Vereine haben es in Zeiten der Corona-Pandemie alles andere als einfach. Größere Treffen, die den Gruppenzusammenhalt stärken, waren während der Lockdowns nicht möglich, Festlichkeiten fielen aus.

Auch Wandervereine hatten und haben mit dieser Problematik zu kämpfen. Der SÜDKURIER hat beim Schwarzwaldverein Stockach nach gefragt, wie er durch die Pandemie gekommen ist, und bekam erstaunliche Antworten.

Der soziale Kontakt hat gefehlt

Natürlich, so formuliert es der Vorstandsvorsitzende Manfred Kehlert, fehlte während der Lockdowns der soziale Kontakt mit den anderen Mitgliedern. Einsam habe man sich oft gefühlt, beschreibt er und erzählt dann davon, dass etliche Mitglieder beim Jahresrückblicktreffen im Februar hatten weinen müssen.

Allerdings, und das hebt Kehlert besonders hervor, habe Corona keinerlei personelle Einbußen für den Verein gebracht. Sprich: Es seien zwar aktuell keine neuen Mitglieder hinzugekommen, es sei aber auch niemand abgewandert. Dies mag daran liegen, dass es innerhalb des Vereins keine Rivalitäten gebe, keinen Zoff, wie Isolde Hauch es bezeichnet.

Zusammenhalt trotz Abstand

Sie ist ebenfalls im Vereinsvorstand und sagt: „Für uns im Verein und auch in der Vorstandschaft sind gegenseitige Rücksichtnahme und Freundschaft sehr wichtig.“ Außerdem habe man sich während der Lockdowns umeinander sehr gekümmert.

Man sei stets telefonisch oder per E-Mail miteinander in Kontakt geblieben. Auch, um Einkaufsfahrten für Menschen, die krank oder in Quarantäne waren, zu organisieren. Dies habe großartig geklappt, sagt Hauch.

Es entstanden kleinere Gruppen

Nach der ersten Welle in 2020 habe man einen Versuch gestartet, ein paar Wanderungen zu unternehmen, es hätten aber viele Veranstaltungen ausfallen müssen. Bis zu diesem Jahr, wo man sich nach der 3G-Regelung wieder treffen und gemeinsam wandern könne.

Manfred Kehlert erzählt davon, dass während des letzten Jahres etliche kleinere Gruppen entstanden seien, die sich getroffen hätten, um miteinander draußen etwas zu unternehmen – zu wandern oder auch Fahrrad zu fahren. Beispielsweise hätten etliche Mitglieder beim Stadtradeln teilgenommen, bei welchem der Schwarzwaldverein Stockach im Jahr 2020 sogar den ersten Platz belegt hatte.

Erster großer Ausflug nach anderthalb Jahren

Auch dies habe den Zusammenhalt untereinander gefestigt. Den ersten großen Ausflug hatte es dann im August dieses Jahres gegeben, nach Bregenz zur Backstageführung auf dem Seebühnenbild von Rigoletto. Es sind mittlerweile alle Vereinsmitglieder doppelt geimpft, so kann man sorglos miteinander sein, sagt Kehlert.

Im Übrigen habe man im Jahr 2020 das Vereinsheim in Stockach renoviert, in dem problemlos bis zu 60 Personen zu Treffen oder Feiern zusammen kommen können. Diese Renovierungsaktion sei aufgrund des guten Zusammenhalts der Vereinsmitglieder gar kein Problem gewesen.

Trotz Lockdown viel getan

„Und wir freuen uns so, dass wir dieses Vereinsheim haben“, sagt Juliane Kehlert, die auch Wanderführerin ist. Sie weiß, dass es viele Vereine gibt, die kein eigenes Vereinsheim haben. Außerdem kümmere sich der Verein um Wanderwege um Stockach herum.

Hiervon profitiere auch die Stadt Stockach: Die neun Wanderwege, die in den letzten Jahren auf der Internetseite der Stadt veröffentlicht wurden, verlaufen zu einem großen Teil auf Wegen, die vom Schwarzwaldverein gepflegt würden. Diese Pflege habe natürlich auch während der Lockdowns weiterhin stattgefunden.

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Nicht zuletzt dank des unermüdlichen Einsatzes von Werner Brandhöfer, der als Geschäftsführer gemeinsam mit seiner Frau Ottilie Brandhöfer den Verein „durch dick und dünn“ getragen habe, betont Manfred Kehlert.

Auf der Suche nach jungen Mitgliedern

Die Mitglieder des Schwarzwaldvereins Stockach haben derzeit ein Durchschnittsalter von etwa 73 Jahren. Trotz dieses hohen Altersdurchschnitts zeichnet alle Mitglieder eine große Bereitschaft zur Aktivität aus, sagt Manfred Kehlert.

Wanderziele gebe es für jeden Schwierigkeitsgrad, man könne sich bei den Touren darauf verlassen, dass man nicht vor zu große Herausforderungen gestellt würde. Die Wanderführer, erklärt Juliane Kehlert, würden vor jeder Wanderung die Wege ablaufen und auch immer noch etwas Besonderes auf den Wanderungen präsentieren.

„Das macht den Reiz aus“, sagt Isolde Hauch, „denn man lernt immer wieder Dinge und Orte in der Region kennen, die man vorher nicht kannte.“