Hoher Besuch kam am 19. Januar 1996 nach Stockach und die Region: So lud doch die damalige CDU-Landtagskandidatin für den Wahlkreis Singen-Stockach, Veronika Netzhammer, den damaligen Fraktionsvorsitzenden ihrer Partei im Stuttgarter Parlament, Günter Oettinger, an einem Freitagmorgen zu einem Arbeitsfrühstück ein. Und mit ihm waren 15 Bürgermeister aus der Region geladen, von denen sich wohl keiner diese seltene Gelegenheit entgehen lassen wollte.

Kein beschauliches Kaffeekränzchen

Der SÜDKURIER war damals dabei und titelte: „Es herrscht Unruhe in der Bürgermeistertruppe. Ein Arbeitsfrühstück mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Oettinger ist kein beschauliches Kaffeekränzchen.“ Und tatsächlich knallte Günther Oettinger damals wohl eine Aussage auf den Tisch, „dass so manches Bürgermeisterohr wackelte.“ Der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende sagte wohl beim gemeinsamen Frühstück: „Oft verschanzen sich die Bürgermeister mit vollen Hosen hinter dem Gesetz.“ Rielasingens damaliger Bürgermeister Ottmar Kledt war das bereits zu viel und er verließ die Runde der Politiker.

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Die anderen Schultes blieben sitzen, denn es gab wichtige Themen zu besprechen. Und die waren, beziehungsweise sind heute noch aktueller denn je. So wurde über Haushalte, Soziallasten und über Kindergartenplätze heftigst debattiert. Was die Kindergartenplätze anging verwies Oettinger als Landespolitiker direkt an den Bund und umschiffte den eigenen Sitz Stuttgart.

Probleme um Kindergartenplätze

„Den Rechtsanspruch auf Kindergartenplätze hat der Bundestag beschlossen“, sagte Oettinger. „Sie sind politisch diejenigen, die dafür in die Pflicht genommen werden.“ Der Bundestag hatte zuvor zum 1. Januar 1996 beschlossen, das für jedes Kind, das das dritte Lebensjahr vollendet hatte, der Anspruch auf den Besuch einer Kindertagespflege bestand – nicht ohne die Gemeinden in der Praxis somit vor große Probleme zu stellen. Es zeigt sich also: Sogar 1996 waren die Kindergartenplätze bereits rar.