Mehr als 70 Wanderer hatten sich auf dem Sportplatz oberhalb von Wiechs am Randen eingefunden, um sich von Tengens Schwarzwaldvereinschef Walter Zepf und Bürgermeister-Stellvertreter Adalbert Zeller zum Windpark Verenafohren führen zu lassen. Drei Windenergieanlagen sind dort, oben auf einem Hochplateau zwischen 700 und 770 Metern über dem Meeresspiegel, im Abstand von jeweils einem Kilometer voneinander platziert. Mit einer Nabenhöhe von jeweils 134 Metern und einem Rotordurchmesser von 131 Metern sind sie weithin sichtbar, wie das Ehepaar Waesse bestätigt. Von ihrem Heim in Aach aus können sie neben den Hegaubergen am Horizont auch deutlich die drei Windenergieanlagen mit ihren jeweils drei Rotorblättern sehen. „Aus diesem Grund, einfach um diese gewaltigen Anlagen einmal selbst vor Ort in Augenschein zu nehmen, sind wir nun mitgewandert“, sagt Tilo Waesse und erklärt, dass er diese Form der Energiegewinnung durchaus befürwortet.

Online_hex_Wanderung Verenafohren
Online_hex_Wanderung Verenafohren | Bild: Stach, Maxi

Adalbert Zeller, der während der einjährigen Bauphase vom Sommer 2016 bis Sommer 2017 häufig vor Ort gewesen war, weiß dann auch detailreich diese gewaltige Baumaßnahme zu beschreiben. Er erzählt vom Guss der Fundamente, wobei jeweils 600 Kubikmeter Beton verarbeitet wurden und mit einem Gewicht von 2000 Tonnen nun jeder der beinahe 200 Meter hohen Windenergieanlagen sicheren Stand verleihen. Er berichtet auch vom Zusammenbau der Hybrid-Türme aus Stahl und Beton. Sie wurden aus Fertigbauteilen zusammengefügt. Besonders beeindruckend sei damals der Transport der 65 Meter langen und jeweils 16 Tonnen schweren Rotorblätter mit Spezialfahrzeugen gewesen. Dem seien umfangreiche Planungen und Streckenpräparierungen vorausgegangen, wie der stellvertretende Bürgermeister kenntnisreich erzählt.

Das könnte Sie auch interessieren

Nach Überwindung von etwa 100 Höhenmetern und knapp zwei Kilometern Fußmarsch erreichten die Wanderer die erste der Anlagen. Jene Mitwanderer, die diese gewaltigen Betonskulpturen noch nie aus der Nähe gesehen hatten, waren von der schieren Höhe überwältigt, denn immerhin überragen sie den Kölner Dom um mehr als 40 Meter. Damit sind sie problemlos sogar von der Insel Reichenau aus zu erkennen.

Adalbert Zeller erzählt von der doch langwierigen Planungs- und Verfahrensphase, die dem Bauvorhaben vorausgegangen war: Auf den 82 Hektar Fläche, wo nun die Windanlage steht, mussten 226 Grundstücke von 82 verschiedenen Eigentümern gepachtet werden. Im Vergleich dazu fielen die tatsächlichen Rodungen auf einer Fläche von 2,9 Hektar verhältnismäßig gering aus. Dieser Eingriff wurde durch mehr als fünf Hektar Ausgleichsflächen bei Watterdingen kompensiert.

Investoren siedeln elf Ameisenvölker um

Überhaupt habe der Natur- und Umweltschutz beim Bau eine große Rolle gespielt, wobei wohl eine der kuriosesten Maßnahmen die Umsiedlung von elf Ameisenvölkern betraf. Zeller betonte, dass stets sowohl der Gemeinderat in Tengen als auch insbesondere die Bevölkerung von Wiechs am Randen hinter dem Projekt gestanden hätten.

Beim Rückweg ließen die Wanderer auch die Natur mehr auf sich wirken, wenn auch der enorme Borkenkäferbefall der Fichten unübersehbar war. Dies auch in Form der großen Mengen an Nadelholzstämmen, die rechts und links der Wege in gewaltigen Stapeln aufgetürmt sind. In den Freiflächen, wo nun viel Sonne hineinscheinen kann, macht sich aber neues Leben breit. Gräser und Blütenpflanzen, wie Johanniskraut, wilder Thymian, Tollkirsche und mannshohe Disteln entfalten sich dort prächtig und binden außerdem Stickstoff, was dem Nährstoffhaushalt des Waldes zuträglich ist.

Ausklang in der Rabenscheune

Nach drei Stunden Wanderung kehrten die nun durstigen und hungrigen Naturfreunde noch in der Rabenscheune ein und besprachen bei Apfelsaftschorle und Bier das Erlebte. Übrigens handelte es sich hierbei um die zweite von insgesamt fünf Touren, die der Schwarzwaldverein zusammen mit dem SÜDKURIER organisiert hat.