Herr Hahn, was ist an der Tätigkeit als Allgemeinmediziner in Tengen besonders – etwa im Vergleich zu einer Großstadt oder zur Arbeit in der Klinik?

Das Besondere an der Tätigkeit als Allgemeinmediziner ist überall, dass wir die Medizin für den ganzen Menschen machen. 80 Prozent der gesundheitlichen Probleme sollten in einer Allgemeinpraxis geklärt werden. Nur bei rund 20 Prozent sollte in der Regel ein Spezialist hinzugezogen werden. Dieses Verhältnis ist in Deutschland aus den Fugen geraten. Auf dem Land gelingt es eher, die Probleme in der Allgemeinpraxis zu lösen, bevor ein Spezialist aufgesucht wird. Das Besondere der Praxis in Tengen ist, dass wir schon immer eine Teampraxis waren, die heute als Praxis der Zukunft bezeichnet wird.

Was würden wohl Ihre Großeltern sagen, wenn sie Sie in der aktuellen Hausarztpraxis im neuen Tengener Ärztehaus sehen würden?

Sie würden sich über die neue moderne Praxis im Ärztehaus freuen und wären stolz darauf, was aus ihrer Praxis geworden ist.

1921 wurde hier eine Allgemeinarztpraxis vom Ärzteehepaar Hahn eröffnet. Rund 100 Jahre wurden in diesem Gebäude Patienten behandelt. 100 Jahre später ist der Enkel, Max Hahn, mit seinem Team ins gegenüberliegende neue Ärztehaus umgezogen.
1921 wurde hier eine Allgemeinarztpraxis vom Ärzteehepaar Hahn eröffnet. Rund 100 Jahre wurden in diesem Gebäude Patienten behandelt. 100 Jahre später ist der Enkel, Max Hahn, mit seinem Team ins gegenüberliegende neue Ärztehaus umgezogen.

Wie haben Sie den Arztberuf bei Ihren Großeltern erlebt und was ist heute anders am Beruf?

Bei meinen Großeltern und Eltern habe ich erlebt, dass sie immer erreichbar waren. Bis 1989 hatten wir auch noch die Verantwortung fürs Krankenhaus Blumenfeld. Als Kind habe ich oft vor dem Krankenhaus warten müssen, während mein Großvater dort Visite machte. Damals war man als Ärztin oder Arzt eher für akute Erkrankungen und Notfälle zuständig. Heute kümmern wir uns viel mehr um chronische Erkrankungen. Die Rolle der Prävention nimmt zu. Auch soziale und psychische Probleme spielen eine immer größere Rolle. Die Möglichkeiten der spezialisierten Medizin sind auch viel größer geworden. Hiervon profitieren dann wie vorher beschrieben 20 Prozent der Patienten.

Was ist das Wichtigste, das Sie von Ihren Eltern und Großeltern in Bezug auf Ihren Beruf als Arzt gelernt haben?

Wichtig ist es, jeden Patienten mit seinen großen oder kleinen Problemen ernst zu nehmen – ohne Rücksicht auf Herkunft, Religion, Geschlecht und Bildung. Und zu versuchen, mit jedem verständlich zu reden. Ich bin froh, dass wir in der modernen Medizin doch sehr viel mehr wissen als früher und dass die moderne Medizin doch sehr viel mehr Möglichkeiten hat.

Viele Menschen haben in den letzten 100 Jahren die Praxis Dr. Hahn in Tengen unterstützt und zu dem gemacht, was sie heute ist, wie Dr. Max Hahn am Rande des Interviews betonte. Stellvertretend für sie alle das aktuelle Praxisteam (alle geimpft): (von links) Dr. Andrea Harder (Fachärztin für Allgemeinmedizin, FÄfAllgm), Stefanie Wehler (FÄfAllgm), Stefanie Erne (Medizinische Fachangestellte, MFA), Nicole Kopp (MFA), Claudia Schultheiß (Buchhaltung, Sekretariat), Sabrina Heyer (MFA), Dr. Christine Riede (FÄfAllgm), Bettina Grüsser (MFA), Dr. Max Hahn (FAfAllgm), Sieglinde Nutz (MFA, Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung, Ernährungs- und Diätberatung), Karin Weber (MFA, Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung), Sandra Meßmer (MFA, Krankenschwester). Es fehlen Sandra Fitsch (MFA) und Dr. Andreas Graf von Luckner (Vertretungsarzt, ehemaliger Seniorpartner) und zwei Reinigungskräfte.
Viele Menschen haben in den letzten 100 Jahren die Praxis Dr. Hahn in Tengen unterstützt und zu dem gemacht, was sie heute ist, wie Dr. Max Hahn am Rande des Interviews betonte. Stellvertretend für sie alle das aktuelle Praxisteam (alle geimpft): (von links) Dr. Andrea Harder (Fachärztin für Allgemeinmedizin, FÄfAllgm), Stefanie Wehler (FÄfAllgm), Stefanie Erne (Medizinische Fachangestellte, MFA), Nicole Kopp (MFA), Claudia Schultheiß (Buchhaltung, Sekretariat), Sabrina Heyer (MFA), Dr. Christine Riede (FÄfAllgm), Bettina Grüsser (MFA), Dr. Max Hahn (FAfAllgm), Sieglinde Nutz (MFA, Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung, Ernährungs- und Diätberatung), Karin Weber (MFA, Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung), Sandra Meßmer (MFA, Krankenschwester). Es fehlen Sandra Fitsch (MFA) und Dr. Andreas Graf von Luckner (Vertretungsarzt, ehemaliger Seniorpartner) und zwei Reinigungskräfte.

Würden Sie wieder in die Fußstapfen Ihrer Vorfahren treten? Oder würden Sie mit der Lebenserfahrung von heute einen anderen Beruf wählen?

Ich hatte in meinem Leben Glück, dass ich Medizin studieren durfte und zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen die familiäre Praxis zu einer modernen Hausarztpraxis weiterentwickeln durfte. Nach meiner Lebenserfahrung würde ich wieder den Beruf des Hausarztes wählen. Vielleicht würde ich mich noch mehr in die Berufs- und Kommunalpolitik einmischen.

Eine Urkunde im Sprechzimmer von Max Hahn im neuen Tengener Ärztehaus weist auf die lange Geschichte der Arztfamilie Hahn hin.
Eine Urkunde im Sprechzimmer von Max Hahn im neuen Tengener Ärztehaus weist auf die lange Geschichte der Arztfamilie Hahn hin.

Wird es in hundert Jahren noch einen Doktor Hahn in Tengen geben?

Es wäre toll, wenn es in hundert Jahren hier auf dem Randen noch eine gute primärärztliche Versorgung gibt. Ich hoffe, dass wir mit unserer seit 100 Jahre bestehenden Hausarztpraxis und dem neuen Ärztehaus hierfür die besten Voraussetzungen geschaffen haben. Unsere Tochter Marei ist als fertige Ärztin in ihrer Weiterbildung zur Fachärztin. Sie wird dann die Tradition der Arztfamilie Hahn irgendwo fortführen. Es wäre die fünfte Generation, da mein Ururgroßvater Alois Hahn auch schon Arzt in Ellwangen war.

Fragen: Uli Zeller

Eine besondere Tengener Ärztefamilie-Tradition seit mehr als 100 Jahren

  • Beginn und Entwicklung: Vor 100 Jahren, im Oktober 1921, eröffnete das Ärzte-Ehepaar Hahn in Tengen nach dem Ersten Weltkrieg wieder eine Arztpraxis. Sie wohnten vorher in Tübingen. Ilse Hahn war Nervenärztin und Otto Hahn Chirurg. Otto Hahn wurde auch Chefarzt im Krankenhaus Blumenfeld. Nach Weimarer Republik, Nazizeit, Kriegs- und Nachkriegswirren übernahmen um 1960 Almuth und Hans-Detlev Hahn die Praxis im Arzthaus in Tengen und bauten eine Gemeinschaftspraxis auf. Der nächste Generationenwechsel erfolgte 1987 bis 1993. Da übernahmen die Ärzte Max Hahn, Andreas Graf von Luckner und Christine Riede die Gemeinschaftspraxis und machten daraus eine moderne Teampraxis. Mit dem Ausscheiden von Luckner, dem Einstieg der Ärztin Andrea Harder und der Eröffnung der Praxis im neuen Ärztehaus wurde der nächste Generationenwechsel eingeleitet.
  • Zur Person: Max Hahn (Jahrgang 1954) ist verheiratet, hat zwei Kinder (ein weiterer Sohn ist verstorben) und vier Enkel. Er wohnt in Radolfzell. Der Facharzt für Allgemeinmedizin mit Zusatzbezeichnung Palliativmedizin ist seit 1987 in Tengen als Allgemeinarzt in der Gemeinschaftspraxis niedergelassen. Bis 2019 war Max Hahn mit großem politischen Engagement 25 Jahre lang SPD-Kreisrat im Kreistag des Landkreises Konstanz für den Wahlbezirk im oberen Hegau vertreten. Der Verbandsversammlung des Regionalverbandes Hochrhein-Bodensee gehört er weiterhin als Mitglied an. Er ist zudem als Beisitzer im Landesvorstand der ASG (Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten im Gesundheitswesen) tätig. Max Hahn führt als langjähriger Vorsitzender den SPD Ortsvereines Randen in Tengen und er war auch viele Jahre stellvertretender Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Konstanz.