Schmale Gassen in der Innenstadt, viel Autoverkehr auf den großen Straßen und wenige durchgehende Radwege: Fahrradfahrer hatten es in Stockach nicht besonders leicht. Um das zu ändern hat die Stadtverwaltung das Umweltzentrum damit beauftragt, ein neues Radwegenetz für Stockach zu konzipieren. Seit 2016 setzte das Umweltzentrum zusammen mit dem Stadtbauamt das neue Konzept aus neuen Radwegen und einheitlicher Beschilderung um – seit Juli ist es fertiggestellt.

Bürgermeister Rainer Stolz zeigte sich erfreut, dass die neue Wegweisung umgesetzt werden konnte, obwohl Stockach eigentlich keine Fahrradstadt sei. „Ich bin froh, dass die neue Wegeführung durch die Stadt gelungen ist, auch wenn es nicht einfach war. So ein System zu konzipieren ist mehr als nur ein paar Schilder aufzustellen“, sagte Stolz bei der Einweihung des Radwegenetzes. Ziel sei es gewesen, die bestehenden Fahrradwege des Landes Baden-Württemberg mit neuen Wegen zu verbinden und einheitlich zu beschildern, um ein durchgehendes Radwegenetz durch Stockach zu errichten.

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Schüler wiesen auf Probleme hin

Bereits 2016 hatten Umweltzentrum und Stadtbauamt mit der Planung der neuen Wegweisung begonnen. „Wir haben am Anfang unterschätzt, wie umfangreich das Ganze wird“, sagte Sabrina Molkenthin bei der Eröffnung. Ab September 2016 halfen die Schüler einer Klasse der Waldorfschule in Wahlwies mit. Die Leiterin des Umweltzentrums erklärte: „Die sind die geplanten Radwege abgefahren und haben uns gesagt, wo noch Schilder fehlen und welche Probleme es gibt. Das war eine gute Grundlage.“ Doch neue Standards für Wegweisung des Landes hätten im vergangenen Jahr noch einmal für Probleme gesorgt. Denn sie widersprachen dem Ziel der Planer vor Ort, Auto- und Radverkehr zu trennen. Peter Fritschi, der die Planungen als damaliger Leiter des Ordnungsamtes im Auftrag gegeben hatte, sprach deshalb von „einem Kraftakt“

Bild: Schönlein, Ute

Konkret sieht die neue Verkehrsführung für Radfahrer so aus: Insgesamt führen jetzt fünf große und beschilderte Wege aus der Stadt raus, drei davon bestanden bereits durch das Radnetz Baden-Württemberg. So können Radfahrer zum einen entlang der Nenzinger Straße nach Südwesten Stockach verlassen. Zum anderen führt ein Radweg neben der Ludwigshafener Straße nach Südwesten. Zudem gibt es die Route an der Zoznegger Straße nach Norden. Neu sind zwei beschilderte Strecken, die einen durchgehenden Ost-West-Radweg durch Stockach ermöglichen: Der Fahrradweg entlang der Winterspürer Straße (L 194) nach Osten und die Route an der Tuttlinger Straße in Richtung Windegg und Mahlspüren im Hegau.

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Mehr Menschen sollen auf das Rad umsteigen

„Wir hoffen, dass jetzt mehr Radfahrer sicher und gezielt ankommen“, sagte Bürgermeister Stolz. Zudem sind Schilder in Abstimmung mit dem Land mit einheitlichen Symbolen versehen, erklärte Sabrina Molkenthin. So stehe zum Beispiel ein „I“ für Tourist-Info und ein Zugsymbol für den Bahnhof. Auch gibt es eine Einhängeplakette, die Radwege an den Bodensee markiert. Zudem wird die Oberstadt, die bislang als Innenstadt beschildert wurde, auf den neuen Hinweisen laut Molkenthin als historische Altstadt aufgeführt.

Beschilderung des neues Radwegenetzes in Stockach beim Kreisverkehr in der Winterspürerstraße.
Beschilderung des neues Radwegenetzes in Stockach beim Kreisverkehr in der Winterspürerstraße. | Bild: Mario Wössner

Die Planer versprechen sich von diesen Neuerungen große Vorteile für Radfahrer. Rainer Stolz erklärte: „Ein komplettes Netz mit durchgehender Beschilderung bedeutet mehr Sicherheit für alle Radfahrer, der Verkehr ist klarer geführt.“ Und weiter: „So können zum Beispiel Eltern sehen, dass es einen sicheren Radweg von Wahlwies nach Stockach zur Schule für die Kindern gibt.“ Er hoffe, dass deshalb mehr Menschen auf das Rad umsteigen.

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Weitere Verbesserungsvorschläge sind erwünscht

Der Ausbau des Radwegenetzes ist mit dem neuen Konzept aber noch lange nicht abgeschlossen, so Sabrina Molkenthin: „So Projekt ist nie abgeschlossen. Wir hoffen daher auch auf Rückmeldungen von Radfahrern, wo weitere Verbesserungen möglich sind.“ Laut Rainer Stolz ist zum Beispiel im Bebauungsplan der Goethestraße ein breiterer Radweg vorgesehen, um sie mit der Schillerstraße zu verbinden.

Zudem werde bei allen künftigen Bauvorhaben an ausreichen Platz für Radwege gedacht. Denn „einfach einen Strich auf die Fahrbahn zu ziehen, um einen Radweg zu markieren, gaukelt zwar Sicherheit vor. Es bringt aber keine. Es braucht richtige Radwege“, sagte Stolz. Das langfristige Ziel sei, die Vermischung von Auto- und Radverkehr zu vermeiden und den Verkehr zu verlagern. Allerdings gehe das nicht von heute auf morgen, da die Stadt sich dafür die Flächen sichern müsse, so der Bürgermeister. Er hoffe aber beispielsweise bei der Umsetzung eines Radwegs nach Mühlingen auch die Unterstützung des Landkreises.