Reinhold Buhl

In Sachen Mobilität muss sich etwas ändern. Dieser Meinung sind viele. So auch in Stockach, wo man der Überzeugung ist, dass es einen Wandel in der Mobilität geben müsse, da der Staat die Kommunen und jedes Individuum zum Klimaschutz verpflichtet.

Dazu müssen die Städte und Kommunen Konzepte entwickeln, wie sie den Verkehr, der als großer Verursacher von Kohlenstoffdioxid gilt, verringern können. Der Individualverkehr mit Autos sollte so weit als möglich durch Alternativen ersetzt werden, so die Devise.

Initiative wird aktiv

Diese Notwendigkeit haben auch zwei Stockacher Organisationen erkannt. Sie haben, um der obengenannten Forderung gerecht zu werden, einen Verein gegründet, der sein Programm in seinem Namen trägt: „Klimakompetent Mobil“.

Hinter den beiden Organisationen verbergen sich die BUND Ortsgruppe Bodman-Ludwigshafen/Stockach unter dem Vorsitz von Hans Steisslinger sowie das Umweltzentrum Stockach unter der Leitung von Sabrina Molkenthin. Diese beiden Gruppen haben vor zwei Jahren auch den „Runden Tisch Mobilität“ ins Leben gerufen, der sich drei- bis viermal jährlich trifft, um sich des Themas Mobilität anzunehmen.

Experten stellen zwei Konzepte vor

So gab es kürzlich auf Einladung dieses Runden Tischs eine Informationsveranstaltung, bei der zwei Referentinnen den 25 Anwesenden zwei unterschiedliche Konzepte zum Thema Verkehr vorstellten. Auf der einen Seite stellte Regina Schlecker, zuständig für die Wirtschaftsförderung bei der Stadt Stockach, die Pendlerplattform Pendla vor, die im März dieses Jahres im Verwaltungsraum Stockach eingeführt wurde.

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Auf der anderen Seite referierte die Soziologin Kerstin Ullrich aus Neustadt an der Weinstraße über das Programm „Mobility-on-Demand“ (zu Deutsch: Mobilität auf Anfrage), das seit drei Jahren erfolgreich in ihrer Heimatstadt laufe.

Zwei Ansätze, ein Ziel

Die beiden Programme sind von ihrer Konzeption her grundverschieden. Beiden liegt allerdings der Gedanke zugrunde, die Anzahl der Autofahrten zu reduzieren. So geht es laut Schlecker bei Pendla um die Bildung von Fahrgemeinschaften unter dem Schlagwort „Aus Nachbarn werden Mitfahrer“.

„Wir müssen das Verkehrsaufkommen reduzieren, um die Natur und Umwelt zu entlasten.“ Regina Schlecker, Wirtschaftsförderung ...
„Wir müssen das Verkehrsaufkommen reduzieren, um die Natur und Umwelt zu entlasten.“ Regina Schlecker, Wirtschaftsförderung Stadt Stockach. Bild: Reinhold Buhl

Ihr liegt die Pendla-App zugrunde, über welche Interessenten Mitfahrgelegenheiten suchen oder anbieten können. „Pendla ist eigentlich für kurze Strecken gedacht“, erklärt die Vertreterin der Stadt und weist darauf hin, dass die Benutzung der App kostenlos sei. Die Kosten des Mitfahrens müssten Pendler und Mitfahrende unter sich regeln. Dasselbe gelte eventuell für eine Versicherung.

Ganz anderer Ansatz wird in Neustadt erprobt

Während sich bei Pendla Fahrer und Mitfahrer über die App selbst suchen, bietet „Mobility-on-Demand“ einen Fahrservice zu günstigen Preisen an. Das Modell, online von Kerstin Ullrich vorgestellt, befindet sich seit drei Jahren in Neustadt an der Weinstraße in der Erprobung.

Über eine App können Bürger von einer der virtuellen Haltestellen im Stadtgebiet eine Fahrt zu irgendeiner Zielhaltestelle buchen. Der Fahrservice garantiert, dass Nutzer innerhalb von zwölf Minuten abgeholt werden und zum gewünschten Termin am Zielort ankommen. Hinter diesem Service steckt eine GmbH, deren Gesellschafter das Projekt finanzieren.

Weniger Fahrten als beim ÖPNV

Gefahren wird ausschließlich mit E-Fahrzeugen, die Fahrer und Fahrerinnen sind als Teilzeitkräfte oder Vollzeitkräfte angestellt, und wochentags wird bis 23 Uhr und an Wochenenden bis 1 Uhr gefahren. „Wir wollen mit diesem Konzept den ÖPNV neu denken“, erklärt Ullrich und betont, dass der Vorteil ihres Programms darin liege, dass nur auf Nachfrage gefahren werde und es dadurch keine halbleeren oder ganz leeren Busse gebe, wie beim klassischen Öffentlichen Personen-Nahverkehr dies des Öfteren der Fall sein könne.

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„Wir stellen jedoch keinen Haus-zu-Haus-Service wie das bei Taxis der Fall ist, sondern fahren zwischen virtuellen Haltestellen“, ergänzt die Referentin.

Das sagt die Statistik

Wie wichtig derlei Ansätze sind, zeigt die Statistik. So sollen laut statistischen Angaben tagtäglich 30 Millionen Deutsche von ihrer Wohnung zum Arbeitsplatz pendeln. Mehr als zwei Drittel der Pendler nutzen dafür das Auto. Bei ungefähr 95 Prozent dieser täglichen Fahrten zur Arbeit sitzt der Fahrer alleine im Auto, die freien Plätze im Auto bleiben also ungenutzt.

Heruntergebrochen auf den Landkreis Konstanz bedeutet dies, dass es rund 1,4 Millionen Pendelbewegungen gibt, bei denen meistens nur der Fahrer der einzige Passagier im Fahrzeug, sprich Auto ist. Zu der Einsicht, dass diese Entwicklung so nicht weitergehen darf, kommen immer mehr Menschen.