Tastenzauber – unter diesem Titel stand das Stockacher Meisterkonzert, das am Freitag den Zuhörern vergönnt war. Tatsächlich: gezaubert wurde und das gleich doppelt – nämlich zweimal am Abend von zwei Künstlern mit je zwei also insgesamt vier Händen. Miku Arizono, mehrfache Preisträgerin internationaler Preise in ihrem Fach und Ryo Yamanishi, Preisträger des Internationalen Mozartwettbewerbs 2019, entlockten dem Klavier zauberhafte Töne – solistisch und vierhändig.

Miku Arizono und Ryo Yamanishi verschmolzen miteinander im Vierhandspiel am Klavier. Bild: Constanze Wyneken
Miku Arizono und Ryo Yamanishi verschmolzen miteinander im Vierhandspiel am Klavier. Bild: Constanze Wyneken

Auf dem Programm standen Werke von Joseph Haydn (Klaviersonate in D-Dur Hob. XVI: 42), die Chaconne aus der Partita Nr. 2 d-moll für Violine in einer Bearbeitung für Klavier von Johann-Sebastian Bach, sowie zwei Kompositionen von Ludwig van Beethoven, die Ouvertüre zu „Egmont“ op. 84 und die Ouvertüre „Leonore“ Nr. 3 op. 72b, beide in einer Bearbeitung für Klavier zu vier Händen.

Die Haydn-Sonate, und man muss anmerken, dass Haydns Kompositionen oft als etwas oberflächlich Leichtes wahrgenommen werden, obgleich es die Leichtigkeit der Töne in sich hat, konnte Miku Arizono mit feiner Präzision übermitteln. Ernsthaft und konzentriert brachte sie dem Publikum die naiv-leicht scheinenden Töne samt Verzierungen dar, dem dann auch schwante, dass, was hier leicht klang, mitnichten leicht zu spielen war.

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Einen Gegenpol hierzu bildete Bachs Chaconne aus der Partita Nr. 2 d-moll, die bedingt durch ihre Dramatik und durch Yamanashis nachdrückliche und gleichermaßen weiche Spielweise beinahe schon romantisch statt barock anmutete. Dieses Stück, das von Bach für die Solo-Violine geschrieben wurde und für jeden Geiger eine große Herausforderung darstellt, diente als gelungene Überleitung zu den Klavierbearbeitungen der beiden Beethoven-Ouvertüren, die man in dieser Form selten zu hören bekommt. Schon allein das Ausfindig-Machen der Noten sei ein kleines Abenteuer für sich gewesen, bestätigen Arizono und Yamanishi, die diese Schriften in der Musikbibliothek der Musikhochschule Freiburg ausgegraben hatten – eigens für das Konzert in Stockach übrigens.

Ryo Yamanishi – nachdrückliche Dramatik am Piano, Bild: Constanze Wyneken
Ryo Yamanishi – nachdrückliche Dramatik am Piano, Bild: Constanze Wyneken

Georg Meis, der Organisator der Stockacher Meisterkonzerte, hatte sich Orchesterwerke am Klavier gewünscht und bekommen. Er konnte an diesem Abend nicht anwesend sein. So versäumte er dann, wie die Klavierzauberer Arizono und Yamanishi in ihren vierhändigen Darbietungen miteinander verschmolzen, nur noch Ohr, Atem, Herz und Seele füreinander waren und die wundervolle Illusion erweckten, man höre tatsächlich viele Orchesterstimmen. Die Zugabe, der Walzer in A-Dur von Johannes Brahms, lotste die Zuhörer, tänzelnd fröhlich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Verklärt glückliche Blicke der Zuhörer sprachen Bände darüber, wie der Abend sie begeistert hatte.