Es sind die kleinen Geschichten, die den Alltag von Ralph Vogt so liebenswert machen. Der 53-jährige Ravensburger erinnert sich etwa an eine Episode an seinem Süßigkeitenstand neben dem Tengener Festzelt: „Ein Marktbesucher hat bei mir ein Lebkuchenherz für seine Traumfrau gekauft.“

Beim folgenden Schätzele-Markt sei er wieder gekommen und habe ihm erzählt, dass diese Frau ihn inzwischen geheiratet habe. Im nächsten Jahr erzählte er dem Schausteller, dass er bald Vater werde. Und inzwischen ist das Kind schon so groß, dass es am Schätzele-Markt mit Vogts Kinderkarussell fährt. Dies nämlich ist ein weiteres Geschäft, mit dem Vogt am großen Tengener Volksfest präsent ist.

Süßigkeiten, Karussell und Losbude

„In Tengen bin ich seit einem Vierteljahrhundert dabei“, erläutert er. „Ich betreibe dort neben Süßigkeitenstand und Kinderkarussell eine Losbude. Und an meinem weiteren Stand kann man Dosenwerfen.“ Wie gut Ralph Vogt planen kann, merkt man schnell, wenn man mit dem 53-Jährigen einen Termin ausmacht. Hat man sich für ein Telefonat um 15 Uhr verabredet, dann klingelt das Telefon pünktlich um 14.58 Uhr.

Und Ralph Vogt kann genau sagen, welche Märkte wann stattfinden. Auch weiß er zu berichten, dass 2019 aus Schausteller-Sicht eher ein schlechtes Jahr war, weil sich die Märkte zum Teil ungünstig überschnitten haben. 2020 sollte dagegen ein gutes Jahr werden. Denn die Markttermine liegen dieses Mal günstig.

Mit dem Beruf verflochten

Man merkt es Ralph Vogt schnell an, wie sehr sein Herz für die Schaustellerei schlägt. Sein Leben ist ganz mit diesem Beruf verflochten. „Man muss es leben. Vielleicht ist es eine kleine Berufung“, fasst es Vogt zusammen. Ebenso lange wie er nach Tengen kommt, ist er mit seiner Frau verheiratet. Beide stammen aus Schausteller-Familien.

Ralph Vogt geht in sechster Generation diesem Beruf nach. „In meiner Jugend habe ich auch mal darüber nachgedacht, etwas anderes zu machen“, erinnert sich der Ravensburger. Doch dann sei sein Vater gestorben, als er zwölf Jahre alt war. Und dann sei er mehr und mehr in den Schausteller-Beruf hineingewachsen.

„Jeder Tag ist anders“

„Es gibt immer wieder neue Herausforderungen. Jeder Tag ist anders. Ich habe mit vielen Menschen zu tun. Und es gibt praktische Probleme zu lösen. Mal sieht das Festgelände anders aus als gedacht – oder jemand reagiert anders als man erwartet hätte“, erklärt Ralph Vogt die Besonderheiten seines Berufs.

Nach dem Schätzele-Markt Ende Oktober in Tengen ging es für Vogt nahtlos weiter. Es folgten Veranstaltungen in Lindau und Wangen. Beim Christkindlesmarkt in Ravensburg klang für ihn die Saison 2019 an seinem Glühweinstand aus. Schon bald danach geht es wieder weiter: Jetzt wird die neue Saison geplant. Und die Bewerbungen für weitere Märkte müssen raus.

Reparaturarbeiten im Winter

Im Winter erneuert Ralph Vogt außerdem einige Holzbretter vom Boden des Kinderkarussells und nimmt verschiedene Schönheitsreperaturen vor. Aktuell hat er einen neuen Süßwarenwagen gekauft. Schausteller Vogt will ihn seinen Bedürfnissen anpassen.

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Bleibt zu wünschen, dass noch viele andere mit Ralph Vogts Lebkuchenherzen so viel Glück haben wie der eingangs erwähnte Marktbesucher bei seiner Traumfrau.

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