Der Sommer ist fast vorbei, und wer zurückdenkt, hat mehr Regen- als Sonnentage vor Augen. Für die Obstbauern in der Region sind extreme Wetterlagen eine Herausforderung. Sie müssen sich – egal ob Dauerregen, Hagel, Hitze oder Frost – darauf einstellen und Vorkehrungen treffen.

„Die Regenmenge war ein Segen“

Wolfram Renner aus Wahlwies sagt: „Die Regenmenge an sich war ein Segen. Der Grundwasserspiegel konnte sich erholen, der Wald auch.“ Die Obstbäume wachsen gleichmäßiger, sind vitaler und kommen in Bezug auf den Wasserhaushalt problemlos durchs Jahr, so Renner. Obstbäume könnten eine Zeit lang im Wasser stehen. „Solange es kein Dauerzustand ist, ist es zwar nicht förderlich, richtet aber auch keine riesigen Schäden an“, erklärt er. Anders sehe es bei Beerenobst aus.

„Durch stauende Nässe gehen Beeren kaputt. Erdbeeren verschimmeln. Die Pflanzen sind einjährig und werden im nächsten Jahr neu gesetzt, aber bei Himbeeren, die eine mehrjährige Kultur darstellen, kann es zu Ausfällen und zu massiven Schäden kommen.“ Auch das Steinobst habe gelitten. Viele Kirschen seien durch den Regen geplatzt, bei Zwetschgen sei der Schaden geringer ausgefallen.

Durch Dauerregen droht Pilzbefall

Viel Regen sorgt für einen erhöhten Krankheitsdruck: Auf den Äpfeln droht Schorf, ein Pilz, dem man mit Pflanzenschutzmitteln zuvorkommen muss. Wolfram Renner erklärt: „Im Dauerregen sind Apfel und Blatt ungeschützt. Man kann im Regen zwar spritzen, aber das reicht nur für Stunden.“ Regne es zu lange und über 50 Liter auf den Quadratmeter, habe man fast keine Chance, etwas zu tun.

Sein Kollege Alexander Buhl, ebenfalls aus Wahlwies, fügt hinzu, sie seien auch an ihre technischen Grenzen gekommen, denn der nasse Boden sei durch das häufige Befahren aufgewühlt worden.

In der Obstanlage von Alexander Buhl kam es durch die anhaltenden Regenfälle der vergangenen Wochen zu einem kleinen Hangrutsch.
In der Obstanlage von Alexander Buhl kam es durch die anhaltenden Regenfälle der vergangenen Wochen zu einem kleinen Hangrutsch. | Bild: Claudia Ladwig

Wolfram Renner weist auf einen anderen Aspekt hin: „Viel Regen heißt wenig Sonne. Die macht den Apfel aber appetitlich, süß und geschmackvoll.“ Der Herbst könne da noch viel retten. „Wenn wir einen schönen Altweibersommer bekommen, tagsüber nicht so warm und nachts relativ kühl, dann bringt das eine gute Farbentwicklung.“

Auch Alexander Buhl ist optimistisch: „Die Äpfel sind gut gewachsen in den letzten Wochen, anfangs waren sie zu klein, jetzt haben sie eine normale bis gute Fruchtgröße.“

Netze schützen auch vor der Sonne

Bisher galt Hagel als Hauptproblem, inzwischen haben viele Bauern Hagelnetze. Diese helfen den Bäumen auch in heißen Sommern, denn sie schlucken etwa zehn Prozent des Lichts und reduzieren dadurch die Gefahr, dass Äpfel einen Sonnenbrand bekommen.

Alexander Buhl sieht generell einen Trend zu mehr Schutzsystemen. Beerenobst und Steinobst bekämen häufig eine Folienüberdachung. Damit bleibe alles trocken, es gebe weniger Pilzdruck und man spare Pflanzenschutzmittel. Bei Erdbeeren nehme der Anteil an Tunneln zu. Das Ergebnis seien höhere Erträge und gute Qualität, nachteilig seien hohe Investitionskosten und der hohe Plastikeinsatz.

Frostnächte gefährden Blüten

Die Obstbauern sind inzwischen in größerer Sorge beim Thema Frost. Wolfram Renner sagt, die Winter seien kürzer geworden, das Frühjahr beginne früher und damit steige die Gefahr für Blütenfrost. „Der letzte extreme Blütenfrost war 1991, dann 2015. Seither sind wir der Gefahr fast in jedem Jahr ausgesetzt.“ Er erinnert an 2017, als die Obstbauern bis zu 100 Prozent Ausfall hatten.

Alexander Buhl hat weitere Zahlen parat: „Im Vergleich zu den 1950er Jahren sind wir zwei Wochen früher dran. 2017 waren es sogar vier Wochen.“ Auch in diesem Frühjahr gab es Probleme. Er sagt: „Kurz vor der Blüte hatten wir zwei Wochen lang Frostnächte. Dabei sind nicht direkt die Blüten erfroren, aber die Bäume hatten Stress und haben Blüten abgeworfen. Wir gehen deshalb von einer schwächeren Ernte aus.“

Klimawandel ist deutlich spürbar

Bertram Ledergerber, Betriebsleiter bei Gut Bodman Ledergerber Obst, erläutert ein Phänomen der letzten Jahre: „Wir haben im Winter nicht mehr die klassischen Ostwinde, die die warme Seeluft in die Hänge reinbringen, dafür eher Nordwinde, die die Seeluft aus den Hängen raustreiben und Richtung Schweiz und Obersee drücken.“

Im Westen habe es die größten Minustemperaturen gegeben. „Wir waren hier in letzten Jahren eher benachteiligt durch den Klimawandel.“ Johannes von Bodman fügt hinzu: „Wir wissen nicht, wie das Wetter sich tatsächlich verändern wird. Es heißt, der Golfstrom schwächt sich ab. Bedeutet das sehr kalte Winter mit viel Schnee hier? Tendenziell wird es immer wärmer, die Trocken- und Hitzephasen werden länger, nimmt man an. Aber niemand weiß es genau.“

Frostberegnung und andere Bäume

Bertram Ledergerber vermutet, dass frosthärtere Apfelbäume gezüchtet werden müssen. „Da müssen wir von anderen Blüten lernen, die frosthart sind.“ Auch Frostberegnung werde künftig eine Rolle spielen. Eine Expertise besage, dass die Frostschutzberegnung aus dem See für 200 Hektar Fläche möglich sei.

Weiter weg vom See wird dieses Verfahren kaum realisierbar sein, glaubt Wolfram Renner. „Bei Frost wäre eine Frostschutzberegnung zwar am besten, aber die braucht unglaubliche Wassermengen, rund 30 Kubikmeter Wasser pro Hektar pro Stunde.“

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