Die Stadt und ihre Teilorte sind beim jüngsten Hochwasser insgesamt gut weggekommen. Die Schutzmaßnahmen und Vorkehrungen, die bisher getroffen wurden, hätten Wirkung gezeigt und die Stadt werde auf diesem Weg weitermachen, erklärte Stadtbaumeister Willi Schirmeister in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Er zeigte Fotos der Überschwemmungen und ordnete sie ein. An mehreren Stellen habe man Handlungsbedarf erkannt.

Nicht überall gibt es Rückhalteoptionen

Vom Starkregen entlang der Aach von Mühlingen bis hinter Stockach habe man viel abbekommen, in diesem Bereich sei keine Rückhaltemöglichkeit vorhanden. Das Wasser sei durch den Tobel geschossen, habe in Hoppetenzell die Brücke überschwemmt und sich nach unten weiter verbreitert. „Die Flussgebietsuntersuchung hat die Ausmaße eines 100-jährigem Hochwasser gezeigt“, so Schirmeister. Die Stadt werde mit der Gemeinde Mühlingen und dem Landratsamt reden, ob man den oberen Bereich in die Starkregenuntersuchung einbinden könne.

Sportplatz als Rückhaltebereich

Vorhandene Mulden seien vollgelaufen, sagte Willi Schirmeister weiter. Ein Staukanal bringe bei solchen Wassermassen keine Erleichterung. „Das Wasser schießt mit hoher Geschwindigkeit durch, dann bekommt der untenliegende Ort alles ab. Besser ist, zu versuchen, die Wassermassen eine Zeit lang zu puffern, damit der Unterlieger nicht ertrinkt.“ Er nannte Hindelwangen als Beispiel. Dort denke man darüber nach, den Sportplatz als Rückhaltebereich zu nutzen. Dafür müsse man ihn gegebenenfalls um eineinhalb bis zwei Meter absenken.

In Maisfeldern muss das Wasser gebremst werden

Allgemein habe man gesehen, wie in den Maisfeldern der Boden abgeschwemmt wurde. Hier sollten Graspuffer gebildet werden. Diese könnten die Fließgeschwindigkeit des Wassers verringern und den Schmutz ausfiltern. Wolf-Dieter Karle (FWV), Ortsvorsteher in Hindelwangen, berichtete, dass oberhalb der Stegwiesen Erde abgeschwemmt worden und mit dem Sturzregen an die Häuser gelangt sei. Er halte es für sinnvoll, bei Steilstücken Wiesen zu pachten, die Wasser aufnehmen. „Mais ist hier obsolet. Wiesen sind die günstigste Form des Hochwasserschutzes, um untenliegende Häuser zu schützen.“ Bürgermeister Rainer Stolz versicherte: „Wo immer wir das können, tun wir das. Meistens scheitert es, weil die Fläche der Landwirtschaft abgeht.“

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Im Gebiet der Kernstadt hat die Überschwemmung in der Bahnhofstraße in ihren Abmessungen genau mit den Berechnungen des 100-jährigen Regens übereingestimmt. Beinahe wäre das Wasser ins Aach-Center hineingelaufen. Willi Schirmeister sagte, man müsse über Rückhaltebecken Richtung Winterspüren nachdenken.

Ein überschwemmter Aach-Center-Parkplatz mit angrenzenden vollgelaufenen Keller.
Ein überschwemmter Aach-Center-Parkplatz mit angrenzenden vollgelaufenen Keller. | Bild: Feuerwehr Stockach

Brücke ist zu niedrig

Es sei deutlich geworden, dass die Brücke in der Heinrich-Bettinger-Straße zu niedrig ist. „Wir müssen sie in den nächsten Jahren erhöhen.“ Der Stadtbaumeister wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Stellen, die Transformatoren haben, sich in solchen Gefahrenlagen bei der Stadt melden sollten. Er betonte: „Das ist das Erste, das man schützen muss.“

Wer Sandsäcke zur Absicherung seines Hauses oder Kellers braucht, kann bei den Technischen Diensten der Stadt anfragen. Die Säcke können abgeholt und selbst befüllt werden. „Wichtig ist, feines Material zu verwenden und keinen Kies, der dichtet nicht ab“, so Schirmeister.

„Es ging glimpflich aus“

Der Wahlwieser Ortsvorsteher Udo Pelkner (FWV) betonte, dass das gesamte Wasser, das man auf den Fotos gesehen habe, im Anschluss durch Wahlwies und Espasingen in den Bodensee gelaufen sei. „Es ging glimpflich aus. Aber wir haben auch noch den Roßberg.“ Der Überlauf an der Bury-Villa biete dem Bach die Möglichkeit, sich auszubreiten. Die Gräben vom Roßberg hinunter würden stets sauber gehalten und die Rohre unter den Straßen hätten sich bewährt.

Sirenen sollten funktionieren

Jürgen Kragler (CDU) äußerte sich dankbar, dass die Stadt und ihre Teilorte im Verhältnis zu Regionen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ohne große Schäden davongekommen seien. Wichtig sei ihm die Frage des Katastrophenschutzes. „Vielfach haben die Sirenen nicht funktioniert oder sie wurden bereits abgebaut.“ Der Bund habe ein Förderprogramm aufgelegt, um Sirenen zu reaktivieren, zu reparieren und zu erhalten. Es sei wichtig, die Bevölkerung auf diese Weise zu warnen, falls das Handynetz zusammenbreche. Hier entgegnete der Bürgermeister, dies müsse in ganz Deutschland so sein, man brauche eine klare Vorgehensweise. Er sagte: „Im Moment wird alles, was mit der Überflutung zusammenhängt, auch für den Wahlkampf genutzt.“

Die Stadt Stockach werde weiter viel für den Schutz bei solchen Extremereignissen tun. Stockach setze Millioneninvestitionen in den Boden, um Wasser abzufangen, sagte Stolz. Er fuhr fort: „Starkregenpläne sind nicht überall vorhanden, aber wir haben bereits im Frühjahr Aufträge für die Pläne vergeben. Flächen durch Retentionsflächen zu sichern, hat direkte Auswirkungen. Wir sind dran, wir nehmen das ernst, denn es ist notwendig.“