Immer wenn die Temperaturen hochsommerlich werden, lockt ein verbotenes Ziel: der nördlich von Binningen gelegene Baggersee. Obwohl nicht ausgeschrieben und von starkem Bewuchs umgeben, ist er bei 33 Grad im Schatten leicht zu finden ist. Ein Schild mit der Aufschrift "Wasserschutzgebiet" und um die fünfzehn dicht beieinanderstehende Autos weisen den Weg. Schmale abschüssige Trampelpfade im Gebüsch führen hinunter zum Baggersee. Unten angekommen, fühlt man sich in eine Wildwestlandschaft versetzt: eine steppenmäßige Fläche, es wächst kaum Gras, der Untergrund ist eher sandig und von Schotter bedeckt, hier und da schießen niedrige Tannen und Buschwerk aus dem Boden. Doch die Oberfläche des Baggersees schimmert azurblau und in etwa zwei Kilometer Entfernung von seinem südlichen Ufer erhebt sich markant und dunkelgrün der Hohenstoffeln. Der Ausblick ist beeindruckend – selbst im malerischen Hegau stechen der See und seine Umgebung noch einmal besonders hervor.

Baden ist hier verboten, und doch befinden häufig Besucher am See, die sich über das Badeverbot hinwegsetzen. Von Familien, Jugendlichen bis hin zu Rentnern sind alle Altersgruppen vertreten. Fragt man die Anwesenden nach den Gründen ihres Badebesuchs, fangen alle an, vom kühlen, klaren und ungemein erfrischenden Wasser zu schwärmen. Die meisten betonen zudem den tollen Ausblick und zeigen sich von der wilden Natur beeindruckt. "Man findet hier immer einen ruhigen Platz, es viel weitläufiger als am Steißlinger See, da sitzen alle aufeinander", verrät der zwanzig jährige Kelvin, der seinen Nachnahmen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Das hört man allenthalben und ein ruhiges Plätzchen findet hier tatsächlich jeder. "Für uns ist das hier einfach die nächstbeste Möglichkeit in der Natur baden zu gehen", erzählt ein junges Paar, das mit der kleinen Tochter hier ist und ebenfalls anonym bleiben will: "Wir gehen gelegentlich auch an den Bodensee. Bis dahin ist es aber ein Stück und das ist auch finanziell nicht unproblematisch".

Beim Schwarzbaden aus dem Wasser gezogen wurde noch niemand, dabei kommen die meisten schon seit Jahren hierher. Dass hier kein Eintritt gezahlt werden muss, ist auch ein Vorzug, den niemand verschweigt. Die meisten wären bereit, zu zahlen, falls das Baden erlaubt werden würde. Einige mutmaßen, dass man so das Müllproblem um den See auch besser in den Griff bekommen könnte. Umweltsünder könnte man in die Schranken und notfalls des Platzes verweisen, ohne gleich alle abzustrafen, indem man den See völlig absperrt. Daran, dass das Grundwasser durch das Baden verschmutzt wird, glaubt niemand so wirklich und auch wenn es weiterhin verboten bleibt, auf das Baden will hier niemand verzichten. "Die Leute kommen sowieso, wer das verhindern will, muss den See schon einzäunen und ständig kontrollieren", gibt das junge Paar zu bedenken.

Genau dies könnte jedoch bald eintreten. Laut Hilzingens Bürgermeister Rupert Metzler will Rolf Mohr, der Eigentümer des Baggersees, das Baden in Zukunft nicht mehr dulden. Man sei sich einig, dass der Badebetrieb und vor allem die damit einhergehende extreme Vermüllung am See in diesem Jahr Dimensionen angenommen hat, die zu stärkeren Kontrollen zwingen. "Anhand der Autokennzeichen wird deutlich, dass mittlerweile schon ein guter Teil der Badenden aus Villingen und Tuttlingen anreist", meint Metzler. Es sei gut möglich, dass bereits in den nächsten Wochen ein Sicherheitsdienst eingestellt wird, um das Baden und Parken auf Mohrs Privatgrundstück zu unterbinden und zu ahnden, so der Bürgermeister.