Leistungssport lebt vom Wettkampf – doch der ist derzeit Corona-bedingt nicht möglich. Ein regionales Sportereignis wird nun mit Hilfe des Internets und damit quasi weltweit stattfinden, nämlich der Überlinger Halbmarathon. Ein Starter aus der Region ist der Stockacher Extremläufer Benedikt Hoffmann. Bei dem virtuellen Lauf kann man überall auf der Welt seine Lieblingsstrecke zurücklegen. So läuft Eishockey-Star Dennis Seidenberg zum Beispiel vor den Toren von New York und Ex-Handball-Nationalspieler Markus Baur in Mimmenhausen. Hoffmann will hingegen die eigentliche Wettbewerbsstrecke in Überlingen laufen. Und: „Ich starte zur originalen Startzeit um 12 Uhr“, sagt er.

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Corona-bedingt müsse er dabei vorsichtig sein, sagt der 35 Jahre alte Gymnasiallehrer und Familienvater: „Wichtig ist, dass der Abstand zu den anderen Lauten stimmt, doch das geht beim Laufen ganz gut.“ Ein Mundschutz sei keine Pflicht. Und noch eine Besonderheit gibt es bei Hoffmanns Lauf: Der Überlinger Journalist Reiner Jäckle werde ihn auf dem Mountainbike begleiten, den Lauf filmen und live kommentieren. Das Ganze soll dann am Sonntag, 17. Mai, ab 12 Uhr als Livestream über das soziale Netzwerk Facebook zu sehen sein, erklärt Jäckle. Dieser Einsatz sei zustande gekommen, weil Markus Dufner, Organisator des Überlinger Halbmarathons, das Laufereignis virtuell abhalten wollte – obwohl der eigentliche Halbmarathon schon in den Oktober verschoben wurde (siehe Kasten). Dufner habe bei ihm angefragt, ob er das unterstützen wolle, erzählt Hoffmann – und schon war er dabei.

Fehlende Wettkämpfe sind ein Problem

Die Corona-bedingte Absage von Großveranstaltungen bis Ende August schlägt auch dem Läufer aufs Gemüt: „Natürlich kann ich trainieren, aber die Wettkämpfe fallen weg.“ Und dann stelle sich die Frage: Wofür trainiert man eigentlich? „Das ist schon schwierig.“ Denn es sei nicht einfach, das Training auf die Wettbewerbe auszurichten, wenn man nicht wisse, wann diese wieder losgehen. Beim virtuellen Wettstreit sei die Vergleichbarkeit ein schwieriges Thema. Beim Fußball habe es geklappt, mit einem Hygieneplan den Spielbetrieb in der Bundesliga wieder aufzunehmen. Ob das in der Leichtathletik unter strengen Auflagen allzu bald gehen kann, da hat Hoffmann seine Zweifel. Doch er äußert sich optimistisch, dass im Herbst vielleicht noch ein paar kleinere Wettkämpfe möglich sind.

Beeindruckender Trainingsaufwand

Sein Trainingsaufwand ist jedenfalls beeindruckend: 150 bis 200 Kilometer läuft er in den Belastungswochen, verteilt auf zehn bis 20 Trainingseinheiten in allen Tempobereichen. In den Erholungswochen läuft er dann nur 100 bis 130 Kilometer. Und der Trainingseinsatz zahlt sich aus, wenn man sich die Erfolge des Ausdauersportlers vor Augen führt, die hier nur auszugsweise aufgeführt werden können. Er wurde Deutscher Meister über 100 Kilometer beim Ultralauf in Berlin und 2019 Vizeweltmeister über 50 Kilometer im Team. Er siegte im vergangenen Jahr außerdem beim Zermatt-Marathon und war damit erst der zweite deutsche Läufer, dem dies gelang.

Hoffmann, der in seinen Jugendjahren Fußballer war, wechselte mit 18 Jahren zuerst zum Triathlon-Sport. 2010 begann er dann mit dem Laufsport und lief damals seinen ersten Marathon, dem noch viele folgen sollten. „In den letzten Jahren hab ich mich besonders auf Berglauf und Ultralauf konzentriert“, erklärt Benedikt Hoffmann, der seit 2013 für die TSG Heilbronn startet, „weil es dort eine schlagkräftige Läufergruppe gibt.“

Nach seiner Einstellung zum Sport befragt, erklärt er, dass es ihm wichtig sei, ein klares Ziel vor Augen zu haben und den Weg dorthin genau und strukturiert zu planen. „Meine Sportkameraden schreiben mir Ausdauer, Konsequenz und Ehrgeiz zu“, erklärt er und ergänzt, dass er davon überzeugt sei, dass alles im Leben wirklich Gewollte auch machbar sei. Was motiviert einen Mann, sich dem Ausdauersport Laufen zu verschreiben? „Für mich ist das allergrößte Geschenk, mich in der Natur zu bewegen“, lautet die Antwort.

Für seine Erfolge auf langen Strecken hätte Hoffmann im März die Sport-Gold-Medaille der Stadt Stockach bei der Sportlerehrung überreicht bekommen sollen. Die Veranstaltung wurde Corona-bedingt abgesagt, die Auszeichnungen und Urkunden haben die Sportler zugeschickt bekommen.

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