Ab sofort gilt es für die Stockacher Bürger die Fahradketten zu ölen, die Reifen aufzupumpen und den Sturzhelm aus dem Keller zu holen: Denn die Stadt beteiligt sich an der bundesweiten Radkampagne Stadtradeln. Die Kampagne versteht sich als Wettbewerb, bei dem es darum geht, möglichst viele Alltagswege klimafreundlich mit dem Fahrrad zurückzulegen.

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Dabei ist es egal, ob Teilnehmer bereits jeden Tag auf ihren Drahtesel steigen oder bisher eher selten mit dem Rad unterwegs sind. „Jeder Kilometer zählt, erst recht wenn man ihn sonst mit dem Auto zurückgelegt“, sagt Sabrina Molkenthin, Leiterin Umweltzentrum Stockach, bei der Vorstellung des Projektes. Im Umweltzentrum läuft die Koordination zusammen. Die Aktion findet im Zeitraum von Sonntag, 20. September, bis Samstag, 10. Oktober, statt.

21 Tage möglichst oft im Sattel

Beim Stadtradeln treten Kommunalpolitiker und Bürger gemeinsam in die Pedale und radeln mit anderen Kommunen an jeweils 21 zusammenhängenden Tagen zwischen Mai und September für mehr Radförderung, Klimaschutz und Lebensqualität um die Wette. Fast 300.000 Menschen aus 885 Kommunen folgten in 2018 diesem Aufruf und legten mehr als 59 Millionen Kilometer auf dem Fahrrad zurück. Aktuell gibt es in Stockach zwei Mannschaften, wie Sabrina Molkenthin erklärt.

Jeder Kilometer zählt

„Jeder gefahrene Kilometer wird allerdings als Stockacher Kilometer zusammengetragen“, sagt sie. Die Anmeldung, um sich an der Kampagne zu beteiligen, ist bereits freigeschalten. Für die Leiterin des Umweltzentrums sei die Mobilität noch immer eine Art Sorgenkind bei den Klimaschützern, allerdings biete die Kampagne eine gute Möglichkeit, alternative Fortbewegungsmittel in den Vordergrund zu rücken.

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Der erste Teilnehmer, der sich für die Aktion angemeldet hat, kommt indes aus dem Stockacher Rathaus. Für Sebastian Scholze vom Rechnungsamt der Stadtverwaltung Stockach war schnell klar, dass er bei der Kampagne für Stockach an den Start gehen werde. „Ich bin schon früher auf das Projekt aufmerksam geworden und freue mich, dass Stockach nun zum ersten Mal mitmacht“, sagte er. Er wohne aktuell in Raithaslach und fahre ohnehin, wenn es das Wetter zulasse, beinahe täglich zur Arbeit. „Weil man damit auch etwas Gutes für die Umwelt tut“, so Scholze.

Auch Stolz steigt auf das Rad um

Für Bürgermeister Rainer Stolz ist das Stadtradeln ein lohnendes Projekt. „Wir wollen als Stadt ein Signal geben. Das Fahrrad als Verkehrsmittel ist eine gesunde Alternative“, betonte er. Gerade bei kurzen Wegen sei es eine klimafreundliche Alternative zum Auto. „Dies ist eine sehr gute Gelegenheit, sich dies auch im Alltag bewusst zu machen“, so Stolz weiter. Stockachs Bürgermeister hofft auf eine rege Teilnahme der Stockacher. Nicht nur, weil es Spaß mache und die Fitness fördere. Er selbst beteilige sich aktiv an der Aktion und wolle so oft als möglich selbst auf das Fahrrad steigen, obgleich er betont: „Ganz ohne Auto geht es noch nicht.“

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Auch Gemeinderätin Doris Rath (Grüne) macht beim Stadtradeln mit. „Dass, was wir hier erreichen wollen, nämlich wieder verstärkt auf dem Rad unterwegs zu sein, war in meiner Kindheit das Normalste auf der Welt“, betonte sie. Ihre Ratskollegin Anja Schmidt (FW) möchte mit ihrem Mitwirken zeigen, dass man auch „als einzelne Person schon sehr viel für unsere Erde tun kann“. Sie gehe davon aus, dass vielen Menschen der Ernst der Lage bezüglich der CO2-Bilanz noch nicht ganz bewusst sei. „Für die Gesundheit ist es mehr als gut, vor allem für die Entschleunigung im Kopf, da heutzutage alles viel zu schnell geht“, sagte sie. Auch für Jürgen Fürst, Geschäftsführer der Stadtwerke Stockach, ist die Mobilität mit einer der größten Faktoren im Klima- und Umweltschutz. „Gerade im Bereich der kurzen Strecken kann man hier viel erreichen“, erläutert er.

Hinweise, wo es im Radverkehr klemmt

Damit noch mehr Menschen dauerhaft vom Auto aufs Rad umsteigen, braucht es eine Radinfrastruktur, auf der sie schnell und sicher ans Ziel kommen. Und dies sei laut Molkenthin ein positiver Nebeneffekt der Kampagne: „Es gibt auch die Möglichkeit, auf Problemstellen im Radverkehrswegenetz der Stadt aufmerksam zu werden und diese dann an die Stadtverwaltung weiterzugeben.“ Etwa ein Bordstein, der noch zu hoch sei, oder ein fehlender Fahrradschutzstreifen.

Laut Peter Fritschi, Leiter des Baurechts- und Ordnungsamtes, sei die Stadtverwaltung ohnehin derzeit dabei die Radverbindungen auf der Gemarkung der Stadt zu ertüchtigen. „Zudem bringen wir auch neue Radwegweiser darauf an, damit die Radfahrer auch ihre Wege finden“, sagte er.

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