Lange Zeit ging auf der Großbaustelle in der Tengener "Kalkgrube" gar nichts – nun gibt es wieder etwas Bewegung. Der Bau des neuen Pflegeheims ist mächtig ins Stocken geraten. Das hat Bürger aus Tengen und den Stadtteilen stark verwundert. Gerüchte machten die Runde, wie etwa, dass die ausländischen Arbeiter kein Geld bekommen hätten und deshalb wieder nach Hause gefahren seien "Es ist nun alles in Ordnung. In den nächsten beiden Monaten können wir den Rohbau fertigstellen", erklärt ein Bauarbeiter, der wie seine Kollegen aus Bosnien-Herzegowina kommt.

"Wir hatten erhebliche Probleme mit den Lieferungen der Rohbau-Decken. Deshalb gab es die Verzögerung", schildert der Saarbrücker Unternehmer Daniel F. Dilger, Investor des Tengener Pflegeheims. Den Bau lässt sich Dilger etwa 15 Millionen Euro kosten. "Den Rohbau erstellt ein Sub-Unternehmer. Es kann sicherlich schon mal Verzögerungen von Lohn-Zahlungen geben. Es ist mir aber nichts bekannt, das solche ganz ausgeblieben sind", betont Dilger.

Sein Unternehmen hat deutschlandweit bisher 17 Pflegeheime gebaut, die meisten in Baden-Württemberg und in Bayern. "Wir planen derzeit ein Projekt auf der Baar, suchen aber auch noch Grundstücke für Pflegeheime im Hegau und im Bodenseegebiet", verrät Dilger. Auch in Aach wollte er mit einem großen Pflegeheim zum Zuge kommen. Nach einer hitzigen Diskussion hatte sich der Aacher Gemeinderat aber für einen anderen Investor entschieden. "Die Bürger in Tengen sind sehr interessiert am Bau des Pflegeheims und fragen auch nach. Diese starke Identifikation ist bei unseren Projekten eher ungewöhnlich. Wir bewerten dies positiv", betont Dilger.

Nachdem der Spatenstich für den Pflegeheim-Bau im Juni 2017 erfolgt war, sollte die Eröffnung in diesem Sommer stattfinden. "Wir rechnen nun damit, dass das Heim im Frühjahr 2019 seinen Betrieb aufnehmen wird. Alle 80 Wohneinheiten konnten zu Preisen von jeweils 150 000 bis 200 000 Euro verkauft werden. Die Käufer können sich auch Optionen sichern, um selbst in die Appartements einziehen können. Der Erwerb der Immobilie dient ansonsten als Kapital-Anlage, die durch die Mieter verzinst werden, so der Unternehmer. Auffallend sei beim Tengener Projekt, dass überwiegend Menschen aus der Region die Wohneinheiten erworben habe. Das zeige die Verbundenheit zum Pflegeheim. Bei anderen Projekte werde meist bundesweit gekauft.

Mit der Bauverzögerung des Pflegeheims muss sich auch das Servicehaus Sonnenhalde als Betreiber befassen. "Wir rechneten zwar damit, dass wir früher die Aufnahme von Bewohnern einleiten und das Personal suchen können, größere Probleme sehen wir aber nicht", erklärt Sarah Goldhammer, die für die Projektentwicklung beim Servicehaus Sonnenhalde mit Hauptsitz in Engstingen zuständig ist. Das Unternehmen betreibt sieben Pflegeheime in Baden-Württemberg, eines davon in Singen und ein neuestes in Stockach.

"Wir haben insgesamt um die 600 Beschäftigte. In Tengen werden an die hundert Arbeitsplätze entstehen. Wir werden im Herbst verstärkt in die Akquirierung von Personal einsteigen. Die Politik hat es versäumt, die Voraussetzung für mehr Pflegepersonal zu schaffen. Es werden bundesweit bis 2030 über 300 000 Kräfte fehlen", schildert Richard Wolframm, Inhaber des Servicehauses Sonnenhalde. Durch eine Beteiligung in einer Agentur sei es ihm möglich, genügend Personal für seine Einrichtungen zu finden. Dazu greift er auch auf Pflegekräfte aus Ländern, wie Kroatien oder Serbien, zurück, die innerhalb von neun Monaten in Deutschland ausgebildet werden. "Wir sind auch stark interessiert an Bewerbungen aus dem Raum Tengen", so Wolframm.