Beim Abwasser ist es so ähnlich wie im eigenen Haushalt: So lange die Geräte funktionieren und alle Arbeiten erledigt werden, läuft der Alltag rund. Doch hier wie da muss gelegentlich etwas ergänzt oder ausgetauscht werden. Für den Abwasserverband Stockacher Aach steht in Kürze eine Erweiterung der Filteranlage in der Kläranlage zwischen Espasingen und Bodman an, die das Abwasser aus dem Raum Stockach reinigt.

Das Gremium entschied sich für einen Tuchfilter als Neubau, der auch in punkto Wirtschaftlichkeit überzeugte. Außerdem soll das Schneckenhebewerk, das seit 1993 in Betrieb ist, für rund 300.000 Euro brutto saniert werden. Dies werden nicht die einzigen Investitionen in den kommenden Jahren sein, um die wichtige Anlage für den Raum Stockach zukunftsfähig aufzustellen.

Zu bewältigende Wassermenge ist immer größer geworden

Matthias Weckbach, Bürgermeister von Bodman-Ludwigshafen, sprach bereits Ende Januar in einer Ratssitzung im Zusammenhang mit den Abwassergebühren die Kläranlage an. Sie sei in die Jahre gekommen und es müsse ein zweistelliger Millionenbetrag investiert werden, der auf die ganze Verwaltungsgemeinschaft Stockach umgelegt werde. Es wies darauf hin, dass ab 2028 Phosphor aus dem Klärschlamm gefiltert werden müsse.

Auf SÜDKURIER-Nachfrage erklärt Sebastian Platz vom Ingenieurbüro Sweco die Hintergründe der als notwendig geltenden Erweiterung, die ansteht. „Die bestehende Sandfilteranlage, ebenfalls Baujahr 1993, wurde für eine maximale Wassermenge von 450 Litern pro Sekunde ausgelegt. Bedingt durch die Erweiterung der Kläranlage um das Vorzeigeprojekt ,Vierte Reinigungsstufe zur Spurenstoffelimination‘ vor nun genau zehn Jahren erhöhte sich die Belastung des Systems.“

Bei Starkregen könnte es problematisch werden

Zusätzlich sei zum Schutz der Gewässer auch die Zulaufmenge zur Kläranlage in der Vergangenheit erhöht worden. Folglich sei es zu Engpässen in der Filterstufe gekommen.

Platz führt aus: „Durch einen geschickten Betrieb der Kläranlage durch Abwassermeister Carsten Bucksch konnte der Anteil an teilgereinigtem Abwasser, welches nicht über die wichtige Schlussfiltration gelaufen ist, minimiert werden. Dennoch kam es besonders bei anhaltenden Starkregenereignissen zu Belastungen des Bodensees.“

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Mit dem Ausbau der Filterstufe solle zukünftig sichergestellt werden, dass das gesamte Abwasser bestmöglich gereinigt werden kann, um so zum Schutz des Trinkwasserspeichers und des Badegewässers Bodensee beitragen zu können.

In der jüngsten Sitzung des Abwasserverbands hatte Sebastian Platz zunächst verschiedene in einer Vorplanung untersuchte Möglichkeiten zur Filtererweiterung vorgestellt und deren Vor- und Nachteile erläutert. Für die Tuchfiltration sprechen ein guter Partikelrückhalt von feinen Partikeln – auch von Mikroplastik.

Filtererweiterung für eine Million Euro

Stadtbaumeister Willi Schirmeister erläuterte anschließend, der Vorteil bei einem Neubau neben der bestehenden Anlage sei, dass neben dem laufenden Betrieb umgebaut werden könne. Er sagte: „In diesem Jahr geht die Ausschreibung raus.“ Für die Filtererweiterung fallen Investitionskosten von rund einer Million Euro brutto an.

Isolde Handloser von der Stadtkämmerei stellte die Jahresrechnung 2019 sowie den Wirtschaftsplan 2021 vor. Demnach sind im Vermögensplan Investitionen von rund 1 Million Euro vorgesehen.

Die größten Ausgabeposten

Die größten Posten sind der Neubau des Kanals in Orsingen (100.000 Euro), Planungskosten für die Erweiterung der Sandfilteranlage (150.000 Euro), die Notstromversorgung der Kläranlage (200.000 Euro) und die Kanalumlegung wegen des Radwegneubaus im Bereich Zizenhausen (200.000 Euro).

Es ist eine Kreditaufnahme in Höhe von rund einer Millionen Euro vorgesehen. Geplant sind 1,2 Millionen an Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen. Für Personalkosten sind 445.600 Euro und für sonstige Aufwendungen 375.370 Euro geplant. Die Versammlung nahm die Feststellung des Jahresabschlusses 2019 und den Wirtschaftsplan 2021 jeweils einstimmig an.