Die Bürgerstiftung Stockach hilft da, wo andere Hilfen nicht greifen oder andere Stellen nicht helfen können. Sie versteht sich als Ergänzung zu anderen Angeboten und keineswegs als Konkurrenz. Im vergangenen Jahr hat die Stiftung ihr Förderprogramm der durch die Corona-Pandemie veränderten Lage angepasst. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER ziehen Wolfgang Kammerlander, Willi Zöller, Manfred Peter und Renate Rösgen eine positive Bilanz.

Niemand hatte Erfahrungswerte aus einer Pandemie, doch schnelles Handeln zum Schutz und zur Hilfe von Betroffenen war notwendig. Hier zeigt sich ein großer Vorteil der Bürgerstiftung: „Wir sind immer ansprechbar, man kann mit Wünschen kommen und wir können sehr schnell und flexibel reagieren“, erklärt Geschäftsführer Manfred Peter und ergänzt: „Dank der jahrelangen vorsichtigen Finanzplanung sind wir jederzeit auch finanziell in der Lage, sofort neue Maßnahmen zu finanzieren.“

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Stiftung hat stabile Geldanlagen

Der Vorsitzende Wolfgang Kammerlander betont, das Stiftungsvermögen werde nie angetastet. „Die Bürgerstiftung Stockach fördert nur aus den Mitteln, die sie als Gewinn aus den Geldanlagen und als Spenden erhält. Die Besonderheit unserer Stiftung ist, dass sie auch vom Stiftungskapital her so stark ist, dass wir trotz Niederzinspolitik vernünftige Erträge haben.“

Bei den Spenden werde zwischen allgemeinen und zweckgebundenen, einmaligen und dauerhaften Spenden unterschieden. Zuletzt habe es mehr zweckgebundene Spenden gegeben, berichtet Kammerlander. Sowohl im vergangenen wie auch in diesem Jahr waren viele der Spenden für die Corona-Hilfe gedacht. Er führt aus, dass man die Erträge aus dem Kapital einigermaßen einschätzen könne, jedoch nie wisse, was an Spenden komme. „Wir brauchen daher auch immer eine Rücklage aus dem Vorjahr, damit wir zur Not ohne Spenden auskommen“, sagt er.

Viele wichtige Anschaffungen und Unterstützungen

Und welche Projekte wurden in den vergangenen 18 Monaten unterstützt? Manfred Peter nennt zuerst die Senioren in Altenpflegeheimen und die dort tätigen Angestellten. „Wir haben alle Altenpflegeheime antelefoniert, und gefragt, was sie brauchen und wie wir sie unterstützen können. Dann haben wir ihnen Luft-Entkeimer, Ohr-Thermometer und auch Infrarot-Stirnthermometer überreicht.“

Auch Waffeleisen und altersgerechte Spiele seien beschafft worden. „Diese Dinge waren dringend nötig, damit die Pflegebedürftigen nicht vereinsamen“, so Peter. Wolfgang Kammerlander ergänzt, man habe richtig gespürt, dass es wichtig gewesen sei, an sie zu denken.

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Ein weiteres Thema waren die Terminbuchungen und die Fahrten von über 80-Jährigen zu den Impfzentren. Ein Helferkreis um Albert Blessing und Cornelia Giebler habe sehr viel organisiert. Vorstandsmitglied Willi Zöller sagt: „Gelegentlich stellte sich heraus, dass jemand nicht selbst ins Impfzentrum fahren konnte, niemanden hatte, der ihn fahren konnte oder er finanziell nicht in der Lage war, ein Taxi für die Hin- und Rückfahrt bei zwei Impfterminen zu bezahlen.“

Die Helfergruppe habe dann nach Absprache eine verbilligte Taxifahrt vermittelt. Neben einem Eigenanteil des Gefahrenen zahlte die Bürgerstiftung den Rest und ermöglichte so insgesamt 40 Fahrten zu Impfterminen in Singen und Tuttlingen.

Im Tafelladen werden Kunden und Helfer dank der Bürgerstiftung durch vier Acrylglasscheiben geschützt, die als Trennwände aufgehängt wurden. Die Bürgerstiftung half auch, Auswirkungen von Lockdown und Kontaktbeschränkungen zu reduzieren. Weil beispielsweise vielen Senioren der Besuch von Gottesdiensten nicht möglich war, bot die katholische Kirchengemeinde Livestream-Übertragungen an. Die Bürgerstiftung übernahm die Kosten für einen neuen Video-Controller.

Ein Beispiel für ein Projekt der Stiftung: Für die Livestream-Übertragungen der Gottesdienste aus St. Oswald übernahm sie die Kosten für einen Video-Controller.
Ein Beispiel für ein Projekt der Stiftung: Für die Livestream-Übertragungen der Gottesdienste aus St. Oswald übernahm sie die Kosten für einen Video-Controller. | Bild: P.Konrad

Zuschüsse für verschiedene Vereine

Kinder und Jugendliche waren ebenso betroffen: Lange gab es keinen Präsenzunterricht oder gemeinsame Vereinsaktivitäten. Die Bürgerstiftung finanzierte Trainingsanzüge für die Mädchen-Aerobic-Abteilung des TV Zizenhausen – zum Training daheim und zur weiteren Motivation.

Auch einige Musikvereine profitierten von Zuschüssen bei der Anschaffung von kindgerechten Instrumenten: Der MV Winterspüren kaufte zum Lernen und Üben ein Waldhorn, der MV Espasingen ein Tenorhorn, der MV Mahlspüren im Hegau ein Xylofon und der MV Wahlwies ein Saxofon. Manfred Peter weist darauf hin, dass die Vereine bei der Stadt zunächst einen Förderantrag stellen müssen. Die Stadt unterstütze Vereine durch eine Kostenübernahme von 25 Prozent. Den Rest könne dann die Bürgerstiftung auf Anfrage finanzieren.

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Wie breit das Förderspektrum ist, zeigt die Unterstützung der Bienen und Imkerei AG des Nellenburg-Gymnasiums. Um die teilnehmenden Fünftklässler bei ihrer Arbeit zu schützen, bezahlte die Stiftung Schutzhemden, Schutzhandschuhe, Bienenbesen, ein Rauchgerät und einen Stockmeißel.

Spenden sind für Arbeit der Stiftung wichtig

Wolfgang Kammerlander spricht aus, was alle Anwesenden bestätigen: „Diese umfangreiche Unterstützung war möglich dank vieler Stockacher und zahlreicher Organisationen – durch deren Zustiftungen in das Stiftungsvermögen oder ihre Spenden, die sofort für die Fördermaßnahmen eingesetzt werden konnten.“

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