Manchmal verstecken sich interessante Ansagen mitten in einer Einwohnerversammlung. Wie zum Beispiel zwei Sätze, die Stockachs Bürgermeister Rainer Stolz über die beiden Umfahrungsprojekte für die Kernstadt sagte. Zur Ostumfahrung: „Wenn man ans Osterholz rangeht, kann es nur über einen Tunnel gehen.“ Zur Westumfahrung: „Am Nellenburger Hang wird es sicher nicht anders gehen als mit einem Tunnel.“ Auch wenn die Stadt in diesem Fall nicht die Bauherrin ist, wolle man keine Straße akzeptieren, die lärmmäßig die ganze Stadt betreffe, so Stolz weiter. Allerdings, so erklärt der Bürgermeister, ist die Westumfahrung ein Bundesprojekt. Die Stadt werde gehört, könne aber nicht selbst entscheiden.

„Wenn man ans Osterholz rangeht, kann es nur über einen Tunnel gehen.“ Rainer Stolz, Bürgermeister, zu den Möglichkeiten, eine Umgehungsstraße im Osten der Stadt zu bauen
„Wenn man ans Osterholz rangeht, kann es nur über einen Tunnel gehen.“ Rainer Stolz, Bürgermeister, zu den Möglichkeiten, eine Umgehungsstraße im Osten der Stadt zu bauen. | Bild: Arndt, Isabelle

Straßenverkehr und Lärm – das beschäftigte auch einige der Teilnehmer an der Veranstaltung, die erstmals rein digital stattfand. Wann kommt die Ostumfahrung und was wird sie kosten, lautete eine der Fragen. Derzeit könne sich die Stadt dieses Projekt nicht leisten, antwortete Stolz, der auch noch keine konkrete Summe parat hatte. Aber irgendwann werde der Leidensdruck so hoch, dass man es machen müsse. Auch eine konkrete Planung gebe es noch nicht.

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Auch der Verkehrslärm in Espasingen war Thema in den Zuschauerfragen. Die geplante Umgehungsstraße sei noch im Verfahren, sagte Stolz dazu. Der Lärmaktionsplan für Espasingen sei zudem eine Grundlage, um Tempo 30 nachts einzuführen, sagte Ordnungsamtsleiter Peter Fritschi. Wie Ortsvorsteher Andreas Bernhart auf Nachfrage berichtete, sei dies für alle Espasinger Bundesstraßen geplant. Aus dem Publikum kam außerdem die Frage, ob man durch die West-Umfahrung Zizenhausen und Hoppetenzell entlasten könne. Eine solche Variante ist zumindest im Gespräch. Stolz erklärte allerdings, dass es noch keine feste Planung zu dieser Straße gebe. Man werde den Wunsch anbringen.

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Bürger stellten viele Fragen zur Infrastruktur

Überhaupt gab es einige Fragen nach der Infrastruktur wie dem schnellen Internet. Zuständig in der Stadtverwaltung ist Rechnungsamtsleiter Bernhard Keßler. Etwa 98 Prozent der Bevölkerung habe man inzwischen mit schnellen Internet-Anschlüssen versorgt, erklärte er. Die Leitungen gehörten Telekom-Unternehmen, aber auch den Stadtwerken oder der Stadt selbst. Nun würden noch die Weiler und Einzelhöfe fehlen. Für deren Bewohner hatte Keßler eine gute Nachricht parat. Die Stadt wolle das Thema jetzt angehen.

„Wo keine vernünftige Anbindung ist, wollen wir zuerst starten.“ Bernhard Keßler, Rechnungsamtsleiter, zum Ausbau des schnellen Internets in Weilern und Höfen
„Wo keine vernünftige Anbindung ist, wollen wir zuerst starten.“ Bernhard Keßler, Rechnungsamtsleiter, zum Ausbau des schnellen Internets in Weilern und Höfen. | Bild: Freißmann, Stephan

Dafür müsse man zuerst abfragen, ob es ein Unternehmen ohne städtisches Geld machen wolle. Wenn nein, folge ein langwieriges Verfahren, allerdings stünden dann auch Zuschüsse von Bund und Land von zusammen 90 Prozent in Aussicht. Keßler: „Wo keine vernünftige Anbindung ist, wollen wir zuerst starten.“ Um die Stadtwerke in dieser Hinsicht zu stärken, werde die Verwaltung dem Gemeinderat auch demnächst vorschlagen, die städtischen Internetleitungen an die Stadtwerke zu übergeben, erklärte Stolz.

Glasfaser als Sinnbild für das schnelle Internet: Die Stadtverwaltung will nun auch die Versorgung von Weilern und Einzelhöfen mit der Datenautobahn angehen.
Glasfaser als Sinnbild für das schnelle Internet: Die Stadtverwaltung will nun auch die Versorgung von Weilern und Einzelhöfen mit der Datenautobahn angehen. | Bild: Jan Woitas/dpa

Auch die digitale Ausstattung von Schulen brachte ein Teilnehmer aufs Tapet. Fast 940.000 Euro habe die Stadt aus dem Digitalpakt von Bund und Ländern dafür zur Verfügung – inklusive dem kommunalen Eigenanteil 1,17 Millionen Euro, rechnete Hauptamtsleiter Hubert Walk vor. Ein großer Teil fließe in Verkabelung, noch dieses Jahr sollen dazu Arbeiten für 400.000 Euro vergeben werden. Dabei gehe es um den Präsenzunterricht. Endgeräte spielen im Digitalpakt eine untergeordnete Rolle. Aus den Mitteln des Sofortausstattungsprogramms von Bund und Ländern könne man diese aber kaufen. Die Stadt habe nach Absprache mit den Schulleitungen schon im August 350 Tablet-Rechner bestellt. Diese seien aber wie in allen anderen Gemeindes des Landkreises noch nicht da, so Walk. Die Geräte sollen für Fernunterricht an Familien verliehen werden, in denen keine Privatgeräte zum Einsatz kommen können. Und sie bleiben auch nach dem Corona-Lockdown erhalten.

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Die Corona-Pandemie bildete auch den Auftakt der Versammlung. Stolz appellierte an die Bürger, sich umsichtig zu verhalten: „Es geht nicht darum, allen zu sagen, was sie machen sollen, sondern darum, Leben zu schützen.“ Eine Person werde wegen einer Corona-Infektion auf der Intensivstation des Stockacher Krankenhauses behandelt, müsse aber nicht beatmet werden. Krankenhaus-Geschäftsführer Michael Hanke ergänzte auf Nachfrage, dass außerdem eine Person wegen Covid-19 auf einer Normalstation behandelt werde. Stolz bat, den Infektionsschutz zu beherzigen: „Das sage ich auch angesichts der wenigen Querdenker.“