Die Klassentreffen nehmen Fahrt auf. Und sie bleiben keine Eintagsfliegen. In die Jahre gekommene Menschen versammeln sich, um einen netten Tag zu genießen und Erinnerungen auszutauschen. Es wird gescherzt, gelacht und mitunter ernsthaft diskutiert. Am Ende sind sich die meisten Teilnehmer einig: Nochmals 20 Jahre sollen nicht mehr vergehen, bis das nächste Treffen ansteht. Bei der Zusammenkunft einer Klasse der früheren Tengener Hauptschule gibt es bei den Begrüßungen unter den Teilnehmern immer wieder verunsicherte Blicke. Die Devise heißt: Lieber mal mit Namen vorstellen. Nicht alle erkennen sich auf Anhieb. Aus den Augen aus dem Sinn, heißt es vor allem, wenn sich manche seit vielen Jahren nicht mehr begegnet sind. Und das fortschreitende Alter der ehemaligen Schüler, die heute fast alle um die 60 sind, hinterlässt leichte Spuren. Diejenigen, die sich öfter über den Weg laufen, werden sozusagen zusammen älter.

Plaudern mit Schreier

Beim Blick zurück passt es, dass der 29-jährige Bürgermeister Marian Schreier für den Empfang am Rathaus höchstpersönlich bereitsteht, um die Teilnehmer des Treffens über das Geschehen in Tengen zu informieren. Es herrscht eine fröhliche Atmosphäre und schon so etwas wie eine kribbelnde Vorfreude auf den Schätzelemarkt. Zeit für lockere Sprüche, wie eigene in Richtung Schreier: „Hätte nach einjährigem Gastspiel beim Abgang aus der Hauptschule in Tengen nicht gedacht, 40 Jahre später nur wenige Meter entfernt in der Randenhalle die SÜDKURIER-Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl zu moderieren.“ Schreiers trockener Konter: „Als ich das Abitur machte, glaubte ich auch nicht, Bürgermeister in Tengen zu werden.“

Bürgermeister Marian Schreier (links) erhält von den Organisatoren des Klassentreffens, (von links) Klaus Lohberger, Georg Eichkorn und Gabi Leute, ein kleines Präsent.
Bürgermeister Marian Schreier (links) erhält von den Organisatoren des Klassentreffens, (von links) Klaus Lohberger, Georg Eichkorn und Gabi Leute, ein kleines Präsent. | Bild: Tesche, Sabine

Schreier geht nochmals auf die seiner Meinung nach unabdingbare Schließung der Pflegeheime Schoss Blumenfeld ein und erläutert künftige Projekte, wie den geplanten Bau eines Ärztezentrums und eines Bürgersaals, die als Treffpunkt der Bürger die Mitte von Tengen aufwerten sollen. Interna will Schreier aber nicht verraten, hat er doch schnell bemerkt, dass ausgerechnet zwei Pressevertreter – auch Sabine Tesche war da – unter den Beteiligten des Klassentreffens weilen.

Frivole Literatur kommt abhanden

Es leben Begebenheiten auf, wie eine Altmaterialsammlung von Tengener Vereinen. Deren Erlös schrumpfte, weil Teilnehmer stets ganze Packen von frivoler Literatur schon vor der Abgabe des Altpapiers aussortiert hatten. Es wird auch ernsthaft diskutiert, wie darüber, dass der heutigen Jugend unter digitaler Dominanz Grundwissen des Rechnens und der deutschen Sprache teils abhanden kommt. Im weiteren Verlauf fällt auf, dass sich viele der einzelnen Charaktere über all die Jahre eine frappierende Haltbarkeit ohne Verfallsdatum bewahrt haben.

Viel Spaß haben die früheren Mitschüler (von links) Sabine, Anne-Rose, Brigitte und Wolfgang auf dem Bänkle vor dem Gasthaus Waldfrieden, rechts Albert Bittlingmaier.
Viel Spaß haben die früheren Mitschüler (von links) Sabine, Anne-Rose, Brigitte und Wolfgang auf dem Bänkle vor dem Gasthaus Waldfrieden, rechts Albert Bittlingmaier. | Bild: Tesche, Sabine

Der Georg agiert immer noch impulsiv und ehrgeizig wie einst. Unvergessen bleibt persönlich die erlittene Niederlage beim Tischtennisturnier im Landschulheim, um es aber viele Jahre später als Kontrahent auf dem Fußballfeld als direkter Gegenspieler wieder auszugleichen. Heute gibt Georg auch beim Tennisclub Tengen Vollgas – auf dem Platz und als Funktionär im Verein. Unser Alfred wirkt immer noch wie ein sich innerlich ruhender Pol. Ihn hat es wie Monika auf die Baar verschlagen. Gisela reiht sich in die Phalanx der wohltuend besonnenen früheren Mitschüler aus dem Tengener Stadtteil Weil ein. Von dort kam auch die ehrgeizige Vroni, die von Tengen aus zum Besuch von höheren Schulen durchstartete. Ach, der Markus – immer noch gefragt bei seinen früheren Mitschülerinnen, wie durch Angebote, ihn nach Hause zu fahren.

Acht Klassen in einem Raum

Zur ruhigeren Spezies gehört auch Winni. Der Schalk sitzt ihm aber auch wie einigen anderen im Nacken. Haften bleibt auch, dass der talentierte Fußball-Abwehrspieler stets passen musste, wenn es dämmerte und die Kontaktlinsen seine Sehschärfe trübten. Er erinnert sich noch an Zeiten, als acht Klassen – freilich von überschaubaren Größen – gemeinsam in einem Raum in der Talheimer Grundschule unterrichtet wurden. Der frühere Fußball-Mitspieler Klaus hat sich dem Singen verschrieben, auch als Ausgleich zu seiner beruflichen Tätigkeit, die bei einer Krankenkasse eine führende Stellung einnimmt. Das sind längst vergangene Zeiten, in denen über die Hauptschule die Wege über weiterführende Bildungseinrichtungen und Fortbildung für berufliche Erfolge geebnet wurden: Heute gibt es die Tengener Hauptschule mangels Anmeldungen nicht mehr.

Die frühere Klasse der Tengener Hauptschule stellt sich auch vor dem Gasthaus Waldfrieden zu einem Gruppenfoto.
Die frühere Klasse der Tengener Hauptschule stellt sich auch vor dem Gasthaus Waldfrieden zu einem Gruppenfoto. | Bild: Tesche, Sabine

„Für uns im kleinen Stadtteil Talheim war es kaum möglich, nach der Grundschule auf das Gymnasium zu wechseln. Wir waren sicher nicht dümmer als andere. Es gab aber keine Busverbindung von Talheim nach Singen„, erinnert sich Gabi Leute. Sie hatte zusammen mit Klaus Lohberger und Georg Eichkorn das Klassentreffen organisiert und dafür von allen Teilnehmern viel Lob erhalten. „Wir freuen uns, dass das Treffen so gut ankommt“, sagt Klaus Lohberger. Und Gabi Leute zitiert beispielgebend ihre frühere Schultischnachbarin Veronika Herberger mit „jede Minute des Treffens bereitet mir Freude.“

Sie freuen sich über eine Kolumne ihres früheren Mitschülers im SÜDKURIER, die gleich eingerahmt wurde: (von links) Veronika Herberger, Gabi Leute und Brigitte Straub.
Sie freuen sich über eine Kolumne ihres früheren Mitschülers im SÜDKURIER, die gleich eingerahmt wurde: (von links) Veronika Herberger, Gabi Leute und Brigitte Straub. | Bild: Tesche, Sabine

Schon im nächsten Jahr soll es eine lose nächste Zusammenkunft geben, wie als Stammtisch-Format. Das macht auch in anderen Hegaugemeinden sprichwörtlich Schule. Der Gottmadinger Walter Beyl berichtet, dass ein Klassentreffen derart gut ankam, dass die Teilnehmer ein paar Wochen danach wieder zusammenkamen. So frischen sich fast vergangene Beziehungen nach vielen Jahren im Nu wieder auf.

Schulen in Tengen

Der Neubau der Tengener Hauptschule wurde im Jahr 1969 eröffnet. Die besuchten die Schüler aus Tengen und den früheren selbständigen Stadtteilen Watterdingen, Büßlingen, Wiechs am Randen, Uttenhofen, Blumenfeld, Weil, Beuren am Ried und Talheim. Die Hauptschule wurde vor einigen Jahren mangels Anmeldungen aufgelöst. Es gibt nur noch in Tengen eine Grundschule im Gebäude der früheren Hauptschule.