Kochen, waschen, pflegen, reinigen – dies alles sind wichtige Tätigkeiten in der Hauswirtschaft, die eine wichtige Säule in der Betreuung und Versorgung von Menschen ist, jung oder alt, gesund oder krank. Das war schon vor Beginn der Corona-Pandemie so: In Schulen, Kitas, Tagungsstätten, in sozialen Einrichtungen wie Seniorenheimen oder Behinderteneinrichtungen, in Privathaushalten oder in landwirtschaftlichen Betrieben – ohne Hauswirtschaft läuft nichts. Gute Hauswirtschaft will allerdings gelernt sein. Und so gibt es unter anderem den Ausbildungsberuf Fachkraft für Hauswirtschaft.

In der Regel gehöre zur Ausbildung neben dem Theorieteil auch viel Praxis, erklärt die Leiterin der Schule für Hauswirtschaft in Stockach, Hildegard Schwarz. Dass im Praxisteil allerdings in Corona-Zeiten Abstriche gemacht werden mussten, haben 16 junge Frauen, die nun ihren Abschluss als Fachkraft in Hauswirtschaft in Stockach gemacht haben, in den vergangenen Monaten erlebt.

Soziale Arbeit mit und für Menschen

Mit ganz unterschiedlichen Motivationen hatten die Absolventinnen im Herbst 2019 ihre Ausbildung zur Fachkraft für Hauswirtschaft begonnen. Sandra Hättich aus Gottmadingen wollte ihren Kindern ein Vorbild darin sein, dass man schaffen kann, was man wirklich will. Schon während ihrer Ausbildung wurde sie von ihrer vorherigen Stelle als Küchenhelferin in einem Pflegeheim zur Köchin befördert.

Sie erzählt: „Das war schon eine Hammeraufgabe: Lernen auf der Arbeit, die Kinder zuhause im Home-Schooling. Alles gleichzeitig zu schaffen, war gar nicht so einfach. Aber die Gehaltserhöhung und die Wertschätzung vom Chef waren definitiv ein Ansporn.“ Sie habe schon immer mit Menschen arbeiten wollen, sagt Sandra Hättich.

Verständnis für die Kinder im Homeschooling

Während der Ausbildung gab es Corona-bedingt, neben dem Präsenzunterricht, auch einige Monate mit Online-Unterricht und praktischen Hausaufgaben. Dorothea Denz aus Königsheim, eine der Absolventinnen, erzählt: „Vom Stofflichen her ist der Unterricht mir leicht gefallen, weil ich Vieles aus meinem landwirtschaftlichen Alltag schon kannte. Ich fand es aber sehr anstrengend und mühsam, den ganzen Tag vor dem Monitor zu sitzen. Das war schon eine besondere Herausforderung, die mich sehr schlauchte. Aber ich kann mich jetzt besser in meine Kinder hineinfühlen, wenn sie täglich Home-Schooling haben.“

Zuerst habe sie die Ausbildung gemacht, um im Alltag auf dem Hof alles besser organisieren zu können, sagt Dorothea Denz. Nun aber hängt sie an die Ausbildung als Fachkraft für Hauswirtschaft noch die sechsmonatige Ausbildung zur Hauswirtschafterin an und will sich vielleicht selbst eine kleine Direktvermarktung ihrer Hofprodukte aufbauen.

Auch in Krankenhäusern wird der Beruf wichtiger

Auch Sabine Wagner, eine Absolventin aus Singen, fand den Online-Unterricht anstrengend, ist aber beeindruckt, dass er, dank des Einsatzes der Lehrkräfte, so gut funktioniert habe. „Mir hat aber dabei das Zwischenmenschliche gefehlt“, sagt sie, „wenn wir dann mal als Klasse, natürlich unter Einhaltung aller Regeln, gemeinsam kochten und nähten – das machte mir sehr viel Spaß.“ Sabine Wagner arbeitet jetzt mit und für Menschen – in einem Unverpackt-Laden in Singen.

Sie berichtet: „Man denkt immer, Hauswirtschaft mache sich von alleine. Aber in wie viele Bereiche sie hineinragt, ist erstaunlich. Ich habe in der Ausbildung viel in Verbraucherkunde gelernt und ein Bewusstsein dafür entwickelt, welchen Wert Dinge haben. Auch Hygiene und Lagerhaltung waren Bestandteil der Ausbildung. Das Wissen kann ich jetzt im Laden sehr gut anbringen.“

Systemrelevante Bereiche

Alle Absolventinnen erzählen, dass ihnen während ihrer Ausbildung klar geworden sei, welche Bedeutung ihr Beruf in unserem Land hat. In einer immer älter werdenden Gesellschaft und vor allem in Zeiten einer Pandemie ist das, was den Beruf der Hauswirtschafterin am besten umschreibt und für Viele, Frauen wie Männer, interessant machen dürfte, der Begriff der Systemrelevanz. Die Hauswirtschaft ist zu einer unverzichtbaren Dienstleistung am und für Menschen geworden, ohne die auch das Gesundheitswesen nicht funktioniert.

Infos über die Ausbildung:
www.konstanz.landwirtschaft-bw.de