Aus Ulrike Burberg sprudelt es nur so hervor, wenn sie über ihr Hobby, die Fotografie, berichtet. Ihre Interessensgebiete sind sehr vielseitig. Sie fotografiert gerne Menschen, beschäftigt sich mit experimenteller Fotografie, bei der sie ganz kreativ unterschiedliche Techniken einsetzt, gestaltet Stillleben, rückt gekonnt Objekte und Produkte – gerne auch Obst und Gemüse – in Szene und beschäftigt sich am Computer mit der Bildbearbeitung. Besonders angetan haben es ihr sogenannte „Lost Places“. Das sind wörtlich übersetzt verlassene Orte, die oft ein besonderes, geheimnisvolles Flair umgibt. In der Geschäftsstelle der Volkshochschule Stockach in der Hauptstraße 1 stellt Ulrike Burberg für drei Monate einige ihrer eindrücklichen Bilder aus.

Die 54-Jährige sagt, sie fotografiere schon sehr lange. „Bereits im Kindergarten meines Sohnes habe ich viele Bilder gemacht.“ Damals nutzte sie meist die Automatik-Funktion. Im Fotoclub Zizenhausen habe sie gelernt, ihre Kamera manuell zu bedienen. „Das sind andere Welten. Man merkt, wie man ein Bild beeinflussen kann.“ Weil sie in Vollzeit berufstätig sei, nutze sie die Wochenenden für ihr Hobby. Sie lerne viel durch Tutorials, lese Fotomagazine und archiviere interessante Artikel. „Ich habe mir vieles selbst angeeignet und ich besuche gerne Foto-Workshops“, berichtet Ulrike Burberg.

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Für Fotos zieht es sie nicht in die Natur, aber sie hat sich auf die Suche nach imposanten Orten begeben. Sie sagt: „Ich bin lange um die alte Brauerei in Espasingen herumgeschlichen. Solche Motive sind meist sehr zeit- und rechercheintensiv. Man muss immer erst abklären, ob man da überhaupt reinkommt und dafür vielleicht eine Erlaubnis braucht.“ In diesem Fall sei es einfach gewesen, eine Kontaktperson zu finden. „Ich war total happy, dass ich da rein konnte.“ Kurz darauf habe sich durch eine Fotografengruppe aus Villingen-Schwenningen ein Besuch im 1900 eröffneten Grandhotel „Waldlust“ in Freudenstadt ergeben. In dem seit 2005 geschlossenen Hotel werden häufig Fotografenevents abgehalten.

Abgeblätterte Tapeten und zerschlissene Möbel

Ulrike Burberg hat faszinierende Bilder geschaffen, die den Geist längst vergangener Eleganz transportieren – trotz oder gerade wegen abgeblätterter Tapeten und zerschlissener Möbel. Sie sagt, dass es in Süddeutschland nicht sehr viele dieser Orte gebe. Man suche Gebäude wie Hallenbäder, Hotels oder eindrucksvolle Industriehallen, in denen man sehe, wie sich die Natur die Gebäude zurückerobere. Man könne erahnen, wie es dort früher einmal ausgesehen habe. „Man spürt etwas von der Vergangenheit und der Vergänglichkeit, es wirkt geheimnisvoll. Man überlegt, wie war das früher, als noch Leute dort gearbeitet oder gelebt haben.“

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In die alte Ziegelei in Zoznegg durfte sie zwar nicht hinein, dafür fand sie Motive in alten Bauernhäusern im Ortskern von Böhringen. Über Kontakte kam sie auch auf das Fahr-Gelände in Gottmadingen. „Der Haustechniker hat mich herumgeführt. Dort stehen zwar keine Maschinen mehr drin, aber es gibt trotzdem tolle Bilder.“

Ausstellung beginnt am 28. Januar

Ab dem 28. Januar zeigt sie zwölf großformatige Fotos und einige Rahmen mit mehreren Fotografien dieser Orte. Sie schließt damit an die aktuelle Ausstellung des Fotoclubs Zizenhausen an, zu der sie auch ein Bild beigesteuert hat. „Das hat Frank Weigelt, dem Leiter der Volkshochschul-Geschäftsstelle, so gut gefallen, dass er mich gefragt hat, ob ich nicht eine eigene Ausstellung machen wolle“, erzählt sie. Der Vorsitzende des Fotoclubs habe sie in der Vorbereitung sehr unterstützt und ihr beim Ausdrucken der Bilder geholfen, fügt sie dankbar hinzu. Die Mitglieder, die die aktuellen Bilder abhängen, würden ihr beim Aufhängen ihrer Werke helfen.

Ulrike Burberg macht eine Ausstellung in der VHS Stockach.
Ulrike Burberg macht eine Ausstellung in der VHS Stockach. | Bild: Schäpke, Carola

Ulrike Burberg bleibt wissbegierig. „Es gibt noch viele Themen, die mich interessieren. Ich möchte mich besser mit dem Bildbearbeitungsprogramm auskennen. Ich möchte Effekte ausprobieren: Es gibt zum Beispiel einen Cinemagraph, das ist eine Kombination aus Video und Foto. Aus einem Video wird ein Standbild, in dem sich ein Teil des Motivs in einer Endlosschleife bewegt. Ich möchte aber in einem stehenden Bild einen Teil beweglich machen.“ Außerdem wolle sie mit alten Objektiven fotografieren. Diese könne man mit Hilfe von Adaptern an die moderne Kamera montieren. „Das gibt ganz spezielle Bilder, der Hintergrund ist ganz anders verschwommen. Dafür müsste ich mich extrem in die Technik einarbeiten – das wäre eine Herausforderung für die nächsten Jahre.“