Das Volksbegehren Artenschutz unter dem Titel „Rettet die Bienen“ hat im Jahr 2019 manches in Bewegung gebracht. Von zahlreichen Landwirten auch im Raum Stockach als unzumutbare Einschränkung ihrer Arbeit kritisiert, hatte die Initiative trotzdem Folgen für den Naturschutz. Eine davon: 15 Prozent Offenland der Landesfläche sollen, in „inhaltlicher Weiterentwicklung des Volksbegehrens“, bis zum Jahr 2030 als Biotopverbund entwickelt werden, heißt es beim Umweltministerium in Stuttgart. Im Juli habe der Landtag eine entsprechende Novelle des Landesnaturschutzgesetzes beschlossen. Davor beruhte die Regelung auf dem Bundesnaturschutzgesetz, das zehn Prozent der Fläche für einen Biotopverbund vorschrieb.

Ein Laubfrosch im Röhricht am Storchenweiher beim Erlenhof in der Nähe des Stockacher Ortsteils Wahlwies auf einem Archivbild. Der Storchenweiher gehört nicht zum Modellprojekt Offenland, allerdings wurden darin zahlreiche Kleingewässer rund um Stockach angelegt, die Amphibien zugute kommen.
Ein Laubfrosch im Röhricht am Storchenweiher beim Erlenhof in der Nähe des Stockacher Ortsteils Wahlwies auf einem Archivbild. Der Storchenweiher gehört nicht zum Modellprojekt Offenland, allerdings wurden darin zahlreiche Kleingewässer rund um Stockach angelegt, die Amphibien zugute kommen. | Bild: Freißmann, Stephan

Wie das funktionieren kann, dafür geben zwei Kommunen in Baden-Württemberg ein Beispiel ab, Nürtingen und Stockach. Seit 2015 lief dort das Modellprojekt „Biotopverbund Offenland“ des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Baden-Württemberg. Das Projekt ging dieses Jahr zu Ende, was mit einem Abschluss-Seminar gewürdigt wurde. Die Veranstaltung fand Corona-bedingt als Videoseminar statt. Beteiligt waren der BUND, die Akademie für Natur- und Umweltschutz und das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg.

Abschlussveranstaltung in Pandemie-Zeiten (von links): Tilo Herbster, Geschäftsführer beim Landschaftserhaltungsverband Konstanz und Verbundmanager, Jochen Kübler vom Planungsbüro 365 Grad und Bodo Krauß vom Landesumweltministerium.
Abschlussveranstaltung in Pandemie-Zeiten (von links): Tilo Herbster, Geschäftsführer beim Landschaftserhaltungsverband Konstanz und Verbundmanager, Jochen Kübler vom Planungsbüro 365 Grad und Bodo Krauß vom Landesumweltministerium. | Bild: Constanze Wyneken

Die Stadt Stockach war durch Bürgermeisterstellvertreter Thomas Warndorf (SPD) vertreten. Er sagte in seinem Grußwort: „Wir sind sehr stolz, als eine der beiden Städte für das Projekt auserwählt worden zu sein.“ Wie man einen Biotopverbund konkret umsetzen kann, erklärte Jochen Kübler vom Planungsbüro 365 Grad. Das Überlinger Büro war für den Fachplan des Biotopverbunds Offenland verantwortlich. Kübler erläuterte die Maßnahmen anhand von Beispielen und Bildern aus Stockach.

In den vergangenen Jahren wurde vieles umgesetzt

Umgesetzt wurde in den vergangenen Jahren einiges. So gibt es Beweidungsprojekte bei Hoppetenzell, bei denen Ziegen das Land von Verbuschung freihalten. Im Großen Ried bei Espasingen entstand ein Lebensraum für Blumen- und Schmetterlingsarten, unter anderem für den gefährdeten Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Und mehrere Kleingewässer sind im Rahmen des Modellprojekts auch entstanden, von denen Amphibien profitieren.

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Auch Tilo Herbster, Geschäftsführer beim Landschaftserhaltungsverband Konstanz, ist als Verbundmanager mit dem Biotopverbund in Stockach vertraut. Er referierte über die Bedeutung des landesweiten Biotopverbundes auf Kreisebene. Doch er hatte auch eine politische Botschaft dabei. Der Biotopverbund müsse noch größer als „nur landesweit“ vernetzt werden, um effektiv zu sein – also eigentlich bundesweit, wenn nicht sogar weltweit, so Herbster. Und er betonte, dass Worten schnell Taten folgen sollten, um etwas zu ändern.

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Bei der Video-Veranstaltung waren auch hochrangige Vertreter von Politik und Naturschutz im Land vertreten. So sprachen Landesumweltminister Franz Untersteller (Grüne) und Brigitte Dahlbender, Landesvorsitzende des BUND, Grußworte. Lilith Stelzner, Naturschutzreferentin beim BUND, gab eine Einführung und Bodo Krauß, Leiter des Referats Schutzgebiete und Ökologische Fachplanungen beim Landesumweltministerium, gab einen Einblick in die aktuellen Entwicklungen beim Biotopverbund Baden-Württemberg.

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