Positiv oder negativ? Das ist in diesen Tagen eine Frage, die über vieles entscheiden kann. Zumindest wenn es um einen Corona-Test geht. Denn vom Ergebnis hängt ab, ob und wie lange Menschen zu Hause bleiben müssen. Eine Stockacher Familie, die sich damit auskennt, ist Familie P. Weil die Familie Anschuldigungen befürchtet, wird sie hier nicht namentlich genannt, ist der Redaktion aber bekannt. Denn vielen Menschen gehe es nur darum, herauszufinden, wer die positiv getesteten Personen sind, sagt der Vater. Man werde leicht als Täter hingestellt, auch wenn man eigentlich ein Opfer des Virus sei.

Und seine Frau ergänzt, das Wissen, dass getratscht werde, sei besonders belastend: „Nach so einer Nachricht fühlt man sich ein Stück weit dafür verantwortlich, auch wenn man weiß, dass es nicht so ist. Es ist, als würde man in ein tiefes Loch geworfen, aus dem man nur schwer wieder herauskommt.“ Ihre Kinder seien zwar positiv auf das Coronavirus getestet worden, berichten die Eltern, sie selbst jedoch nicht. „Wir fühlen uns alle gut und gesund, die Kinder haben keine Symptome“, sagt Vater P.

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Die Erfahrungen mit Gerede wollen die Ps ausdrücklich nicht auf ihr direktes Umfeld beziehen: „Wir haben sehr verständnisvolle Leute um uns herum. Die brauchen wir auch“, berichtet die Mutter. Die Menschen um sie herum würden sie unterstützen und regelmäßig fragen, ob man etwas brauche.

Das Unheil hat für Familie P bei einem eigentlich freudigen Anlass begonnen, nämlich bei der Hochzeit im Kreis Tuttlingen, bei der sich laut den Informationen des Gesundheitsamtes des Landkreises Konstanz mehrere Dutzend Menschen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Die Hochzeit fand Ende September statt, als von so stark steigenden Corona-Zahlen wie zuletzt noch nichts zu sehen war.

Zum Zeitpunkt der Hochzeit waren Fallzahlen noch deutlich niedriger

Im Kreis Tuttlingen wies die Statistik 16 aktive Infektionen und eine Sieben-Tage-Inzidenz von 5,7 aus (Stand 22. September). Im Kreis Konstanz lagen diese Werte zum gleichen Zeitpunkt bei 55 aktiven Fällen und einer Sieben-Tage-Inzidenz von 18,3. Verschärfte Vorsichtsmaßnahmen sind erst ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35 vorgesehen, ab einem Wert von 50 gilt ein Landkreis als Risikogebiet. Das Tuttlinger Landratsamt bestätigt, dass damals für Feiern mit bis zu 100 Personen kein Hygienekonzept vorgelegt werden musste, zulässig waren Feiern mit bis zu 500 Gästen. Laut dem Landratsamt Konstanz gibt es keinen Hinweis darauf, dass jemand dabei war, der wusste, dass er infiziert war.

In ihren Augen sei bei der Feier alles normal gelaufen, sagt Mutter P. Es sei viel gelüftet worden, das Personal habe Mundschutz getragen, es habe Desinfektionsmittel gegeben und die Gäste hätten sich diszipliniert verhalten. Auch dem Klischee der Großfamilie, die Gäste aus einem Risikogebiet einfliegt, widerspricht sie. Die Gäste seien alle aus der Region gekommen.

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Sobald sie erfahren hätten, dass bei der Feier das Coronavirus im Spiel gewesen sein könnte, habe sich die Familie freiwillig in die Isolation begeben, erzählen die Eltern. Es folgten die Aufforderung zum Test, die positiven Ergebnisse der Kinder und die eigentliche, von Amts wegen angeordnete Quarantäne. Für die Eltern bedeute das, dass sie alles in allem vier Wochen lang von zu Hause aus arbeiten, sagen sie. Die Erklärung des Gesundheitsamts dafür sei, dass man sich auch am letzten Tag der Quarantäne eines Familienangehörigen noch anstecken könne. Daher verlängere sich die freiwillige Isolation noch um die offiziell angeordnete Quarantäne, die weiterhin andauere. Und Vater P gibt zu bedenken: „Es ist schwer zu akzeptieren, weil die Fälle alle unterschiedlich gehandhabt werden.“

Und was lernt man nun daraus? Das Fazit der Mutter aus der Quarantäne-Erfahrung klingt ernüchtert: „Am Anfang der Krise dachte man, die Menschheit wachse zusammen. Das ist aber offenbar nicht so.“

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