Im Stockacher Stadtmuseum gibt es derzeit die seltene Gelegenheit, Werke des berühmten Künstlers Joan Miró zu betrachten und auf sich wirken zu lassen. Doch Halt: auf sich wirken lassen? Studien haben ergeben, dass Besucher von Kunstgalerien durchschnittlich acht bis zwölf Sekunden damit verbringen, sich jedes ausgestellte Werk anzusehen, wie das Stadtmuseum in einer Presseankündigung erklärt.

Für die Miró-Ausstellung bietet sie deshalb einen Tag mit dem Prinzip der „Slow Art“ (Langsame Kunst) an: „Slow Art – Entschleunigte Annäherung an Mirós Werke“ heißt es am Freitag, 28. Oktober, 17 bis 19 Uhr.

Zeit mit den Kunstwerken verbringen

Slow Art ist das Äquivalent zu Slow Food (Langsam essen), man nimmt sich für das Essen oder die Kunstbetrachtung viel mehr Zeit als üblich. Zehn Minuten bis zu einer Stunde verbringen die Besucher vor einem oder wenigen Bildern. Die Idee: Wenn wir ein Kunstwerk wirklich kennenlernen wollen, müssen wir Zeit damit verbringen. Dazu gehört eine entschleunigte, achtsame Wahrnehmung des Bildes und seiner Details.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Künstlerin Ute Kledt entdeckte zu Beginn der Pandemie die Slow Art für sich. Beim Fotografieren gewöhnte sie sich an, erstmal bis 20 zu zählen. Das war die zu Corona-Beginn empfohlene Dauer eines Händewaschens. Danach löste sie erst das Foto aus: „So kann man erstmal sein Motiv in Ruhe betrachten. Es entwickelt sich so ein bewussteres Tun“, wird Kledt in der Presseinfo zitiert. Das Stadtmuseum hat sie eingeladen, einen entschleunigten Museumsbesuch im Sinne von Slow Art zu entwerfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kledt erklärt: „Beim langsamen Schauen geht es nicht darum, dass kunsthistorische Interpretationen Ihnen sagen, wie Sie diese Kunst betrachten sollten. Es geht um Sie und das Kunstwerk, lassen Sie sich Zeit, Ihre eigenen Entdeckungen zu machen und eine persönlichere Verbindung dazu aufzubauen.“ Ein Credo der im englischsprachigen Raum entstandenen Bewegung sei: „Trust your eyes“ (Vertrau deinen Augen).

Karten für 15 Euro (ermäßigt 12 Euro) gibt es im Alten Forstamt und online.