Für die Volkshochschule (Vhs) wird 2021 ein Jahr des Umbruches. Dies wurde bereits in den ersten Minuten des Pressegespräches anlässlich des Trimesterauftaktes Herbst/Winter 2021 in Stockach deutlich. Corona hat dafür gesorgt, dass das Digitale eine zunehmend entscheidende Rolle spielen wird. Ein weiteres Beispiel: Das gute alte Programmheft hat ausgedient. Ab sofort wird es keine gedruckte Variante davon mehr geben. „Die Vhs muss sich ständig neu erfinden und sich ständig auf neue Situationen in der Gesellschaft anpassen“, sagte Bürgermeister Rainer Stolz. Corona habe diese Entwicklung in den vergangenen Monaten lediglich ein wenig beschleunigt.

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„Wir arbeiten jetzt anders“, bestätigt auch Stephan Kühnle, stellvertretender Vorstand der Vhs. Auch Kühnle nennt Beispiele, in denen dies besonders deutlich wird: Die virtuelle Verwaltung und Online-Kurse seien wegen der Pandemie entstanden, als Bildungseinrichtungen wie die Vhs schließen mussten. Jetzt seien der Ausbau und die Integration in den normalen Betrieb geplant.

1300 Kurse starten im Herbst

Ein Viertel der 1300 Kurse, die im Herbst und Winter dieses Jahres geplant seien, biete die Vhs laut Kühnle unabhängig vom Verlauf der Pandemie online an. „Dies sind 350 Kurse, die ortsunabhängig belegt werden können“, betont er. Aber es solle auch wieder eine Rückkehr zum Präsenzunterricht geben. Über 900 Kurse seien laut Kühnle als Präsenzveranstaltungen im ganzen Landkreis geplant. „Wir haben die Kurse so ausgelegt, dass wir auf ein alternatives Format umstellen können, sollten noch einmal Kontaktbeschränkungen in Kraft treten“, sagt er.

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Allein in Stockach bietet die Vhs jährlich rund 400 Kurse und Vorträge an, berichtet Frank Weigelt, Leiter der Geschäftsstelle in Stockach. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit Kultureinrichtungen wie etwa der Stadtbücherei oder dem Stadtmuseum. Diese würden sich laut Gabriele Gietz, Leiterin der Stadtbücherei, auch im Programm widerspiegeln. So stehe laut Gietz etwa die Narro-Ausstellung im Stadtmuseum mit einigen begleitenden Veranstaltungen im Fokus.

Sie soll trotz einem schwierigen finanziellen Jahr erhalten bleiben: die Vhs-Hauptstelle in Stockach. Bild: Laura Marinovic
Sie soll trotz einem schwierigen finanziellen Jahr erhalten bleiben: die Vhs-Hauptstelle in Stockach. Bild: Laura Marinovic | Bild: Freißmann, Stephan

Aus einem wollen und können die Verantwortlichen der Vhs keinen Hehl machen: Corona hat der Bildungseinrichtung finanziell schwer zu schaffen gemacht. Ein Blick in die Jahresbilanz von 2020, die jüngst im Stockacher Gemeinderat vorgestellt wurde, verdeutlicht dies: Weniger Kurse, weniger Unterrichtsstunden, weniger Einnahmen. Die Kurs- und Veranstaltungszahlen brachen ein. So fanden 2020 rund 2390 Veranstaltungen statt – fast 1100 weniger als 2019. Daraus ergab sich auch, dass die Vhs das Jahr 2020 mit einem Jahresfehlbetrag von rund 436.000 Euro abschloss. Schon damals kündigte Vhs-Chefin Nikola Ferling strukturelle Veränderungen an. Wie diese aussehen werden, stehe derzeit noch nicht fest. Rainer Stolz bestätigte indes, dass man eine Diskussion über eine mögliche Schließung der Hauptstellen nicht führen werde: „Dagegen gab es ein klares Votum.“ Schließlich sei die Vhs im Landkreis eine Einheit und dafür brauche es alle Hauptstellen.

Die Volkshochschule feiert ihren 50. Geburtstag

  • Das Jubiläum: Die Volkshochschule im Landkreis Konstanz feiert 50-jähriges Bestehen. Sie wurde als Vhs Konstanz-Singen gegründet. Im Jahr 2016 hat sich auch Radolfzell der Bildungseinrichtung angeschlossen. Seitdem nennt sie sich Volkshochschule im Landkreis Konstanz. Die Vhs möchte von 50 Menschen in der Region wissen, was sie mit der Bildungseinrichtung erlebt haben und was sie mit ihr verbinden. Wer seine Erfahrungen teilen will, kann diese per Mail schildern: 50jahre@vhs-landkreis-konstanz.de Auch Bilder, Videos und Audiodateien sind willkommen, die Anhänge sollten aber die Größe von zehn Megabyte (MB) nicht überschreiten.
  • Das Pilotprojekt: Die Vhs Landkreis Konstanz hat zudem zusammen mit Kooperationspartnern den Zuschlag für die „onrhein-vhs“ erhalten. Dabei handelt es sich um eine virtuelle Volkshochschule für die Landkreise Lörrach, Waldshut und Konstanz. Im Rahmen dieses Projekts wird die vhs gefördert, um die Digitalisierung an Volkshochschulen voranzutreiben und innovative Unterrichtskonzepte zu entwickeln. Wie Stephan Kühnle erklärt, werde es dadurch auch möglich sehr hochkarätige Dozenten zu gewinnen, die früher für eine Präsenzveranstaltung nicht extra angereist wären. er hoffe aber, dass die Vhs wieder zu einem Ort der Begegnung werde.
  • Das Programm: Weitere Informationen: www.vhs-landkreis-konstanz.de