei näherer Betrachtung macht sich – insbesondere was den Altstadtring betrifft – ein ganz anderer Eindruck breit: Viele heruntergewirtschaftete Immobilien, Bretterbuden und ein Dutzend Schrottautos ohne Kennzeichen, die entlang der Schlossstraße abgestellt sind. Das dürfte auch einigen Kaufinteressenten des Schlosses aufgefallen sein, das seit anderthalb Jahren für 1,55 Millionen Euro zum Verkauf steht.

Doch diese offensichtlichen Mängel sind nur ein Teil des Problems, wie die Vorstellung einer städtebaulichen Grobanalyse vor dem Tengener Gemeinderat zutage brachte. Die LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH, die diese Analyse erstellte und sowohl private als auch öffentliche Gebäude auf dem sechs Hektar großen Gebiet begutachtete, kam zu dem Ergebnis, dass 95 Prozent aller Gebäude Mängel aufweisen, wobei 42 Prozent stark mängelbehaftet sind. Die städtebauliche Grobanalyse weist auch auf den Funktionsverlust der Schlossanlage hin, außerdem auf die hohe Leerstandquote der Gebäude, gestalterische und funktionale Defizite der Verkehrs- und Freianlagen, eine unbefriedigende Situation des Erscheinungsbilds privater Vorbereiche und Stellplätze sowie auf Defizite bei der Barrierefreiheit.

Damit liegen auch die Sanierungsziele auf der Hand: Es muss ein nachhaltiges Nutzungskonzept für die Schlossanlage entwickelt, die historische Stadtanlage muss durch eine Neuordnung des Parkierungsangebots entlastet, die unausweichlichen privaten Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßen durch Zuschüsse gefördert und der öffentliche Raum durch Neugestaltung von Straßen- und Platzräumen unter Berücksichtigung der Barrierefreiheit aufgewertet werden.

Die Finanzierung der Ortskern- und Schlosssanierung, rund fünf Millionen Euro, könnte im Rahmen der Städtebauförderung gestemmt werden, wie Bürgermeister Marian Schreier den Gemeinderäten in der letzten Sitzung vorrechnete. Die Städtebauförderung, von Bund und Ländern getragen, untergliedere sich unter anderem in Programme zur Stärkung von Ortskernen, Erhalt denkmalpflegerischer Substanz oder Behebung sozialer Missstände, wie Schreier erläuterte. Bei erfolgreichem Antrag würden 60 Prozent – also knapp drei Millionen Euro – über Fördermittel und der Rest über städtische Eigenmittel finanziert. Diese über neun Jahre laufenden Maßnahmen würden die Stadt jährlich mit rund 215 000 Euro belasteten. Der Bürgermeister führte weiter aus, dass er schon beim Regierungspräsidium in Freiburg vorgesprochen habe und die Antragsstellung dort befürwortet worden sei. Doch dies stelle noch keine Garantie dafür dar, in das Programm aufgenommen zu werden.

Daraufhin entwickelte sich im Rat eine lange Diskussion, wobei vor allem die Befürchtung geäußert wurde, dass man hiermit wiederum – wie schon bei den Pflegeheimen – ein Fass ohne Boden aufmache. Marian Schreier hielt dagegen und argumentierte, dass man im Gegensatz zu den Pflegeheimen bei der Altstadtsanierung nicht der Getriebene sei, sondern alle Zügel fest in der Hand behalte und Geld nur bei tatsächlichem Bedarf abgerufen werde. Ein weiter, nicht einfach von der Hand zu weisender Einwand war der, dass die Sanierung des Altstadtrings nur dann Sinn mache, wenn alle Privateigentümer mitzögen. Da sei viel Überzeugungsarbeit zu leisten, wie der Bürgermeister attestierte. Doch sei im Städtebauförderungsprogramm eben auch vorgesehen, private Haussanierungen bis zu einem Höchstbetrag zu fördern. Dazu würden Verträge zwischen Stadt und den Hauseigentümern abgeschlossen, die mit klaren Verpflichtungen verbunden seien, um Mitnahmeeffekten vorzubeugen.

Edmund Sturm, der Ortsvorsteher von Blumenfeld, bedankte sich nach der Abstimmung beim Rat für den positiven Entscheid zum Antrag auf Aufnahme von Schloss und Ortskern in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz. Er bezeichnete diesen Vorgang als "einmalige Chance für Blumenfeld".

Verkauf des Schlosses

Seit anderthalb Jahren versucht die Stadt Tengen – bislang vergeblich – Schloss Blumenfeld zu verkaufen. Kostenschätzungen für Nutzungskonzepte, von Konstanzer Architekturstudenten entwickelt, wiesen schon auf Millioneninvestitionen in Umbauten hin. Sollte es mit dem Antrag zur Aufnahme in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz klappen, sieht der Tengener Gemeinderat dies auch als ein starkes Verkaufsargument für das Schloss, denn dann gäbe es für die notwendigen Umbaumaßnahmen zu großen Teilen staatliche Fördermittel.