Bahnfahrgäste sollen schon im Frühjahr mit Zügen auf der Ablachtalbahn fahren können – wenn auch zunächst nur im touristischen Betrieb an Wochenenden. Doch dafür sollen schon bald die ersten sichtbaren Arbeiten auf und an der Strecke erledigt werden, wie der Förderverein Ablachtalbahn bei einem Pressegespräch mitteilte.

So wollen die Vereinsmitglieder die Strecke im Januar und Februar auf Vordermann bringen, erklärt Severin Rommeler, Vorsitzender des Fördervereins, bei dem Gespräch. Das bedeutet: Sträucher und Grünzeug wegschneiden oder Schilder frisch herausputzen. Frank von Meißner, ehemals Betriebsleiter des Seehas‘ zwischen Engen und Konstanz und inzwischen Betriebsleiter der Räuberbahn von Altshausen nach Pfullendorf, werde diese Aktionen leiten, so Rommeler.

Pressegespräch in Corona-Zeiten (von oben links): SÜDKURIER-Redakteur Stephan Freißmann, Johannes Kretschmann (Grüne, Kreistag Sigmaringen), Severin Rommeler (Vorsitzender Förderverein Ablachtalbahn), Udo Engelhardt (Beisitzer im Verein), Arne Zwick (Bürgermeister von Meßkirch und Mitglied im Verein).
Pressegespräch in Corona-Zeiten (von oben links): SÜDKURIER-Redakteur Stephan Freißmann, Johannes Kretschmann (Grüne, Kreistag Sigmaringen), Severin Rommeler (Vorsitzender Förderverein Ablachtalbahn), Udo Engelhardt (Beisitzer im Verein), Arne Zwick (Bürgermeister von Meßkirch und Mitglied im Verein). | Bild: Freißmann, Stephan

Außerdem kündigt Arne Zwick, Meßkircher Bürgermeister und ebenfalls Mitglied im Verein, einige Bauarbeiten an, die von Fachfirmen erledigt werden. So sollen die Bahnübergänge in Stand gesetzt und Biberschäden beseitigt werden. Auch Anwohner der Strecke in Mühlingen und Stockach samt seinen nördlichen Ortsteilen könnten also demnächst Veränderungen an den Bahngleisen sehen.

Zwick tritt dabei gleichzeitig als Bauherr auf, denn die Stadt Meßkirch und die Gemeinde Sauldorf haben die Strecke von ihrem früheren Eigentümer, der Ablachtalbahn GmbH, für einen symbolischen Euro gekauft. Der Vertrag sei inzwischen unterschrieben, so Zwick nun, die Bahnlinie werde zum Januar Eigentum der beiden Kommunen.

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Das Land hat bereits signalisiert, die Züge für den Ausflugsverkehr zu bestellen. Und für Arne Zwick wie für den Verein ist dieser Verkehr wichtig, damit die Strecke regelmäßig genutzt wird und in Schuss bleibt – genau für diesen Zweck wurde der Verein gegründet, wie der Satzung zu entnehmen ist. Doch die Sache soll nach dem Willen der Mitglieder viel weiter gehen. Denn das Land hat in einer Potentialanalyse von 42 Strecken, die landesweit widerbelebt werden könnten, festgehalten, dass etwa 800 Personen täglich auf der Ablachtalbahn fahren könnten. Damit wurde sie bei den Strecken mit hohem Fahrgastaufkommen einsortiert, was bedeutet, dass das Land auch einen Stundentakt finanzieren würde.

Die Ausgangslage zu der Bahnstrecke ist unübersichtlich

Voraussetzung dafür ist indes eine Machbarkeitsstudie, die nun parallel in Auftrag gegeben werden soll, wie Udo Engelhardt, Beisitzer im Verein, bei dem Pressegespräch erklärte. Eine solche Studie soll überprüfen, unter welchen Bedingungen der reguläre Bahnverkehr aufgenommen werden kann. Daran beteiligt sich die Gemeinde Mühlingen laut Ratsbeschluss vom November mit bis zu 2500 Euro. Das Land fördert diese Studien mit 75 Prozent.

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Die kommunalpolitische Gemengelage ist dennoch unübersichtlich. Während der Mühlinger Gemeinderat eine vorsichtige Beteiligung beschlossen hat (siehe Text unten), ist der Stand in Stockach, dass Stadt und Gemeinderat die Initiative des Landes zur Wiederbelebung zwar begrüßen. Trotz aller Förderaussichten sehe man Kauf und Betrieb einer Bahnstrecke aber nicht als kommunale Aufgabe – eine Haltung, die zuletzt auch Zeno Danner, Konstanzer Landrat, vertreten hat.

„Die Bahn könnte eines Tages durch Stockach fahren, ohne dass die Stadt mitgeredet hat.“ Udo Engelhardt, Stockach, Beisitzer im Förderverein Ablachtalbahn
„Die Bahn könnte eines Tages durch Stockach fahren, ohne dass die Stadt mitgeredet hat.“ Udo Engelhardt, Stockach, Beisitzer im Förderverein Ablachtalbahn | Bild: SK

Stockachs Bürgermeister Rainer Stolz bekräftigte diese Einstellung auf Nachfrage. Seine Prognose: Der ländliche Raum werde verlieren, weil parallele Busverkehre eingestellt werden. Stattdessen müssten die Gemeinden auf eigene Rechnung Busse zu den Bahnhöfen fahren lassen, was niemand nutzen werde. Sein Appell lautet, alle Konsequenzen einer Wiederbelebung zu bedenken. Und was im Stockacher Gemeinderat ebenfalls anklang: Erst müssten die Autos aus der Stadt weg, etwa per Umgehungsstraße, dann könne man sich über eine Bahnlinie unterhalten. Denn sonst würden sich Autos an Bahnübergängen stauen.

Diese Haltung kann man beim Förderverein nicht nachvollziehen. „Wir vermissen bei den Diskussionen die Idee, dass die Stadt etwas damit zu tun haben könnte“, sagt Udo Engelhardt, der in Stockach lebt. Öffentlichkeit und kommunale Gremien im Kreis Konstanz wüssten zu wenig über die Ablachtalbahn. Der Verein wolle daher auch Informationsangebote für die Gremien machen. Engelhardt sagt: „Die Bahn könnte eines Tages durch Stockach fahren, ohne dass die Stadt mitgeredet hat.“ Arne Zwick weist auf die Chancen hin, die ein Anschluss nach Norden bringen würde. So gebe es viele Menschen, die von Meßkirch aus nach Radolfzell oder Singen fahren würden. Diese könnten dann die Bahn nutzen, die Autos wären weg von der Straße.

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Und Johannes Kretschmann, der schon 2016 die Wiederbelebung der Strecke im Sigmaringer Kreistag zur Sprache brachte, sagt, Bahnübergänge würden für Verkehrsprobleme kaum eine Rolle spielen. Der Förderverein hofft nun auf die Kreistage. Eine Umgehung der Dienstwege über den familiären Kontakt zu seinem Vater, Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), sei im Übrigen nicht nötig, so Johannes Kretschmann – und auch nicht beabsichtigt. Das Thema sei hoch genug platziert. Die Ablachtalbahn sei für seinen Vater allerdings sehr konkret, der Ministerpräsident gehe regelmäßig in der Region wandern.