Die ersten mindestens zehn Exemplare der in südlichen Gefilden unseres Landes beheimateten Gelbbauchunken sind in den zwei neu angelegten Unkentümpeln des Umweltzentrums Stockach eingetroffen. Und auch wenn das Wort „Unken“ laut Duden bedeutet, aus einer pessimistischen Haltung oder Einstellung heraus etwas Schlechtes oder gar ein Unheil vorauszusagen, so sind Unken in diesem Fall einfach mal eine gute Nachricht.

Umweltzentrum und Sielmann-Stiftung haben den Hoppiweiher 2017 angelegt

Die Tümpel liegen unweit des „Hoppiweihers“, einem nährstoffarmen Kalkgewässer, das im April 2017 durch das Umweltzentrum Stockach und die Heinz-Sielmann-Stiftung östlich von Stockach-Hoppetenzell angelegt wurde, und vor allem Amphibien, Libellen und Vögeln einen neuen Lebensraum bietet. Derzeit wachsen im Hoppiweiher beispielsweise auch die Kaulquappen von Gras- und Grünfröschen heran. Das Land Baden-Württemberg hat die Fläche, auf der Weiher und Tümpel liegen, für das Naturschutzprojekt zur Verfügung gestellt. Mittlerweile haben sich so etliche Pflanzen- und Tierarten dort angesiedelt – nun auch die Gelbbauchunken.

Ob sich eine Gelbbauchunke beim Küssen wohl in einen Prinzen verwandelt? Sabrina Molkenthin zweifelt noch...
Ob sich eine Gelbbauchunke beim Küssen wohl in einen Prinzen verwandelt? Sabrina Molkenthin zweifelt noch... | Bild: Constanze Wyneken

Diese sind Amphibien aus der Ordnung der Froschlurche, die typischerweise vegetationsarme Klein- und Kleinstgewässer, Wassergräben, Traktorspuren oder Pfützen mit lehmigem Grund bewohnen, die ganz neu entstanden sind. Die Unken sind eine „Pioniersart“, also die ersten Bewohner in dem jeweiligen Gewässer, da sie dort ihren Laich ablegen können, ohne dass dieser von Fressfeinden wie Fischen oder Libellenlarven oder konkurrierenden Arten bedroht wird.

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In Ermangelung von Fluss- oder Auenlandschaften findet man die Gelbbauchunken heute eher in Kiesgruben, Steinbrüchen oder auf Truppenübungsplätzen. Sie nehmen aber auch eigens für sie gegrabene Tümpel dankend an und besiedeln sie. Derartige Amphibienprojekte gibt es deutschlandweit an vielen Orten, beispielsweise organisiert vom NABU.

Stippvisite mit Fangsieb bei den Unkentümpeln nahe dem Hoppiweiher (von links): Charlie Schleuter, Michaela Schäfer, Sabrina Molkenthin und Svenja Schatz.
Stippvisite mit Fangsieb bei den Unkentümpeln nahe dem Hoppiweiher (von links): Charlie Schleuter, Michaela Schäfer, Sabrina Molkenthin und Svenja Schatz. | Bild: Constanze Wyneken

Wenige Tage vor dem Erlass der Corona-Beschränkungen haben Schüler der Chemie-AG aus der neunten Klasse der Waldorfschule Wahlwies zusammen mit ihrer Lehrerin Michaela Schäfer und Charlie Schleuter sowie Sabrina Molkenthin vom Stockacher Umweltzentrum zwei Unkentümpel gegraben, die sich stetig mit Wasser aus dem benachbarten Hoppiweiher füllten. Die Idee zum Helfen bei der Tümpelaktion kam auf, nachdem das Umweltzentrum Stockach an den drei „autofreien Tagen“ in der Freien Waldorfschule Wahlwies im Juli 2019 mit einem Infostand für seine Arbeit warb.

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Gelbbauchunke gilt als stark gefährdet

„Als streng zu schützende Art wird die Gelbbauchunke auf der Roten Liste in der Kategorie zwei geführt – gilt also als stark gefährdet“, berichtet Sabrina Molkenthin, die sich sichtlich freut, dass die Unken so schnell von selbst zu ihrem neuen Habitat gewandert sind und sich bei ihrer Tümpelvisite am vergangenen Freitagabend den Besuchern Michaela Schäfer, Charlie Schleuter, Sabrina Molkenthin und Umweltzentrums-Praktikantin Svenja Schatz auch relativ freiwillig zeigten.

Das begehrte Foto-Modell Gelbbauchunke positioniert sich brav für die Tümpel-Paparazzi
Das begehrte Foto-Modell Gelbbauchunke positioniert sich brav für die Tümpel-Paparazzi | Bild: Constanze Wyneken

Wer die possierlichen Tierchen, die von oben in ihrem warzigen, grau-braunem Camouflage-Anzug kaum im lehmigen Tümpel auszumachen sind, entdeckt und Gelegenheit hat, diese näher zu betrachten, dem werden die entzückend-herzförmigen Pupillen und ein zitronengelber Bauch mit schwarzen Flecken, ähnlich dem Feuersalamander, präsentiert: die etwa vier bis fünf Zentimeter großen Tiere legen sich nämlich bei Bedrohung auf den Rücken oder gehen in eine Rückbeuge um ihre Unterseite zu demonstrieren. „Mit der gelben Farbe zeigen die Unken ihrem Angreifer, dass sie giftig sind und nicht lecker schmecken“, sagt Sabrina Molkenthin. Das Sekret der Unken reize die Schleimhäute.

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