Die Hänsele haben Venedig mitten nach Stockach geholt. Denn der traditionelle Hänseleball im Bürgerhaus Adler-Post hatte das Motto „Venezianische Nacht“ – dem machten die Besucher mit ihren bunten, fantasievollen Masken auch alle Ehre. Die meisten Besucher waren motto-getreu kostümiert, so dass tatsächlich viel venezianisches Flair in Stockachs Heiligen-Fasnet-Hallen Einzug hielt.

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Auch wenn man Venedig eher mit Karneval statt mit Fasnacht in Verbindung bringt, schienen die Stockacher Narren keine Berührungsängste zu dieser etwas anderen venezianischen Fasnet zu haben, die sich an italienischen Fürstehöfen zu aufwändigen Formen entwickelt hat. Hans-Kuony, der Stockacher Erznarr, hat ja bekanntlich auch an einem Fürstenhof gewirkt, aber die Entstehung der Stockemer Fasnet ist gänzlich anderer Art. Dass diese kulturellen Differenzen zwischen Karneval und Fasnacht in Stockach keine große Rolle spielen, zeigte sich an dem nicht enden wollenden Besucherstrom, der den Saal samt Empore komplett füllte.

Für venezianisches Flair sorgten auch diese drei Ratten, die laut eigener Aussage den Canale Grande unsicher machen.
Für venezianisches Flair sorgten auch diese drei Ratten, die laut eigener Aussage den Canale Grande unsicher machen. | Bild: Reinhold Buhl

Man traf auf dem Ball den berühmten venezianischen Casanova, ebenso wie die adlige Gräfin, die barocke Dame, Cassandra, die venezianische Verführerin sowie den Edelmann und den berühmten Harlekin. Sogar die Ratten vom Canale Grande besuchten zu dritt diesen Ball und sagten, sie seien die drei Piloten des letztjährigen Balles, die auf ihrer damaligen Reise abgestürzt und im Canale Grande gelandet seien.

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„Die Leute wünschen sich einen Ball und freuen sich, dort ihre fantasievollen Kostüme zeigen zu können“, erklärte Hänselemoschter Holger Langenberg, der sich bei der Maskenprämierung zusammen mit den Siegern freute. Er war der Meinung, dass sich die Kostümpflicht beim Hänseleball bewährt habe, denn dadurch würden auch nur echte Fasnachter zu der Veranstaltung kommen.

Bild: Reinhold Buhl

Passend zum Motto hatte ein mehrköpfiges Deko-Team den Adler-Post-Saal mit venezianischer Atmosphäre erfüllt. So schwebten überall die berühmten Tauben aus der Lagunenstadt und unzählige Paline – die rot-weiß gestreiften Gondelanlegerpfähle – schmückten Foyer und Saal. Doch der Hingucker war ohne Zweifel die an der Decke aufgehängte Gondel, auch wenn der Gondoliere im Hänslehäs seine Arbeit verrichtete und nicht im berühmten Ringelshirt mit Strohhut. Dieser Stilbruch war natürlich beabsichtigt, wie Holger Langenberg bestätigte.

Bild: Reinhold Buhl

Die Auftritte des bekannten Hänsele-Chors sowie des Hänselballetts standen ganz im Zeichen Venedigs. In Gondoliere-Gewändern sang der Hänselechor unter musikalischer Leitung von Walter Dix die berühmten Lieder „Zwei kleine Italiener“ sowie das „Chianti-Lied“. Als Zugabe schmetterten sie den Flippers-Hit „In Venedig ist Maskenball“. Chor und auch das Hänseleballett bekamen tosenden Beifall.

Das Ballett gab mit seinem Tanz, einstudiert von Manuela Elsner, nicht weniger als die Stockacher Antwort auf italienische Gigolos. Der Ball war wieder eine rundherum gelungene Veranstaltung, auch wenn der eine oder andere Ballbesucher Pizza und Spaghetti aus der Hänsele-Küche vermisste. Das tat jedoch der guten Stimmung, die von DJ Kaufe entsprechend angeheizt wurde, keinen Abbruch.