Viele Fragen blieben auch nach einer Verhandlung wegen Nötigung vor dem Amtsgericht Stockach offen. Angeklagt war ein 21 Jahre alter Mann. Wie die Staatsanwaltschaft während der Verhandlung schilderte, soll er im Juli des vergangenen Jahres gemeinsam mit einem weiteren unbekannten Autofahrer einen anderen Fahrer in Stockach an der Ecke Höllstraße/Tuttlinger Straße durch gefährliche Überholmanöver dazu gebracht haben, auf einen Bürgersteig auszuweichen, um so einen Zusammenstoß zu verhindern. An der benachbarten Tankstelle soll er den geschädigten Autofahrer zudem ausgebremst haben.

Der Beschuldigte selbst konnte zu den Vorwürfen vor Gericht keine Angaben machen, da er sich wegen einer Reise in ein ausländisches Risikogebiet in Quarantäne befand. Vertreten wurde er aber von seinem Anwalt. Dieser hatte jedoch auch keine Erklärung von seinem Mandanten erhalten: „Ich hatte mit ihm keinen Kontakt außer einer E-Mail von ihm, dass er sich in Quarantäne befindet“, sagte der Verteidiger vor Gericht.

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Beleidigungen und Gewalt

Der Geschädigte dagegen erklärte in der Verhandlung, dass er sich zur Zeit der Tat zusammen mit einem Freund im Bereich des Busbahnhofs am Schulzentrum aufgehalten habe, als plötzlich ein Auto zu ihnen gefahren sei. „Die Insassen haben uns grundlos angefangen zu beleidigen. Ich wollte das anschließend klären und wir sind ihnen hinterhergefahren“, schilderte der Geschädigte. Zunächst hätten er und sein Freund die Insassen des „Beleidigerautos“, wie das Fahrzeug später in der Verhandlung von Richterin Julia Elsner zum besseren Verständnis genannt wurde, jedoch nicht mehr gesehen. Im Bereich des Stadtwall-Carrées sei ihnen das Auto dann aber wieder aufgefallen und sie hätten die Verfolgung aufgenommen. Auf dem Weg in Richtung Höllstraße sei dann der Angeklagte mit einem weiteren Auto aufgetaucht.

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Nach gegenseitigen Überholmanövern seien die Insassen des „Beleidigerautos“ an der Tankstelle schließlich ausgestiegen und handgreiflich geworden – der Angeklagte selbst jedoch nicht. Dieser sei lediglich aus seinem Auto ausgestiegen und beleidigend geworden, schilderte der Geschädigte. Allerdings konnte er sich nicht mehr genau an die Situation erinnern: „Das ist inzwischen eineinhalb Jahre her, da vergisst man vieles“, versuchte der Geschädigte, sich immer wieder zu erklären.

Zeugen erscheinen nicht

Inzwischen habe sich der Angeklagte auch bei ihm entschuldigt. „Wir kennen uns von einem Anti-Gewalt-Training und er hat mich nicht sofort erkannt“, so der Geschädigte. Einen Strafantrag wegen Beleidigung nahm er während der Verhandlung zurück.

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Der besagte Freund des Geschädigten bestätigte dessen Aussage. Zudem sprach er über die von der Staatsanwaltschaft geschilderte Situation, in der der Angeklagte ihn und den Geschädigten ausgebremst haben soll: „Er wollte uns den Weg abschneiden“, sagte er. Allerdings wusste er nicht mehr, ob sie selbst zuerst angehalten hatten oder ob sie tatsächlich ausgebremst wurden.

Licht ins Dunkel hätten vielleicht zwei andere Zeugen bringen können – sie erschienen aber nicht vor Gericht. Gänzlich geklärt werden konnte der Tathergang daher auch nicht: „Wir wissen nicht wirklich, was passiert ist“, fasste Richterin Julia Elsner zusammen. Der Verteidiger des Angeklagten merkte an, dass sich die Anklage im Wesentlichen auf die Aussage des Freundes des Geschädigten stütze.

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Die Staatsanwältin hielt eine Nötigung zumindest in einer Situation für gegeben: „Meines Erachtens – auch wenn sie nicht genau wussten, wie es war – habend beide gesagt, dass sie blockiert wurden“, sagte sie. Sie schlug aber eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Auflage vor. Alle Seiten stimmten dem zu. Auf Vorschlag des Verteidigers muss der Angeklagte nun jeweils 250 Euro an die Kindernachsorgekliniken Tannheim und Katharinenhöhe zahlen.

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