Gegenüber des Tengener Rathauses steht es: Das Ärztehaus, in dem seit Generationen Wunden verbunden, Heilmittel verordnet und Kranke getröstet werden. Im oberen Stock befindet sich die ehemalige Arztwohnung. Sie steht derzeit leer. In die Wohnung werden nun bald Flüchtlinge einziehen.

Derzeit 30 Flüchtende in Tengen

Christine Kaltenbacher ist als Integrationsmanagerin eingebunden im Bereich Soziale Dienste im Caritas-Verband Singen-Hegau. Sie ist zuständig für Volkertshausen und Tengen und schildert die Ausgangslage: „Rund 30 Flüchtlinge leben derzeit in Tengen.“

Die meisten von ihnen stammen aus dem Irak. Das sind zwei Familien mit insgesamt 12 Mitgliedern. Sie leben in Watterdingen und Büßlingen. Weitere Asylsuchende kommen aus Syrien, Eritrea, Afghanistan, Serbien und Georgien. Geplant ist, dass 50 weitere Asylbewerber in Tengen in der Anschlussunterbringung untergebracht werden. Sie werden nach einer Qoute des Landratsamtes auf die einzelnen Kommunen verteilt.

Keine Erstunterbringung mehr

Bürgermeister Marian Schreier erläutert: „Es gibt inzwischen keine Erstunterbringung in Tengen mehr.“ Bisher habe Tengen nämlich die erforderliche Zahl an Flüchtlingen durch die Erstunterbringung in den Gemeinschaftsunterkünften in Watterdingen und Wiechs abgedeckt. „Künftig ziehen nur noch Asylsuchende nach Tengen, die in die Anschlussunterbringung kommen“, so Schreier.

Menschen also, die schon ein bis zwei Jahre in Deutschland leben, die Zeit der Erstunterkunft hinter sich haben und sich schon ein wenig in die deutsche Kultur eingelebt haben. Tengen biete als Flächengemeinde mit acht Teilorten den Vorteil, dass die anerkannten Asylbewerber dezentral wohnen und sich so leichter integrieren können.

Vermietung bietet Vorteile

„Die Asylsuchenden in Tengen sind alle in Familien mit erwachsenen Kindern eingebunden“, so Kaltenbacher. Bis auf eine Familie hätten alle das Asylverfahren durchlaufen, seien anerkannte Flüchtlinge und damit im Besitz der Aufenthaltserlaubnis.

Damit die noch rund 50 Flüchtlinge, die nach Tengen kommen sollen, Heimat im Hegau finden, sucht die Stadt Tengen noch weitere Wohnungen. Bürgermeister Schreier bittet: „Wir würden uns freuen, wenn private Vermieter auf die Stadt zukommen.“ Die Vermietung an Flüchtlinge sei aus mindestens drei Gründen eine interessante Variante, betont Schreier.

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Erstens, weil die Stadt als Mieter auftrete und das Objekt für fünf Jahre anmietet – und es dann an Flüchtlinge mit abgeschlossenem Asylverfahren untervermietet. Daher stehe die Stadt also für die Mietpflichten ein. Zweitens, weil die Stadt als Ansprechpartner zur Verfügung stehe. Und drittens, weil es Betreuung durch die Caritas gebe. Natürlich können die Wohnungen auch direkt an Flüchtlinge vermietet werden, ohne die Stadt.