Seit vielen Jahren wurde immer wieder die dringend notwendige Sanierung der Pfarrkirche St. Laurentius in Tengen diskutiert. Durch ein Schreiben des Baufördervereins an Erzbischof Stephan Burger und ein Gespräch mit den zuständigen Referenten im vergangenen Jahr im Ordinariat wird nun der erste Sanierungsabschnitt im Frühjahr 2018 begonnen, so Pfarrer Harald Dörflinger. Er hatte Interessierte zur Besichtigung eingeladen.

Die Pfarrei ist sehr alt, aber erst seit 1275 in Dokumenten bezeugt. Bis 1701 war das Patrozinium Unsere Liebe Frau, was ein deutlicher Verweis auf das Engagement und den Besitz des Konstanzer Bischofs in Tengen ist. Erst dann wird Laurentius als Patron der Pfarrei Tengen genannt.

Das Kirchengebäude stammt aus romanischer Zeit, etwa 1150. Die Umfassungsmauer besteht aus glatten, gesägten Quadern des Tengener Muschelkalks. An der Südseite gibt es drei kleine Schießscharten ähnliche Fensterchen, allerdings zugemauert. Die Kapelle war wohl von Anfang an als befestigte Wehrkirche mit Wehrumfriedung am Rande des Dorfbereichs konzipiert. An der Nordwand fehlen Fenster, was ein Indiz für den wehrhaften Charakter ist. Die Kirche war Zufluchtsort und Verteidigungsraum für die Einwohner von Tengen-Dorf. Die Bürger der Stadt hatten Stadtmauer und Wehranlage, die Einwohner von der Stadt Tengen-Hinterburg den Zufluchtsort des Burginnenhofes.

Der jetzige Turm wurde frühestens im 14. Jahrhundert errichtet, wie das Kreuzrippengwölbe im Turmuntergeschoss vermuten lässt. Der Zugang war nur von innen möglich, vom alten Chor aus. Wahrscheinlich wurde dieser Raum als Kapelle oder als Sakristei genutzt.

Einige Umbauten erfolgten im Lauf der Jahrhunderte. Die Baumaßnahmen 1929 bis 1930 veränderten das Erscheinungsbild der Kirche entscheidend. Abriss des alten einfachen Chores, an dessen Stelle erfolgte der Bau eines hohen, ausladenden Querhauses mit einem Südportal, eines großen Chorraumes und einer Sakristei.

Eine Außen- und Innensanierung sei finanziell nicht machbar, sagte Pfarrer Harald Dörflinger. Es müssen daher mehre Bauabschnitte erfolgen. Kirchendach, Kuppel, Außenfassade sind die ersten Maßnahmen, die in diesem Jahr erfolgen. Einzurichten sind in der Zukunft aber auch Lagerräume, eventuell ein WC, im Untergeschoss des Turmes wieder ein Kapellen- oder Andachtsraum, eventuell mit den Figuren des Ölbergs. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Instandsetzung der Orgel.

Die Deckengemälde wurden vom damals bedeutendsten Barockmaler des südwestdeutschen Raumes, Josef Wagenbrenner aus Rastatt, 1936 und 1937 geschaffen. Pfarrer Harald Dörflinger erläuterte diese bis zur Kuppel, wo die Ermordung der neun Jungfrauen von schwedischen Soldaten im 30-jährigen Krieg dargestellt ist. Mit dem großen Umbau stifteten einige Tengener Familien sieben bunte Glasfenster mit Heiligenbildern.

Heiligenbilder

1970 wurden sie entfernt, da sie undicht gewesen sein sollen. In Holzkisten wurden die ausgebauten Teile eingelagert. Um einen Überblick über den Zustand der Heiligenfiguren zu erhalten, wurden sie nun zur Ansicht im Kirchenraum ausgelegt. Von einem Restaurator soll eine Kostenschätzung gefertigt werden, um zu entscheiden, welche restauriert werden können. Offen ist die Finanzierung. Denkbar wäre der Einbau einiger Figuren in die Fenster oder in die Wand mit Beleuchtung sowie sie im Boden auszulegen und mit einer Glasplatte abzudecken.