Räumt man Wohnung, Haus, Keller, Garage oder Dachboden auf, so fördert man hier und da Dinge und Stoffe zutage, die man nicht über den normalen Hausmüll entsorgen kann. Zu diesen Stoffen zählen zum Beispiel Farbreste, Lacke, Pflanzenschutzmittel, Spraydosen, Lösungsmittel, Holzschutzmittel, alte Autobatterien, Erdöldestillate, Neonröhren und vieles mehr. Will man diese Stoffe loswerden, so muss man sie bei einer der vielen Problemstoffsammlungen abgeben, denn sie sind unter Umständen gesundheits- oder umweltgefährdend und gehören speziell entsorgt. Von insgesamt 18 Sammelterminen für Problemstoffe in Stockach und seinen Stadt- und Ortsteilen fand der erste dieses Jahres kürzlich auf dem Dillplatz in Stockach statt.

Andreas Brunn und Reinhard Schwanz, Mitarbeiter der Firma Remondis, arbeiten seit fast 35 Jahren miteinander und sind, wie sie selbst sagen, „wie ein altes Ehepaar“. Sie sind mit vier anderen Teams in zehn Landkreisen Baden-Württembergs mit dem hochspezialisierten Safety-Truck unterwegs. Mit diesem Lastwagen kann man eine Vielzahl von Problemstoffen entsorgen.

Die Beiden betreuen meist den Landkreis Konstanz und sagen von sich selbst, dass sie sich unwahrscheinlich gut ergänzen. Ihnen begegnet man, möchte man beispielsweise alte Farbreste entsorgen. So wie es die Familie Schüle an diesem Termin machen will. „Wir haben den Lockdown genutzt, um aufzuräumen“, erzählen die Schüles und sind damit offenbar nicht allein. Laut Vermutung von Andreas Brunn dürften 25 bis 30 Prozent mehr Problemstoffe gebracht werden, seit im März 2020 wegen der Corona-Pandemie Lockdowns angeordnet wurden.

Es können sich viele Problemstoffe ansammeln

„Jeder hat ein Dachgeschoss, eine Garage, Scheune oder Ähnliches“, sagt Andreas Brunn, „und viele haben durch Lockdown oder Homeoffice doch mehr Zeit, die sie dann zum Aufräumen oder Renovieren nutzen, das fällt schon auf.“ So kamen beispielsweise Darius Jakubowski mit einem ganzen Hänger voller Farbreste oder Steffen Wenzel mit einem Karton voller Schaumkartuschen. Er erzählt: „Ich muss zwar zurzeit ganz normal arbeiten, habe aber das Aufräumen jetzt in Angriff genommen, denn ich habe es lange genug vor mir hergeschoben.“

Die Lösungsmittel der Farbreste im Container neben dem Safety-Truck riechen intensiv – ein Geruch, dem die Mitarbeiter während der Problemstoffsammlung ausgesetzt sind.
Die Lösungsmittel der Farbreste im Container neben dem Safety-Truck riechen intensiv – ein Geruch, dem die Mitarbeiter während der Problemstoffsammlung ausgesetzt sind.

Angenommen werden die Sammeltermine laut Reinhold Schwanz immer gut. In anderen Jahren sei im Januar eher weniger los gewesen und die Abgabe von Problemstoffen nahm wohl erst zum Frühjahr hin richtig an Fahrt auf. In diesem Jahr jedoch scheint schon der Januar ein beliebter Zeitpunkt gewesen zu sein: Es kamen innerhalb der zwei Stunden auf dem Dillplatz etwa 50 Personen, die Stoffe abgaben, was erfreulich sei. Als im vergangenen Jahr während des ersten Lockdowns die Bauhöfe geschlossen waren, sei es leider vermehrt dazu gekommen, dass Menschen ihre Problemstoffe in der Natur abgelagert hätten.

„Es gibt auch Stoffe, die bei der Problemstoffsammlung nicht angenommen werden dürfen“, erklärt Reinhard Schwanz. Dazu zählen beispielsweise Sprengstoffe, Munition oder radioaktiver Müll. Das sei bei ihnen aber noch nie vorgekommen.

Medizinische Abfälle werden nicht angenommen

Was jedoch manche Leute abgeben wollten, sei klinischer Müll aus Pflegehaushalten. Dieser könne infektiös sein oder eine Verletzungsgefahr bergen, zum Beispiel bei gebrauchten Kanülen oder Skalpellen. Hierfür gibt es eine Musteranleitung für das Verpacken von ansteckungsgefährlichen Abfällen, die nicht zwischengelagert werden dürfen und in zugelassenen Entsorgungsanlagen abgegeben werden müssen. Angenommen werden hingegen Asthmasprays oder Quecksilberthermometer, wohingegen abgelaufene Medikamente einfach in den Hausmüll gehören.

Ein Blick ins Innere des nach hohen Sicherheitsstandards ausgestatteten Remondis-Safety-Trucks verrät: hier ist alles fein säuberlich geordnet und voneinander getrennt.
Ein Blick ins Innere des nach hohen Sicherheitsstandards ausgestatteten Remondis-Safety-Trucks verrät: hier ist alles fein säuberlich geordnet und voneinander getrennt. | Bild: Constanze Wyneken

Im Übrigen würden die Menschen sich bei den Problemstoffsammlungen in der Regel coronakonform verhalten, können Reinhard Schwanz und Andreas Brunn abschließend berichten. Die Leute trügen brav ihre Masken und hielten Abstand in der Warteschlange vor den Abgabetischen. Nur manchmal drängele sich jemand vor. „Das sind meist Rentner – die haben doch keine Zeit“, sagt Andreas Brunn mit einem Augenzwinkern und trägt ein paar Spraydosen in den Safety-Truck.