Ein weiteres Corona-Jahr geht zu Ende. Es stellte auch die rund 300 Kameraden in den neun Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr Stockach vor Herausforderungen.

Pressesprecher Fabian Dreher und der Abteilungskommandant von Mahlspüren im Tal/Seelfingen, Christian Gunnesch, sprechen darüber, wie sie auf die heutige Silvesternacht blicken und was die Feuerwehrleute 2021 alles erlebt haben. Mit Blick auf den Jahreswechsel äußern die beiden Männer die Hoffnung, dass diese wie schon die letztjährige ohne größere Probleme ablaufen wird.

Feuerwehrleute halten sich beim Feiern zurück

Christian Gunnesch sagt: „Silvester ist grundsätzlich eine Nacht, in der die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass man raus muss.“ Man fühle sich deshalb mehr als unterm Jahr dazu verpflichtet, den Ball flach zu halten, um im Ernstfall einsatzbereit zu sein.

Außer kleineren Dingen wie einem Mülleimerbrand oder sonstigen Kleinbränden sei es an Silvester 2020 ruhig gewesen. Allerdings galt da zusätzlich zum Feuerwerksverbot eine Ausgangssperre.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch in diesem Jahr darf in Deutschland kein Feuerwerk verkauft werden. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass nirgendwo geknallt wird und es dabei nicht auch zu Unfällen oder Bränden kommen könnte. Sind die Gerätehäuser also vorsorglich besetzt?

Viele Freiwillige stehen im Notfall bereit

Dreher erklärt: „Wir haben als Freiwillige Feuerwehr keine Wachbesetzung. Wenn ein Notfall gemeldet wird, landet die anrufende Person in Radolfzell bei der integrierten Leitstelle. Diese alarmiert dann die Freiwillige Feuerwehr. Die Kameraden werden per Funkmeldeempfänger informiert und kommen zum Gerätehaus.“

Um den Jahreswechsel gebe es den großen Vorteil, dass viele Leute daheim seien und nicht arbeiten müssten. „Dadurch sind entsprechend mehr Leute verfügbar als sonst“, so Dreher. In der Leitstelle sind verschiedene Stichworte hinterlegt, sodass die Feuerwehrleute zielgerichtet alarmiert werden können. Gegebenenfalls kommen Sonderfahrzeuge der Abteilung Stadt hinzu.

An der Technik fehlt es nicht

Die Internetseite der Freiwilligen Feuerwehr offenbart, dass es bis Anfang Dezember 215 Einsätze gab und dass trotz Corona einige Vorhaben wie die Beschaffung von Fahrzeugen umgesetzt wurden. Dreher und Gunnesch bestätigen, dass die Feuerwehr Stockach gut mit Technik und Fahrzeugen ausgerüstet ist.

Christian Gunnesch sagt: „Es wird permanent investiert, man macht sich im Vorfeld Gedanken. Die Sachen werden über Jahre vorausschauend im Haushalt eingeplant.“ Die Feuerwehr Stockach stellte im März ihr neues Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF20) in Dienst. Es ersetzte das Löschfahrzeug 8/6, das seit Mai in Winterspüren stationiert ist.

Auch in Mahlspüren wurde aufgerüstet

Seit 2020 hat die Abteilung Mahlspüren im Tal/Seelfingen ein neues Mittleres Löschfahrzeug (MLF) für die Brandbekämpfung und einfache technische Hilfeleistung.

Es verfügt neben der Standardbeladung und einem 1000 Liter Wassertank zusätzlich über Wärmebildkamera, Gasmessgerät, Kettensäge, Wassersauger, Strom und Beleuchtung, Elektrolüfter und Spineboard (ein Hilfsmittel zur Rettung verunglückter Personen, bei denen eine Verletzung der Wirbelsäule nicht auszuschließen ist).

Üben mussten die Kameraden anders als sonst

Gunnesch betont: „Man muss die vorhandene Technik aber auch beherrschen. Je spezieller die Ausrüstung, desto mehr Schulung ist nötig.“ Üben konnten die Kameraden coronabedingt meist nur in Kleingruppen innerhalb der Abteilungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Aber auch im Fahrdynamikzentrum in Steißlingen nahmen im Februar zehn Jugendleiter der Abteilungen Stadt, Espasingen und Wahlwies mit fünf Mannschaftswagen am Fahrsicherheitstraining teil. Im November absolvierten zehn Mitglieder der Abteilungen Kernstadt, Raithaslach, Winterspüren und Zizenhausen ein Fahrsicherheitstraining für Einsatzfahrer.

Im Juni ging für 17 Feuerwehrangehörige der Atemschutzlehrgang erfolgreich zu Ende. Die Teilnehmer kamen aus den Feuerwehren Bodman-Ludwigshafen, Mühlingen und Stockach. Dieser Lehrgang war für die Ausbilder eine neue Herausforderung, weil der Theorieteil, der sonst immer in Präsenz stattgefunden hatte, diesmal online abgehalten wurde.

Feuerwehr übt auch mit der Drohne

Auch mit der Drohne muss geübt werden, wie Fabian Dreher erläutert. Die Drohneneinheit des Landkreises ist interkommunal aufgestellt und wird vom Landratsamt unterhalten.

Sie ist bei der Abteilung Espasingen stationiert und setzt sich aus Kräften der Feuerwehren Bodman und Ludwigshafen sowie Stockach (Abteilungen Espasingen und Wahlwies) zusammen. Den Umgang trainierten die Feuerwehrleute etwa bei der Tierrettung im Sommer. Die Drohneneinheit steht allen Behörden und Organisationen zur Verfügung.

Ein Jahr mit vielen Hochwassereinsätzen

Christian Gunnesch stellt fest, dass es im Verhältnis zu den letzten Jahren in diesem Jahr viele Hochwassereinsätze gab. Er erinnert an die Überschwemmung in Stockach und dem Umland, aber natürlich auch an den Einsatz im Juli im Ahrtal.

Aus dem Landkreis Konstanz war ein Hochwasserzug zur Bewältigung der dortigen Hochwasserkatastrophe angefordert worden. Bestandteil des Zugs war auch ein Führungsfahrzeug der Feuerwehr Stockach mit zwei Feuerwehrangehörigen.

Allein der kurze Einblick in Übungen und Einsätze macht deutlich, wie vielfältig die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr ist. Daher sei es gut und wichtig, dass Stockach seit diesem Jahr mit Uwe Hartmann einen hauptamtlichen Kommandanten habe, so Gunnesch.