Wer hat den Narrenbaum gefällt? Diese Frage stellt man sich bei der Stierzunft im Stockacher Ortsteil Wahlwies. Klar ist bislang nur: Die Zunft selbst war es nicht. Dies sagen Präsident Martin Trinkner und sein Stellvertreter Andreas Mauch. Am Sonntagmorgen hätten sie gemerkt, dass der Baum in der vorangegangenen Nacht gefällt worden sein musste, so Trinkner. Und Mauch ergänzt, dass die Unbekannten den 27 Meter hohen Baum mit einer Kette aus dem Loch gehoben hätten. Dafür müsse eine Maschine im Spiel gewesen sein.

Dass der Narrenbaum überhaupt noch stand, liegt an der Corona-Pandemie. Normalerweise wird auch in Wahlwies der Baum am Sonntag Laetare gefällt. Das wäre im März gewesen. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen ließen die Wahlwieser Narren ihren Baum, der inzwischen eine leuchtend rot-braune Krone trug, bis jetzt stehen. Am kommenden Donnerstag, Fronleichnam, hätte der Verein den Baum fällen wollen. „Das wäre der Termin für unseren Sommerhock gewesen“, sagt Trinkner. Da dieser Corona-bedingt ausfalle, hätte man an diesem Tag den Baum in Stücke sägen und an Birgit Honold weiterreichen wollen, die ihn per Los gewonnen hatte. Nun geschah das schon am Montagabend.

Polizei sieht keinen Straftatbestand, warnt aber vor der Gefahr

Ein Ermittlungsverfahren werde die Polizei nach jetzigem Stand nicht eröffnen, sagt Herbert Storz, Pressesprecher des Konstanzer Polizeipräsidiums, auf Anfrage. Es sei kein Straftatbestand festzustellen, da der Baum nichts beschädigt und auch im Straßenverkehr nicht für eine Gefahr gesorgt habe. „Es ist aber eindeutig nicht in Ordnung, den Baum einfach wild zu fällen“, sagt Storz. Baumfällungen seien ohnehin gefährlich, auch bei Narrenbäumen – zumal dann, wenn nachts nachts geschehen. Jedes Jahr gebe es einige tödlich verletzte Waldarbeiter, führt Storz als Beleg an.

Der Wahlwieser Narrenbaum wurde schon zum zweiten Mal zur Zielscheibe: Schon im Mai hätten Unbekannte die Figur des Ritter Schmalhans gestohlen, die seit der Fasnacht dort befestigt war, sagt Vereins-Vize Mauch.

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