Vielen Mitgliedern von Yachtclubs und Segelvereinen ist durch die Corona-Krise noch stärker bewusst geworden, welche Bedeutung ihre Leidenschaft für ihr Leben hat. Konnten sie in der angelaufenen Saison mit Einschränkungen bereits wieder ihrem Hobby nachgehen, sah das ein Jahr zuvor ganz anders aus: kompletter Stillstand in den Häfen und wenige Boote auf dem See bis weit in den Sommer hinein.

Dieser Einschnitt konnte das Gemeinschaftsgefühl jedoch nicht trüben, wie die Aussagen von Vertretern der Yachtclubs Ludwigshafen Bodensee und Stockach zeigen. Denn trotz schwieriger Rahmenbedingungen herrsche eine große Bereitschaft zu Arbeitseinsätzen, erzählen sie.

Laut Pressewart Thomas Meier vom Yachtclub Stockach bedürfe sowohl das sensible Hafengelände als auch der Zufahrtsweg zum Hafen kontinuierlicher Pflege. Unter Beachtung der Abstandsregeln, Gruppengröße und Haushaltszugehörigkeit seien jeweils von Familiengruppen tageweise die verschiedensten Arbeiten durchgeführt worden. Dazu gehörte beispielsweise, nach der Baumpflege Äste zu zerkleinern und mit dem Laub in einen Container zu geben.

Beim Yachtclub Stockach wurden nach der Baumpflege zerkleinerte Äste und Laub in einen Container gefüllt. Diese Arbeit erfolgte tageweise in Familiengruppen.
Beim Yachtclub Stockach wurden nach der Baumpflege zerkleinerte Äste und Laub in einen Container gefüllt. Diese Arbeit erfolgte tageweise in Familiengruppen. | Bild: Yachtclub Stockach

Natürliche Weidezäune müssten in Form gehalten, naturbelassenes Buschwerk insbesondere um die Pfähle herum gepflegt werden. Wildrosen und Sommerflieder müssten zurückgeschnitten und die genehmigte Zufahrt zum Hafen, gleichzeitig ein öffentlicher Spazierweg, müsse nach Müll abgesucht werden. Selbstverständlich benötige auch ein Hafen mit seinen technischen Einrichtungen stetige Pflege. So müssten Stege gereinigt und morsche Bretter ersetzt, Sicherheitseinrichtungen ausgebracht und instandgesetzt, Schaukästen und Hinweistafeln aktualisiert und gereinigt und auch Sandkastensand erneuert werden.

Wahlbeteiligung von 75 Prozent der Mitglieder

Auch das sonst so vertraute Vereinsleben wurde über den Haufen geworfen. Die Mitgliederversammlung sowie sämtliche gemeinsamen Veranstaltungen oder Arbeitseinsätze wurden 2020 abgesagt. Vorstandssitzungen wurden und werden per Videokonferenzen abgehalten. Die Abstimmung untereinander per E-Mail erfordere allerdings einen hohen organisatorischen Aufwand, sagt Thomas Meier. Bei den kürzlichen schriftlichen Wahlen samt Entlastung des Vorstands habe es eine Wahlbeteiligung von über 75 Prozent aller Mitglieder gegeben. Diese bestätigten die Arbeit des Vorstands für 2019 und 2020 ohne Gegenstimmen.

Der Vorsitzende des Yachtclubs Stockach, Peter Rodemann, interpretiert dieses Ergebnis so: „Dies zusammen mit den unzähligen ehrenamtlichen Arbeitsstunden aller Mitglieder während der letzten 15 Monate ist ein klares Zeichen und ein deutlicher Ausdruck der Identifikation und Solidarität der Mitglieder mit dem Yacht-club Stockach.“ Thomas Meier beschreibt die Gesamtstimmung als optimistisch. Er vermutet, das Vereinsleben werde nach Lockerung der Corona-Maßnahmen sicherlich schnell wieder Fahrt aufnehmen. Es würde ihn nicht überraschen, wenn es sogar noch an Intensität gewänne. Es sei einiges aufzuholen und das Miteinander nach der Krise werde vielleicht sogar noch mehr wertgeschätzt.

Zweiergruppen sind an etlichen Wochenenden im Einsatz

Auch im Yachtclub Ludwigshafen Bodensee, mit einer Gesamtfläche von 6000 Quadratmetern, gebe es genug zu tun, beschreiben Präsident Andreas Rietschel und Hafenmeister Wolfgang Tauschel. Es müssten die Rasenflächen gepflegt und die Steganlagen repariert und jetzt wieder in Betrieb genommen werden. Man müsse sich um die Sanitäranlagen und die Fäkalienentsorgung kümmern, müsse den Takelmast kontrollieren und schmieren, das Jugendboot richten, Parkplatzmarkierungen erneuern und vieles mehr.

Die Steganlage im Hafen des Yachtclubs Ludwigshafen Bodensee.
Die Steganlage im Hafen des Yachtclubs Ludwigshafen Bodensee. | Bild: Wolfgang Tauschel

Eine Mammutaufgabe, die sonst mit 20 bis 30 Personen erledigt wird, war die Erneuerung der Wellenbrecher am Hafeneingang. „Nach 20 Jahren im Gebrauch war nun allerdings Gefahr in Verzug und darum war die Erneuerung mal dran“, erzählt Andreas Rietschel, der dann beschreibt, wie die Arbeiten diesmal vor sich gingen – immer in Zweiergruppen an etlichen Wochenenden.

„Normalerweise“, erklärt Wolfgang Tauschel, „finden zwei Arbeitseinsätze im Jahr statt mit bis zu 80 Leuten. Aber seit Corona wird immer in Zweiergruppen gearbeitet, was sehr zeitaufwendig ist.“ Organisiert werde das mit einer Liste im Internet. Im Übrigen, so sagt er, habe er noch nie zuvor so viele Nachfragen gehabt, wo die Leute helfen könnten, wofür er dankbar sei. Die Vereinsmitglieder seien hochmotiviert und ließen sich sogar für Aufgaben eintragen, die sie gar nicht beherrschten.

Präsident Rietschel appelliert an Rücksichtnahme

Für das Zwischenmenschliche am Vereinsleben hätten die Kleingruppen-Einsätze leider nichts gebracht. Aber mit den Öffnungen werde ja alles besser, sagt Rietschel und fügt hinzu: „Was ich schlimm finde, ist, dass die Menschen immer alles ausreizen bis zum Geht-nicht-mehr. Wenn jedermann mitdenken und Rücksicht auf die anderen nehmen würde, dann wären wir hinsichtlich Corona schon viel weiter.“

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