Wer in den vergangenen Wochen in der Nähe der Eschenbühlhütte auf den gekiesten Landwirtschaftswegen gelaufen ist, könnte sie gesehen haben: die weiße Jurte, die mitten in der Landschaft steht. Sie ist umrahmt von blickdichten Hecken und fällt dadurch nur aus geringer Entfernung direkt auf. Das Grundstück gehört dem Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf, darin sind sich alle einig, die darüber sprechen.

Damit hört die Einigkeit aber bereits auf: Ortsvorsteher Udo Pelkner, der sich mit Gemeindedienstmitarbeiter Reinhard Elsner vor Ort ein Bild der Lage machte und die beiden Wahlwieser Jäger Elko Pfaff und Rüdiger Lempp sehen die Jurte skeptisch. Besitzer Karl-Hermann Rist, Betriebsleiter des Bereichs Landwirtschaft und Mitglied des Vorstandsteams des Pestalozzi Kinder- und Jugenddorfs Wahlwies, versteht die Aufregung nicht.

Wie die Jurte dorthin kam

Das Fundament aus Holz mit OSB-Platten belegt sei handwerklich gut gemacht, bescheinigt Udo Pelkner. Dafür sei ein Lehrer aus Stockach verantwortlich, erzählt er weiter. Das habe ihm Elko Pfaff mitgeteilt, der zwei Mal mit dem Mann gesprochen habe. Die ursprüngliche Idee des Zeltbauers sei gewesen, „mit seiner Tochter in und mit der Natur zu leben“, so Pfaff auf SÜDKURIER-Nachfrage.

Der weite Blick von der Jurte in die Landschaft offenbart die idyllische Lage.
Der weite Blick von der Jurte in die Landschaft offenbart die idyllische Lage. | Bild: Claudia Ladwig

Auch Rüdiger Lempp sagt, der Mann sei während des Lockdowns jedes Wochenende und teilweise unter der Woche oft dort gewesen. Der Lehrer habe mehrfach bestätigt, dass die Jurte nichts mit dem Kinderdorf zu tun habe, er aber die Erlaubnis von Karl-Hermann Rist habe, an dieser Stelle die Jurte aufzustellen. Inzwischen habe er sein Projekt aufgegeben und die Jurte an Rist verkauft.

Was in der Gegend dort so los ist

Rüdiger Lempp skizziert die Gegend rund um den Standort und das Problem wie folgt: „Es gibt den ganzen Tag Unruhe durch Spaziergänger, Hunde, Radfahrer und Jogger, da verstecken sich die Tiere in Büschen, Hecken und den Obstanlagen. Eigentlich ist dieser Bereich für Wildtiere ein Idyll.“ Er selbst habe dort vor nicht allzu langer Zeit Fasane gefüttert.

„Da verläuft das Grüne Band zwischen Wahlwies und Espasingen und die setzen ein solches Zelt mitten rein, wo Tiere geschützt wandern sollten“, betont Lempp. Das könne er nicht nachvollziehen, zumal es rund 300 Meter entfernt von der Eschenbühlhütte in dem kleinen Wäldchen bereits einen Grillplatz gebe und rundherum genügend Platz vorhanden gewesen wäre. Er sehe auch keine Toilette und frage sich, wie sich Besucher im Notfall behelfen.

Nur von dem Landwirtschaftsweg unterhalb der Felder ist die Jurte einsehbar. Die drei anderen Seiten sind durch Hecken vor Blicken geschützt.
Nur von dem Landwirtschaftsweg unterhalb der Felder ist die Jurte einsehbar. Die drei anderen Seiten sind durch Hecken vor Blicken geschützt. | Bild: Claudia Ladwig

Ein Projekt zum Anpacken

Schon der Anfang hört sich bei Karl-Hermann Rist, anders an. Er sei etwa Ende März mit dem Lehrer ins Gespräch gekommen, als die Corona-Einschränkungen eingeführt wurden. „Wir hatten den gemeinsamen Gedanken, eine Jurte für die Kinder und Jugendlichen vom Erlenhof und Kinderdorf aufzubauen.“ Die Kinder und Jugendlichen hätten beim Aufbau geholfen. „Der Zweck war ein Projekt, um sie zu beschäftigen“, so Rist weiter. „Alle konnten mitanpacken, es war ein schönes Projekt.“

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Eine große Nutzung der ihm gehörenden Jurte gebe es nicht, erklärt Rist. Er habe mit dem Lehrer vereinbart, dass dieser die Jurte auch privat mitnutzen könne. Vereinzelt habe dieser wohl auch mit seiner Familie darin übernachtet. Dass deshalb öfter ein Auto am Weg zum Grundstück parke, sehe er nicht als Problem an. „Wer beurteilt, ob das erlaubt ist oder unerlaubt? Das ist erlaubt.“

Dort, wo die Hecke keinen Sichtschutz bietet, hält eine Kunststoffplane Blicke ab.
Dort, wo die Hecke keinen Sichtschutz bietet, hält eine Kunststoffplane Blicke ab. | Bild: Claudia Ladwig

Vorwürfe wegen Krach

Seines Wissens nach gebe es keine Veranstaltungen dort. Lediglich einzelne Haushalte seien mit ihren Kindern zusammen hingegangen und es habe zwei oder drei Treffen mit Mitarbeitern der Hausleitung gegeben, um sich außerhalb ihrer Betreuungshäuser zu treffen und auszutauschen. Er habe nie erlebt, dass dort Krach oder nachts etwas los war, erklärt Karl-Hermann Rist.

Er fügt aber auf den Einwurf, einmal sei nachweislich nachts die Polizei dagewesen, hinzu: „Stimmt, da war ich zum Glück dabei und konnte richtigstellen, was los war. Es ging absolut ruhig zu, wir waren mit sieben Personen dort, drei davon vom Erlenhof.“ Zu dieser Zeit waren nur Treffen mit bis zu fünf Personen erlaubt.

Neben der Jurte stehen Gartenstühle und ein Gestell mit Brennholz. Eine Toilette ist dagegen nicht zu sehen.
Neben der Jurte stehen Gartenstühle und ein Gestell mit Brennholz. Eine Toilette ist dagegen nicht zu sehen. | Bild: Claudia Ladwig

Auch den Einwand der Jäger, sie würden durch die Jurte Tiere gefährden, weist Rist, der für die Grünen im Ortschafts- und Gemeinderat sitzt, zurück: „Dass durch uns Tiere vertrieben werden, ist Unsinn, da gibt es ein Monitoring drüber. Da lasse ich mich gar nicht darauf ein.“ Auf dem Gelände, das das Kinderdorf schon sehr lange besitze, seien vermutlich früher Gärten gewesen. Diese seien wohl mit Maschendrahtzaun und betonierten Elementen eingefriedet gewesen. „Wir haben die Hecke bis zum Zaun zurückgeschnitten“, sagt Karl-Hermann Rist. Den angebrachten Kunststoff-Sichtschutz, der Blicke vom Weg aus verwehrt, erwähnt er nicht.

Was das Baurechtsamt sagt

Neben der Jurte lagert ordentlich aufgeschichtetes Brennholz. Von einem Ofen wisse er nichts, erklärt Rist. Das Holz sei für ein Feuer vor dem Zelt gedacht. Weil der Stoffbezug des Zelts eher für trockenes Klima geeignet sei, solle die Jurte sowieso unter Mithilfe des Lehrers im Laufe des Spätherbstes wieder abgebaut werden. Mit dem Baurechtsamt habe er gesprochen: „Das ist für die soweit ok“, gibt Rist an. Die Antwort aus dem Baurechtsamt auf Nachfrage des SÜDKURIER lautet dagegen, es handele sich um ein laufendes Verfahren. Man könne dazu keine Aussage machen.