Auf das Krankenhaus Stockach kommen einige Änderungen zu. Diese werden sowohl nach außen mit einem Anbau und einem medizinischen Versorgungszentrum, als auch nach innen mit der Digitalisierung der gesamten Dokumentation wirken. Michael Hanke, Geschäftsführer des Krankenhauses Stockach, spricht über die Projekte der nächsten Monate und die Erleichterungen, die sie bringen werden.

Nach Dreikönig erfolgt der Spatenstich für den Anbau. Laut Hanke haben die Architekten die Bauzeit mit 14 Monaten taxiert. Ende Februar 2022 würde das Krankenhaus dort gerne direkt in Betrieb gehen. Durch den Anbau kommen keine Betten zu den 55 vorhandenen hinzu, sondern die neuen Zimmer ersetzen Mehrbettzimmer.

Wo auf dem Bild die sechs Autos stehen, liefen bis vor Kurzem im Boden die Vorbereitungen für den neuen Bettentrakt des Krankenhauses, der bald gebaut wird.
Wo auf dem Bild die sechs Autos stehen, liefen bis vor Kurzem im Boden die Vorbereitungen für den neuen Bettentrakt des Krankenhauses, der bald gebaut wird. | Bild: Löffler, Ramona

Patientenakten werden digital

Die Digitalisierung im Haus wird für alle Beteiligten eine große Unterstützung bringen. „Wir stecken mitten in den Vorbereitungen“, so Hanke. Natürlich könne nicht alles sofort umgestellt werden, die Änderung erfolge in mehreren Schritten. Zunächst werde ein neues Krankenhaus-Informationssystem eingeführt. „Es ist unser Ziel, dass wir 2021 unsere Dokumentation nicht mehr in Papierakten machen, sondern dezentral am Patientenbett digital im Laptop oder iPad dokumentieren.“

Diese Daten seien dann für alle an der Behandlung Beteiligten überall verfügbar. Die Vorteile sind klar: „Wir gewinnen viel Zeit, die Daten sind lesbar und keine Krankenakte kann mehr verloren gehen.“ Alle Mitarbeiter des Krankenhauses werden jetzt in das neue System eingewiesen.

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Erleichterung und Sicherheit bei Medikamenten

Geplant ist auch die Einführung eines Medikamentenprogramms. Michael Hanke erklärt, was das Programm leistet: „Es prüft automatisch alle vom Arzt verordneten Arzneimittel auf Kontraindikationen und Unverträglichkeiten.“ Er freue sich, wenn das Krankenhaus diese Möglichkeit unterstützend mit übernehme.

Das Krankenhaus Stockach
Das Krankenhaus Stockach | Bild: Löffler, Ramona

Die vom Gesetzgeber gewollte und vom Bund geförderte Telematik-Infrastruktur solle Ärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Apotheken und Krankenkassen im Rahmen der digitalen Gesundheitsanwendung miteinander vernetzen, erläutert Hanke. So seien medizinische Informationen, die für die Behandlung der Patienten benötigt werden, schneller und einfacher verfügbar. „Wir sind dann in der Lage, Kartendaten auszulesen und wieder zu beschreiben. Medikamente, die wir hier verordnen, werden auf der Krankenkassenkarte gespeichert, sodass der Hausarzt diese Informationen auch elektronisch bekommt.“

Auch Impfpassinformationen könnten elektronisch ausgetauscht werden. Hanke betont, die Digitalisierung sei nicht nur teuer im Bereich der Investitionskosten – er nennt 800.000 Euro für neue Infrastruktur. Auch die laufenden Betriebskosten erhöhten sich wegen des höheren Funktionsumfangs deutlich.

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Ein überfälliger Schritt

Dennoch ist er davon überzeugt, dass die Digitalisierung ein längst überfälliger Schritt ist. „Sie entlastet alle Bereiche, hilft beim Entlass-Management und bei der Rehabilitation.“ Beispielsweise könne ein Reha-Auftrag schon digital verschickt werden, wenn ein Patient aufgenommen werde, der eine neue Hüfte oder ein neues Knie bekomme.

„Wir hätten damit deutlich mehr Vorlauf und eine deutlich schnellere Anschlussversorgung. Es wird wohl bis Ende 2021 gehen, bis der Stand erreicht ist, dass wir sagen, das ist jetzt zukunftsfähig.“

Bald kommt auch ein Medizinisches Versorgungszentrum

Und Hanke hat noch ein Ass im Ärmel: „Wir werden im Laufe des nächsten Jahres ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) einrichten.“ Mit dem MVZ im Ärztehaus direkt nebenan kann das Krankenhaus wie ein niedergelassener Arzt tätig werden und einen Kassensitz haben. Patienten können nach ihrem stationären Aufenthalt dort ambulant weiterversorgt werden.

„Ein MVZ ist sehr hilfreich in der Verzahnung von ambulanten und stationären Leistungserbringungen“, sagt Hanke. Der Gesetzgeber wolle, dass ambulant und stationär tätige Ärzte mehr zusammenarbeiten, sich abstimmen und klären, wer welche Untersuchungen macht. Dadurch könnten unnötige Doppeluntersuchungen vermieden werden.

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