Herr Hoffmann, Ende Oktober steht mit dem Golden Trail Run auf den Azoren für Sie doch noch ein absoluter Saison-Höhepunkt an. Kommt dieser für Sie überraschend?

Ich hätte ganz ehrlich nicht mehr damit gerechnet, dass es einen solch hochkarätigen internationalen Wettbewerb in diesem Jahr noch geben wird. Dass ich die Qualifikation geschafft habe, hat mich selbst ein bisschen überrascht.

Das heißt, dass bei Ihnen der Puls schon etwas in die Höhe geht?

Nicht unbedingt, denn internationale Wettbewerbe dieser Klasse sind für mich nichts Neues. Ich war schon elf Mal bei Welt- oder Europameisterschaften dabei. Dieses Mal ist es eben nur ein anderer Verband.

Dann ist der Golden Trail Run etwas ganz anderes?

Nicht unbedingt, zumal auch hier unglaublich viele exzellente Läufer dabei sind, wie beispielsweise Jim Walmsley aus den USA und der Italiener Francesco Puppi, die zu den besten Trail-Läufern auf der ganzen Welt gehören. Für mich neu ist, dass es bei der Golden Trail Championship eben ganz nebenbei auch noch um 100.000 Euro Preisgeld geht.

Motiviert ein dermaßen hoch dotiertes Rennen zusätzlich?

Es lindert die Schmerzen vielleicht ein wenig mehr (lacht). Ich bin tatsächlich ein so hoch dotiertes Rennen noch nie mitgelaufen. Für mich macht das aber keinen Unterschied. Ich freue mich riesig darauf, mich mit den besten Läufern der Welt messen zu können. Hier hat man eben die Möglichkeit, sich für die Mühen im Vorfeld auch einmal monetär belohnen zu können.

Sie sagten, dass Sie nicht mit der Qualifikation gerechnet haben. Wie lief dann die Vorbereitung?

Nahezu perfekt. Ich war verletzungsfrei und habe die vergangenen zwei Monate in der Woche im Schnitt zwischen 160 und 200 Kilometer absolviert. Außerdem kamen jede Menge Höhenmeter dazu. Und den Downhill-Lauf habe ich ebenfalls viel trainiert, um auch sehr gut den Berg herunter zu kommen. Ich fühle mich jedenfalls top fit für das Vier-Tage-Rennen.

Auch bergab laufen muss trainiert werden: Hoffmann legte beim Training großen Wert darauf.
Auch bergab laufen muss trainiert werden: Hoffmann legte beim Training großen Wert darauf. | Bild: Jäckle, Reiner

Wie schwierig war es, in der momentanen Situation den Start auf den Azoren zu realisieren?

Es war nicht ganz einfach. Natürlich muss ich einen aktuellen Corona-Test vorlegen und eine Einreisegenehmigung beantragen. Aber mit einer Weltmeisterschaft vor Augen habe ich das gerne gemacht. (lacht)

Sie sind bereits seit Samstag vor Ort. Wie wichtig ist eine gute Akklimatisation?

Das ist ganz wichtig. Deshalb bin ich auch rechtzeitig angereist. Auf uns warten schließlich insgesamt 126 Kilometer, mehr als 6000 Höhenmeter aufwärts und knapp 5000 Höhenmeter abwärts. Das ist eine Hausnummer.

Auf was wird es ankommen?

Ich denke, es wird auf die Taktik ankommen, sich die Tagesetappen gut einzuteilen, um sich nicht zu heftig zu verausgaben. Aber vor allem auch auf die Leidensfähigkeit. Das ist das Maß aller Dinge bei einem solchen Etappenrennen.

Sie haben vergangenes in Südafrika schon einmal ein Vier-Etappen-Rennen mitgemacht. Hilft diese Erfahrung?

Mit Sicherheit, auch wenn es etwas ganz anderes war. In Südafrika ging es beim „Breath Taking Extreme Race“ vor allem um die Distanz. Auf den Azoren kommen eben noch jede Menge Höhenmeter mit dazu. Das ist eine völlig andere Belastung. Für die Taktik ist das aber sicher hilfreich.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie ab Donnerstag an den Start?

Das ist ganz schwer konkret zu formulieren. Ich möchte Rennen abliefern, bei denen ich danach sagen kann, ich habe mein Bestes gegeben. Wenn alles passt und die Taktik stimmt, dann würde ich mich über einen Platz unter den ersten zehn freuen. Ich konzentriere mich jedenfalls auf die Gesamtwertung und nicht auf die täglichen Sonderwertungen.

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