Corona löst Konflikte aus. Und manche davon entstehen an Stellen, wo man sie nicht vermuten würde. Zum Beispiel bei der Straßenmusik, wo im Sommer ein Streit in der Gemeinde Bodman-Ludwigshafen begann, der bis heute schwelt. Ralph Rauscher tritt regelmäßig als Elvis Presley auf und man spürt seine Verbundenheit mit der Rolle. Beim Telefonat mit der Redaktion meldet er sich mit dem Satz: „Hier ist der Elvis.“ Seit 2006 mache er Straßenmusik, sagt Rauscher, der in Alpirsbach lebt. Er sei auch oft am Bodensee und in Bodman-Ludwigshafen zu Gast. Doch die Beziehung zwischen Elvis-Darsteller und See-Ende hat einen Knacks bekommen.

Denn gegen Ende der Sommerferien habe ihm die Gemeinde Auftritte in den Uferanlagen untersagt, so Rauscher. Stefan Burger, Hauptamtsleiter in Bodman-Ludwigshafen, bestätigt das auf Anfrage. Die Sorge sei gewesen, dass sich rund um einen Straßenmusiker möglicherweise Menschentrauben bilden: „Das können wir nicht dulden.“ Er gibt zu bedenken, dass er am letzten Freitag in den Sommerferien auf die Sache aufmerksam geworden sei: „Das war ein Wochenende, an dem wir Bereitschaftspolizei im Ort hatten, um die Corona-Regeln durchzusetzen.“

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Dabei signalisiert Burger auch Verständnis für Musiker, die wegen der Corona-Pandemie nur noch wenige Auftrittsmöglichkeiten haben: „Ich bin mir der schlechten Situation bewusst und gerne bereit zu unterstützen.“ Eine Lösung hätte sein können, auf der großen Freifläche am Konzertpavillon zu spielen. Doch die Einhaltung der Corona-Regeln habe die höchste Priorität, und da müssten die Wege freibleiben. Zudem sei Straßenmusik eine Sondernutzung, und Rauscher habe keine Genehmigung dafür eingeholt. Die gebe es bei der Gemeinde kostenlos und relativ formlos, so der Hauptamtsleiter: „Wir haben in der Gemeinde die Musik gern, möchten aber vorher gefragt werden.“

Sondernutzungsgenehmigung praktisch nie ein Thema

Rauscher kann das nicht nachvollziehen. Eine Sondernutzungsgenehmigung sei praktisch nie ein Thema bei ihm gewesen. Er spiele keine langen Blöcke, sondern lege seine Touren so, dass er an verschiedenen Orten kurz spiele. Zudem trete er ohne Verstärker auf: „Ich will die Leute ja nicht nerven.“ Und wer ihm zuhöre, der komme ohnehin schon in Grüppchen bei ihm vorbei, Menschentrauben oder größere Ansammlungen gebe es nicht. Er sei ja nur ein kleiner Musiker, kein Star. Er sieht sich vielmehr von einer Musikerin angeschwärzt, die neidisch auf seinen Erfolg gewesen sei.

Und Rauschers Frau Sandra gibt zu bedenken, dass sie derzeit von der Straßenmusik leben und findet, dass Musiker mit Gewerbeschein Vorrang genießen sollten. Anfragen für Auftritte in Innenräumen gebe es zwar, sagt sie. Doch die lehne ihr Mann regelmäßig ab, aus gesundheitlichen Gründen und wegen des allgemeinen Corona-Risikos. Er wehrt sich jedenfalls gegen das Verbot und will das auch für Kollegen tun, die ebenfalls Probleme haben aufzutreten. Nun wollen sich Gemeinde und Musiker im Frühjahr verständigen, wie beide Seiten bestätigen.

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