In Baden-Württemberg gilt die 2-G-Regel – also geimpft oder genesen – in allen Einzelhandelsgeschäften außer in denen für Grundnahrungsmittel und Drogeriebedarf. Welche Erfahrungen haben Stockacher Einzelhändler damit bisher gemacht?

An den Eingangstüren hängen Zettel, die auf die neuen Regeln hinweisen. Die Händler werben darauf auch um Verständnis für die Kontrollen. Anja Schmidt, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Handel, Handwerk und Gewerbe (HHG) und Inhaberin des Modegeschäfts Wundervoll, fasst zusammen: „Wir befinden uns fast in der gleichen Position wie vor einem Jahr und bangen um das Weihnachtsgeschäft. Nur mit dem Unterschied, dass nun die Impfungen und die 3G- beziehungsweise jetzt 2G-Regeln hinzugekommen sind. Dies bedeutet zwar mehr Aufwand durch die Kontrollen, ist aber immer noch besser als das Schließen der Geschäfte.“

Anja Schmidt in ihrem Modegeschäft (Maske nur fürs Foto abgenommen).
Anja Schmidt in ihrem Modegeschäft (Maske nur fürs Foto abgenommen). | Bild: Claudia Ladwig

Sie finde allerdings die 2G-Regelung für den Einzelhandel fragwürdig, da getestete Personen kein besonders hohes Risiko darstellten. „In den Geschäften vor Ort findet aufgrund der Angst vor dem Virus keine hohe Besucherfrequenz statt und somit ist hier eine Ansteckung sehr gering.

„Immer noch besser als das Schließen der Geschäfte“

Dies wird durch die bereits vorhandenen Vorschriften wie Masken, Abstand und Desinfektion zusätzlich unterstützt.“ Sie selbst biete wieder verstärkt ihren Service mit den Wundervoll-Tüten und -Kisten an, bei denen sie eine Auswahl zusammenstelle und die Ware kontaktfrei zu ihren Kunden bringe.

Florian Mader, Pressereferent des Landesgesundheitsministeriums, stellt auf SÜDKURIER-Nachfrage klar: Es sei zulässig, dass die Kontrollen der 2G-Nachweise durch das Verkaufspersonal oder beauftragte Dritte erfolgen. „Die Kontrollen haben so zu erfolgen, dass möglichst eine Vielzahl der Kunden zu ihrem eigenen Schutz und dem Schutz der Mitarbeitenden während ihres Aufenthalts überprüft werden.“

Weihnachtsgeschäft läuft in der vierten Welle verhalten an

Wie die befragten Händler in der Stockacher Innenstadt übereinstimmend sagen, ist der Kundenandrang derzeit überschaubar, sodass Kontrollen problemlos möglich seien. Roland Rossdeutscher vom Mahlwerk erzählt, er frage direkt am Eingang. Bisher habe es kaum Diskussionen wegen des Vorzeigens der entsprechenden Nachweise gegeben. Das Geschäft in der Vorweihnachtszeit laufe dennoch sehr verhalten an.

Auch Eberhard Martin vom gleichnamigen Sportgeschäft sagt, die große Mehrheit habe Verständnis für die Kontrolle des Ausweises und das elektronische Überprüfen des Impf- oder Genesenen-Nachweises. „Wir setzen ja schließlich nur die Vorgaben um und wollen niemanden schikanieren. Wir wollen dazu beitragen, dass wir aus dieser Misere herauskommen“, betont Martin. Auch zu ihnen kämen deutlich weniger Kunden als üblich.

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Seit über einem Jahr gebe es bei ihnen sogar ein Raumluftdesinfektionsgerät, das alle zwei Stunden die Luft im ganzen Laden desinfiziere. Eberhard Martin bietet Kunden an, Ware telefonisch zu bestellen, dann könne man an der Tür eine Auswahl abholen oder sie werde sogar gebracht. „Damit wollen wir auch eine gewisse Schadensbegrenzung betreiben, denn unsere Kosten bleiben ja gleich“, erklärt er.

Im Schuhgeschäft nebenan berichtet Joachim Kramer ergänzend, dass es seit Corona fast keine Laufkundschaft mehr gebe. Sein Personal kontrolliere den 2G-Nachweis direkt am Eingang und die meisten, überwiegend älteren Kunden, seien sehr verständig.