Eine Krise wie die Corona-Pandemie kann auch positive Folgen haben. Zum Beispiel mobilisierten die drastischen Einschränkungen ab Mitte März auch die Solidarität der Menschen. Praktisch über Nacht entstanden zahlreiche Angebote für Einkaufshilfen. Diese sollten Menschen unterstützen, die sich nicht selbst versorgen konnten oder zu Risikogruppen gehören und zum Schutz vor Ansteckungen nicht mehr selbst einkaufen gehen konnten. Initiativen wurden privat und über die sozialen Netzwerke gestartet, über Vereine und Fitnessclubs. Auch das SÜDKURIER Medienhaus war mit der Plattform #SKverbindet dabei. Welche Bilanz ziehen die Beteiligten?

Schaut man auf die Ortsteile Mahlspüren im Hegau und Hoppetenzell, wird schnell klar: Die Corona-Krise hat den Zusammenhalt der Menschen gestärkt. Angela Wolf-Lenz aus Mahlspüren im Hegau berichtet, dass sich, kaum war die Aktion per Handzettel ins Leben gerufen worden, schnell viele Leute zum Helfen gemeldet haben. Im Endeffekt seien es mehr Leute gewesen, die geholfen hätten, als wirklich gebraucht wurden.

Dies mag, so sagt sie, daran gelegen haben, dass die Krise nicht so schlimm wurde, wie man befürchtet hatte. Und es seien nur wenige Personen gewesen, die wirklich Hilfe gewollt haben. Außerdem sei im Dorf die Familien- und Nachbarschaftsstruktur so stark, dass man sich einfach gegenseitig geholfen habe. „Aber es war ein schönes Signal, dass gleich so viel Zusammenhalt da war“, sagt sie, „und ich würde es jederzeit wieder machen.“ Dies bestätigen auch die Familien Zwanziger und Wenger, die sich ebenfalls um die Organisation der Einkaufshilfe in Mahlspüren im Tal gekümmert hatten.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch in Hoppetenzell, so berichtet Organisatorin Julia Borst, sei die Einkaufshilfe bis auf ein paar Ausnahmen kaum in Anspruch genommen worden. Es habe sogar ein Schreiben von der Ortsverwaltung gegeben, das es den Einkaufshelfern ermöglicht hätte, mehr Nudeln oder Toilettenpapier zu kaufen, als normalerweise erlaubt war, da sie es ja verschiedenen Menschen mitgebracht hätten. Aber auch dieses Schreiben sei nicht gebraucht worden. „Wir hatten extrem viele Helfer, auch Leute, die wir noch gar nicht kannten“, erzählt Julia Borst. „Der Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander ist größer, als man denkt.“

Auch mehrere Organisationen haben rasch auf Corona-Hilfe umgestellt

Auch Organisationen wie der Malteser Hilfsdienst haben Einkaufshilfen angeboten. Pressesprecherin Silvia Baumann berichtet, dass schon Mitte März, als die schärfsten Corona-bedingten Einschränkungen erlassen wurden, der Fahrdienst, den es ohnehin bereits gegeben habe, zum Corona-Einkaufsdienst umgewidmet worden sei. Über die Fahrdienste des Malteser Hilfsdienstes seien etwa 12 bis 15 Kunden pro Woche betreut worden, was wohl nicht so viele gewesen seien.

Das könnte Sie auch interessieren

Dennoch sei es bewundernswert, wie stark der Zusammenhalt in der Krise gewesen sei, trotz aller Unsicherheiten: „Dies war für uns alle die erste Pandemie. Wir sind eine Katastrophenschutzorganisation und wir helfen natürlich immer und jederzeit wieder, auch wenn nur wenige das Angebot wahrnehmen.“ Und: Sollten es aktuelle Entwicklungen notwendig machen, sei man bereit, jederzeit wieder Aktionen zu starten.

In Stockach hatte auch die Stadtjugendpflege eine Einkaufshilfe angeboten. Hier sei Idriz Dautaj, der gerade sein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, sehr rührig gewesen und sei zwei- bis dreimal täglich gefahren, um vor allem Senioren ihre Einkäufe zu bringen, sagt Stadtjugendpfleger Frank Dei. Für Idriz Dautaj sei es eine Herausforderung, aber auch eine tolle Erfahrung gewesen, plötzlich statt mit Jugendlichen mit Senioren zu tun zu haben, die angesichts der Krisensituation häufig einsam waren und Gesprächsbedarf hatten. Inzwischen habe die Stadtjugendpflege den Service eingestellt, aber „wir würden das jederzeit wieder anbieten, wenn Bedarf da ist und Kapazitäten frei sind“, sagt Frank Dei.