Stockach bleibt bei der Bundestagswahl schwarz – wie auch schon bei der vergangenen Wahl im Jahr 2017 wurde Andreas Jung wie auch auf Kreisebene Erststimmen-König, außerdem erhielten die Christdemokraten mit 26,2 Prozent die meisten Zweitstimmen. Dennoch hat die Partei mit Verlusten zu kämpfen: Während Jung 2017 in der Stadt noch 50,7 Prozent der Stimmen erhielt, waren es am Sonntag nur noch 39,1.

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Und auch Zweitstimmen gingen verloren, vor vier Jahren erhielt die Partei noch satte 35,5 Prozent in Stockach. Gewinnen konnten dagegen sowohl die SPD mit rund 19,3 Prozent gegenüber 15,1 im Jahr 2017, die Grünen mit 15,4 Prozent gegenüber vorherigen 13,7 sowie die FDP mit 16,4 Prozent und damit über drei mehr als noch 2017.

Ernüchterndes Ergebnis für die CDU

Christoph Stetter, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands in Stockach und beruflich für Andreas Jung im Einsatz, sieht das Ergebnis zwiegespalten: Natürlich freue man sich, dass Andi Jung die meisten Erststimmen gewinnen konnte. „Ich denke, das ist eine Anerkennung für seine Arbeit“, sagt er. Zwar habe er sich ein besseres Resultat gewünscht, „aber damit kann man gut arbeiten“.

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Mit der Anzahl der Zweitstimmen ist er dagegen gar nicht zufrieden: „Es ist natürlich eine Ernüchterung und enttäuschend“, urteilt Stetter. Und das Stockacher Ergebnis spiegle die bundesweiten Entwicklungen wider. Allerdings habe er damit aufgrund der Umfragen in den vergangenen Wochen und Monaten bereits im Vorfeld gerechnet, sagt der CDU-Vorsitzende. „Es wäre eher eine Überraschung gewesen, wenn es ganz anders gewesen wäre.“

Die Wahlbeisitzerin Teresa Jehle war am Sonntag im Wahllokal bei der Stockacher Hauptschule im Einsatz.
Die Wahlbeisitzerin Teresa Jehle war am Sonntag im Wahllokal bei der Stockacher Hauptschule im Einsatz. | Bild: Siegfried Kempter

Klimakatastrophe nicht präsent genug

Ebenfalls ein besseres Ergebnis für seine Partei hätte sich Udo Engelhardt von den Grünen im Raum Stockach gewünscht. Zwar könne man sich in Stockach über einen Zuwachs freuen, dennoch liege das Resultat auch bundesweit „weit hinter den Erwartungen und Hoffnungen“. Dass die Grünen nicht noch mehr Stimmen gewinnen konnten, führt Engelhardt auf mehrere Dinge zurück, unter anderem darauf, dass die Angst vor nötigen Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe größer sei als die vor der Katastrophe selbst.

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Freude bei der FDP

Freude herrscht dagegen bei Oliver Kuppel, dem stellvertretenden Kreisvorsitzenden der FDP. Das Ergebnis für seine Partei „macht uns überaus glücklich, wir sind sehr zufrieden damit, was im Kreis, im Land und bundesweit los ist“. Er habe bereits im Wahlkampf das Gefühl gehabt, dass die FDP ein ordentliches Ergebnis einfahren werde. „Von daher bin ich nicht völlig überrascht.“ Der liberale Kurs der sozialen Marktwirtschaft habe die Wähler von seiner Partei überzeugt.

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Positive Überraschung bei der SPD

Auch Klaus Delisle, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, blickt erfreut auf die Ergebnisse – nicht nur bundesweit, sondern gerade in Stockach. Dass seine Partei Stimmen dazugewinnen konnte, sei „eine feine Sache und ich bin froh darüber“. Dabei sei er sehr überrascht von der Entwicklung. „Wenn man mir vor vier Monaten gesagt hätte, dass wir über 19 Prozent in Stockach kommen können, hätte ich das nicht geglaubt.“ Besonders toll sei das Erststimmen-Ergebnis für Lina Seitzl. Zwar war zum Redaktionsschluss noch unklar, ob sie in den Bundestag einziehen kann, dass sie so viele Stimmen für sich gewinnen konnte, freue ihn aber bereits, sagte Delisle am Sonntagabend.