Im März 2020 waren die Mitwirkenden schon einmal an diesem Punkt: Die Premiere des Musicals „My Fair Lady“ am Nellenburg-Gymnasium stand kurz bevor. Dann machte die Corona-Pandemie ihnen einen Strich durch die Rechnung.

„Wir wollen einfach“

Jetzt soll es klappen: Mit etwas kleinerer Mannschaft und vier Neubesetzungen sind die Proben in vollem Gange. Am 3. Dezember steht die Premiere an. Lehrerin Martina Hartmann, die mit ihren Kollegen Stefan Gräsle und Claudia Seeber die musikalische und szenische Leitung hat, gibt zu, dass sie die Sorge hat, dass wieder etwas dazwischenkommen könnte. „Aber die Hoffnung trägt uns auch. Wir wollen einfach.“

Claudia Seeber ist zuständig für die Korrepetition und das Einstudieren der Choreographie. Die Melodien waren den Schülern noch im Ohr, auch die Texte lernten sich leichter, weil es das zweite Mal war. Alle zwei Wochen treffen sich die Mitwirkenden zu einem Probenwochenende, während der Woche finden Einzelproben und eine Chorprobe statt. „Endlich ist wieder viel Musik im Gebäude“, sagt Martina Hartmann erfreut.

Blumenmädchen trifft Professor

Das Stück spielt 1912 in London. Das Blumenmädchen Eliza Doolittle zieht mit seiner vulgären Sprache die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. Auch Sprachspezialist Professor Henry Higgins wird auf sie aufmerksam und wettet, er könne „in sechs Monaten eine Königin aus dieser kannibalischen Schlampe machen“.

Der Unterricht bringt alle an ihre Grenzen, zeigt aber Wirkung: Nicht nur Elizas Sprachkenntnisse entwickeln sich weiter, auch die Gefühle zwischen ihr und Higgins verändern sich.

Jede Aufführung anders besetzt

Die Hauptrollen sind doppelt oder dreifach besetzt. Dadurch spielen in jeder Aufführung andere Schüler zusammen. Fabian Müller 18, ist erstmals dabei. Er verkörpert Hugh Pickering. „Ich bin im Literatur- und Theaterkurs und Frau Hartmann hat mich gefragt, ob ich Interesse hätte, mitzuspielen“, erzählt er. Er sei ursprünglich als Freddy Eynsford-Hill vorgesehen gewesen, habe dann aber gewechselt. „Pickering ist ein sehr gehobener Mensch, er hat ein sehr gutes Benehmen im Vergleich zu Higgens.“ Das Schwierige für ihn sei die pantomimische Darstellung, das Spielen ohne Text, sagt der Schüler.

Jukka Müller 14, spielt Higgens. „Das ist eine neue Rolle für mich. Es ist cool, ich habe mehr auf der Bühne zu tun, darf mehr singen. Higgens ist sehr freundlich, aber auch aggressiv und wütend – das macht ziemlich Spaß.“ Auch Finn Trinkner, 18, spielt Higgens. Er mache im nächsten Jahr Abitur und wolle die letzte Chance nutzen, nochmal eine Hauptrolle zu spielen. „Dann kann ich guten Gewissens von der Schule gehen“, sagt er.

„Jetzt macht es richtig Spaß“

Die drei Freddy-Besetzungen sind neu. Christopher Brooks, 18, ist erst seit dem vergangenen Jahr am Nellenburg-Gymnasium. Musik und Theater seien entscheidend für die Schulwahl gewesen, sagt er. „Dann ging nichts wegen Corona. Als die Mail von Frau Hartmann kam, ob ich kurz vorbeikommen und singen könne, war ich gleich begeistert.“ Zwar habe er das Musical nicht gekannt, aber er nehme gerne Herausforderungen an.

Gabriel Hornstein, 17, ist schon seit fünf Jahren dabei. „Letztes Mal hatte ich mehrere kleinere Rollen, jetzt mal eine große. Anfangs hatte ich Zweifel, ob es mir zeitlich alles reichen würde, jetzt macht es richtig Spaß.“ Die Lieder des verliebten jungen Mannes seien sehr schön rüberzubringen, betont er. Martina Hartmann lobt, die Schüler lernten viel voneinander und unterstützten sich untereinander.

„Ich habe das Soziale echt vermisst“

Dann kommen die drei Elizas zu Wort. Elise Fellhauer, 17, freut sich sehr auf ihren Auftritt. „Sie ist emotional und rastet ein Paar Mal sehr aus – es macht Spaß, das auszudrücken.“ Es sei auch spannend, den Berliner Dialekt zu üben, den Eliza bei der deutschen Fassung spricht. Zur Vorbereitung habe sie viel mit ihren beiden Schwestern gelernt, die auch mitwirken.

Talida Müller, 15, ist mit der Familie inzwischen umgezogen. „Ich war letztes Jahr die Eliza und bin dankbar, dass ich sie nochmal bekommen habe.“ Sie habe sehr schnell wieder in ihre Rolle reingefunden und es sei auch ganz ok, mit ihrem Bruder, einem der Higgens-Darsteller, zu spielen. Auch Sarah Schatz, 18, war 2020 Eliza. Eigentlich wollte sie diesmal nicht, merkte aber, dass sie doch wieder Freude an der Rolle hatte. Ihr gefalle die Gruppendynamik, erzählt sie.

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Der 18-jährige Cedrik Mußmann, zeigt sich dankbar: „Ich empfinde mehr Wertschätzung für jeden Tag, an dem man machen kann, was man möchte. Ich habe das Soziale hier echt vermisst, auch das Musikalische ist was Wichtiges.“