Der Verein für integrierte ländliche Entwicklung Bodensee (ILE-Bodensee), der erst im letzten Jahr gegründet worden war, hatte zur Mitgliederversammlung ins Bürgerzentrum Linde nach Büßlingen geladen. Dieser Treffpunkt für Jung und Alt war nicht von ungefähr für die erste turnusmäßige Mitgliederversammlung ausgesucht worden, denn die Umbaumaßnahmen waren mit 163 000 Euro aus öffentlichen Mitteln gefördert worden und damit gilt das inzwischen gut frequentierte Bürgerzentrum, das aus einem alten, leerstehenden Gasthaus entstand, als eines der Vorzeigeprojekte gelungener ländlicher Förderung und Entwicklung. Doch warum ist die Förderung der ländlichen Regionen in den letzten Jahren überhaupt so in den Mittelpunkt gerückt? In erster Linie geht es darum, der Landflucht insbesondere der Jungen und damit der gut Ausgebildeten entgegenzuwirken, die es in den letzten Jahrzehnten immer mehr in die scheinbar attraktiveren Ballungszentren der Großstädte zieht.

Doch wie soll es gelingen, die ländlichen Gebiete vor weiterem Ausbluten zu bewahren und sie attraktiver zu machen? In seiner Willkommensrede fasste Philipp Gärtner, Vorsitzender ILE-Bodensee und hauptberuflich erster Landesbeamter des Landkreises Konstanz, die Ziele und Konzepte des Vereins folgendermaßen zusammen: Der Verein setzt sich aus aktuell 35 Mitgliedern zusammen, wobei nicht Einzelpersonen im Mittelpunkt stehen, sondern Vereine, Körperschaften und Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen. Mitglieder sind der Landkreis Konstanz selbst, viele Gemeinden, auch Landwirtschafts- und Naturschutzverbände und zum Beispiel auch die Handwerkskammer Konstanz. Grundlage der Vereinsarbeit sei das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept, wie der Vorsitzende ergänzte, das unter großer Beteiligung der Bürgerschaft im Landkreis Konstanz entstanden sei, worin erste Entwicklungsziele und -strategien definiert sowie erste Projektideen entwickelt worden seien.

Das vergangene Jahr sei durch zahlreiche Abstimmungsgespräche mit unterschiedlichen Akteuren im Landkreis geprägt gewesen, die zur Konkretisierung, Modifizierung, manchmal zum Verwerfen, aber auch zur Entwicklung von neuen Ideen geführt habe, wie Gärtner ergänzte. Michael Baldenhofer, der bislang die „Stabsstelle für Regionalentwicklung“ des Amtes für Landwirtschaft in Stockach innehatte und nun Geschäftsführer des neuen Vereins ILE-Bodensee ist, wurde dann etwas konkreter: Der innovative Ansatz von ILE sei, Regionalentwicklung ganzheitlich und umfassend anzulegen, wobei im Regionalen Entwicklungskonzept dieser Gedanke in vier Handlungsfeldern deutlich werde: Lebens- und Arbeitsraum, Raum für Natur, Kultur, Forst-/Landwirtschaft, Wirtschaftsraum und Freizeit- und Erholungsraum. Als konkreten Erfolg unter ILE-Beteiligung konnte er schon vorweisen, dass der Landkreis Konstanz und der Bodenseekreis gemeinsam als Bio-Musterregion Baden-Württemberg ausgewählt worden seien mit dem Ziel, durch innovative Projekte das Bewusstsein für mehr Bio am Bodensee zu stärken. Dazu passt auch die Förderung der Vermarktung regional angebauter Lebensmittel, wie der Höribülle und die Mitarbeit an der Erstellung der Faltkarte Bodensee-Bauer, auf der alle Hofläden und Direktvermarkter aufgeführt sind.

Ein ganz anderes Aufgabenfeld der ILE-Bodensee ist die Förderung lebenswerter Gemeinden, zum Beispiel durch Konzepte zur besseren ärztlichen und pflegerischen Versorgung auf dem Land, einer nachhaltigen Mobilität und Konzepte zur Förderung des Tourismus. Wieder ein ganz anderes Betätigungsfeld besteht in der interkommunalen Bündelung von Kompensations- und Ökokontomaßnahmen, wobei es darum geht, die versiegelten Flächen für neu erschlossene Baugebiete nicht nur in der unmittelbaren Region durch etwa Wälder oder Feuchtwiesen zu kompensieren, sondern dies großflächiger und koordinierter anzugehen. Der Verein finanziert sich in erster Linie aus Zuwendungen des Landes ((86 000 Euro) und des Landkreises Konstanz (58 000 Euro).

 

Der Verein

22 Mitglieder haben vor einem Jahr den Verein für ländliche Entwicklung Bodensee (ILE) gegründet. Heute hat er 35 Mitglieder – weniger Einzelpersonen, als vielmehr Institutionen wie etwa der Landkreis und regionale Unternehmen. Aufgabe des Vereins ist, die Regionalentwicklung im Kreis Konstanz zu fördern: Er soll als Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsraumattraktiver werden. Dazu gehört unter anderem zum Beispiel, die Schaffung von Arbeitsplätzen und den Erhalt der medizinischen Versorgung zu fördern. (ev)