Die Türen sind wieder zu und die Enttäuschung ist groß: Die Friseursalons gehören zu den Einrichtungen, die jetzt im Lockdown wieder schließen mussten, obwohl sie mit verschiedenen Hygienekonzepten reagiert haben, um ihre Kunden so sicher wie möglich bedienen zu können.

„Doch beim Lockdown nützt das beste Hygienekonzept nichts. Schließen muss man jetzt trotzdem“, sagt Mandy Harms, die Inhaberin des Friseursalons „Hairs and More“ in der Stockacher Oberstadt.

„Das Weihnachtsgeschäft gemopst“

Mandy Harms hatte extra an einem Onlineseminar für Hygiene in Friseurbetrieben teilgenommen und arbeitet in ihrem Salon mit einem zertifizierten Hygienekonzept. „Mit diesem Konzept werden mögliche Infektionsketten unterbrochen. Im Falle, dass jemand im Laden gewesen wäre, der nachweislich Corona hat, müsste dann nicht geschlossen werden“, erklärt Mandy Harms.

Zu dem besonderen Konzept zählen neben schriftlicher Anmeldung beim Eintreffen auch, dass die Kundenumhänge nur immer jeweils einmal benutzt werden, dass es nummerierte Wasch- und Sitzplätze gibt (so dass eine hundertprozentige Nachverfolgung gegeben ist), dass jede Friseurin mit ihrer eigenen Desinfektionsflasche arbeitet und ihren eigenen Arbeitsbereich hat, der nicht getauscht wird, sowie das regelmäßige und häufige Putzen und Desinfizieren.

Mandy Harms, Inhaberin des Salons „Hairs and More“, zeigt mit ihrer Mitarbeiterin Sabine Mamaliga, was es bedeutet, 1,5 Meter Abstand zu halten
Mandy Harms, Inhaberin des Salons „Hairs and More“, zeigt mit ihrer Mitarbeiterin Sabine Mamaliga, was es bedeutet, 1,5 Meter Abstand zu halten | Bild: Constanze Wyneken

Den Sommer und Herbst über, so erzählt sie, konnte man deutlich spüren, dass die Kunden „sehr verhalten“ seien und sich nicht so recht trauten zu kommen. Sie sei darum froh um jeden Kunden gewesen, um sich aus dem im Frühjahr entstandenen Defizit wieder herauszuarbeiten. Nun kam der neue Lockdown, was Mandy Harms furchtbar findet: „Die haben uns das Weihnachtsgeschäft gemopst“, sagt sie, und: „Ich hoffe, dass wir alle durchhalten.“

Nur ein Kunde pro Raum

Auch Friseur Frank Rabener hatte sich mit seinem Salon in Hindelwangen ganz auf die angeordneten Vorgaben und Richtlinien eingestellt: In drei Räumen werden dort die Kunden bedient, allerdings immer nur ein Kunde gleichzeitig pro Raum. Selbst im Warteraum hält sich immer nur eine Person auf.

Zeitlich sind die Kundenbesuche so getaktet, dass sich die Leute nicht begegnen – was zwar mehr Arbeitsstunden bedeute, aber dafür könne man entspannter arbeiten und habe weniger Stress, sagt Frank Rabener. Er habe sich gut an das Arbeiten mit den Vorgaben gewöhnt, sagt er, auch an die, um die Maske am Kunden herumzuschneiden.

Kunden haben keine Bedenken

Kundin Sabrina Vehabovic sagt: „Ich habe keine Bedenken, zum Friseur zu gehen. Beim Friseurbesuch fühle ich mich wohl, es ist ein Stück Normalität.“ Und auch Kunde David Schuler sagt: „Zum Friseur zu gehen, ist was Essentielles, das muss man ja machen. Aber wenn alles mit Bedacht gemacht wird, dann gibt es auch keine Infektion.“ Was Frank Rabener besonders freut, ist, dass die Kunden viel großzügiger geworden seien, auch mit dem Trinkgeld.

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In weiser Voraussicht hatte Rabener schon vor einiger Zeit die Betriebsferien des Salons auf die zwei Wochen nach Weihnachten terminiert, so dass ein drohender harter Lockdown nicht so beängstigend gewesen sei. Nun trat der Fall ein, was er aber relativ gelassen hinnimmt: „Wir kommen gut über die Runden“, sagt er. Wenn es nötig sei, dass alle wieder zumachen, dann sei das wohl so, obgleich er Friseursalons, die die Hygiene- und Abstandsregeln einhalten, nicht als Hotspots sehe.

„Wirtschaftliche Totalkatastrophe„

Diese Meinung teilt auch Anja Thierolf, Inhaberin der „Fönbar“ in Ludwigshafen. Sie halte Friseursalons nicht für Hotspots, sondern vor allem die nächtliche Events, die – so sagt sie – manche ignorante Leute trotz aller Verbote veranstalteten. Insofern seien ihrer Meinung nach harter Lockdown und Ausgangsbeschränkungen sinnvoll, es bedeute allerdings für ihren Salon eine „wirtschaftliche Totalkatastrophe„. Denn gerade die zwei Wochen vor Weihnachten seien die umsatzstärksten Wochen im ganzen Jahr.

Für Anja Thierolf von der „Fönbar“ in Ludwigshafen bedeutet der erneute Lockdown eine „wirtschaftliche Totalkatastrophe“.
Für Anja Thierolf von der „Fönbar“ in Ludwigshafen bedeutet der erneute Lockdown eine „wirtschaftliche Totalkatastrophe“. | Bild: Constanze Wyneken

„Das Jahr war eine Herausforderung, nachdem ich mich nach dem ersten Lockdown im Frühjahr wieder berappelt hatte“, erzählt Anja Thierolf, die in ihrem Salon ein ausgefeiltes und strenges Hygienekonzept verfolgt. „Ich glaube, dass wir das überstehen und schaffen können, wenn sich alle etwas zusammenreißen. Aber es muss ein Ruck durch die Menschheit gehen.“

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